Kurzbeschreibung
Als „Verwalter der vagen Dinge“ hat der Lyriker und Philosoph Paul Valéry einmal Priester, Magier und Dichter bezeichnet. Peter Fuchs zählt auch Psychotherapeuten zu diesem Kreis, weil der Gegenstand ihrer Arbeit häufig eher vage als konkret ist: Was der Seele zu schaffen macht, ist selten eindeutig zu bestimmen, genauso wie es schwer ist, in der heutigen Welt eine einheitliche, eindeutige Identität zu finden.
Peter Fuchs betrachtet Psychotherapie als den Versuch, gemeinsam mit den Klienten Strategien zu entwickeln, die es ihnen ermöglichen, mit solchen Unschärfen zu leben. Für den Berufsstand der Psychotherapeuten stellt sich die Frage, ob es sich angesichts der Unbestimmtheiten, mit denen er zu tun hat, um ein eigenes (Sozial-)System handelt.
Was dieses Buch über den Erkenntnisgewinn hinaus lesenswert macht, sind seine besondere Form und das Lesevergnügen, das man daraus schöpft: Ein Experte in Soziologie breitet seine Gedanken vor Expertinnen und Experten in systemischer Therapie aus, es kommt zu Diskussionen, und es kommt zum geistigen Funkenflug. Aus der Begegnung von Theorie und Praxis ergeben sich vielfältige Anregungen, manchmal überraschend, manchmal sogar überraschend einfach.
So gibt das Buch immer wieder Gelegenheit, innezuhalten, einen Schritt zurückzutreten und der Frage nachzugehen: Was tun wir da eigentlich? Es ermöglicht sozusagen eine prinzipielle, fundamentale innere Supervision.
Über den Autor
Peter Fuchs, Prof. Dr.; 1972–1984 Heilerziehungspfleger; Studium der Sozialwissenschaften und der Soziologie in Bielefeld, Dortmund, Hagen. 1991 Promotion in Gießen. Ab 1992 Professur für Allgemeine Soziologie und Soziologie der Behinderung an der Hochschule Neubrandenburg, seit 2007 im Ruhestand. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt: Das System Selbst. Studie zur Frage, wer wen liebt, wenn jemand sagt „Ich liebe Dich!“, das im Juli 2010 vom NDR unter die besten Sachbücher des Monats gewählt wurde.