Vor 2000 Jahren am Rand des Toten Meers. Eine bunt zusammengewürfelte Gruppe zieht in die Wüste um dort den jüdischen Fastenmonat bei Wasser und Heuschrecken zu verbringen: Die Pilger versuchen sich an diesem "spirituellen Ort" von ihrem persönlichen "Dämon" - Krankheit, Furcht oder Unfruchtbarkeit - zu reinigen. Ihnen folgt ein junger Galiläer namens Jesus. Auch er sucht etwas in der Wüste..er will 40 Tage fasten um zu Gott zu finden. Doch bei Jim Crace geht alles einen ganz anderen Gang als in der Bibel. Und ein fetter, niederträchtiger und verschlagener Händler erklärt sich selbst zum ersten Jünger Jesus und kündet seine Botschaft. Es gibt (viel zu) viele Jesus-Bücher, die sich in gängigen Glaubensschemen ver(w)irren. Die "Versuchung in der Wüste" geht einen anderen Weg: Sie zeigt Jesus als einen überdrehten, von mystischen Wahn besessenen Jüngling, der nicht einmal sich selbst helfen kann. Und die Story selbst, überzeugt von der ersten bis zur letzten Seite. Dinesh Bauer