Der Kontrast kann kaum größer sein. Das Vorwort zu Ilja Trojanows neuem Buch hat Roger Willemsen geschrieben. Hier eine Sprache, deren Klarheit und Präzision die Schönheit und Hässlichkeit unserer Welt schonungslos offenlegt, die Wirklichkeit hinter der Fassade hervorzerrt, sezierend ohne jemals auch nur ansatzweise ins Schwafeln zu geraten. Und dann Willemsens blumiger, nein blasiger Stil, der vor lauter Gelehrsamkeit kaum einen klaren Gedanken mehr zulässt, von Metaphern zersiebte Sätze, die sich im Ungefähren auflösen. Gottlob, nach zehn Seiten ist es vorbei und es beginnt das wahre Leben.
Als ich vor einigen Jahren Trojanows "Weltensammler" las, war ich sofort fasziniert von diesem unglaublichen Talent, das Lebensgefühl einer fremden Kultur in die richtigen Worte zu fassen. Poetisch ohne jemals rührselig zu werden. Mit journalistischer Genauigkeit ohne jemals trocken zu sein. Kein Wort zu viel, keins zu wenig. Nie langweilig, nie abgehoben. Es ist eine einzige Freunde einem so wachen und klaren Verstand zu begegnen, wenn auch nur auf dem Papier. Einem Menschen, der nicht nur klug, sondern auch in der Lage ist, seine Gedanken ohne Hybris mit seinem Leser zu teilen.
"Die Versuchungen der Fremde" ist kein Roman, sondern eine Sammlung von einfühlsamen Reisereportagen, persönlichen Erlebnissen, die Trojanow gewohnt stilsicher beschreibt. Man ist unmittelbar dabei, wenn er die Quellen des Ganges sucht oder die Menschen sich "wie auf der Töpferscheibe Gottes" langsam um die Kaaba in Mekka bewegen. Geschichten aus Afrika, Arabien und Indien, die mehr über Afrika, Arabien und Indien erklären, als so manch gelehrter Aufsatz. Trojanow ist immer wach, mit allen Sinnen dabei, er saugt förmlich die Atmosphäre ein und gießt sie in Worte. Ein wunderbares Buch ist daraus geworden. Nur selber Reisen ist noch wunderbarer.