Es..."geschah nichts aus Zufall, die Schöpfung war ein riesige, komplexe Maschine" ... "aber irgendwie haben diese wenigen geretteten Scurvhamiten plötzlich bemerkt, dass sie mit einer krankhaften Mischung aus Faszination und Grauen in das prächtig tickende Uhrwerk der auf ewig Verdammten hineinblickten, und das sollte sich dann auch als verhängnisvoll erweisen."
Man weiß nie so recht, was in einem Roman von Thomas Pynchon eigentlich die Schlüsselstellen sind. Aber zumindest mein Eindruck ist es, dass hier auf den Seiten 170 und 171 meiner Ausgabe die Handlung ganz gut zusammengefasst wird. Da erhält jemand einen anderen Blick auf die Wirklichkeit. Er sieht mehr als vorher. Aber leider hat das, was er sieht, auch einen Einfluss auf ihn selbst, es verändert ihn, und das nicht zum Positiven. Denn es nimmt die Sicherheit. Und so muss die Heldin dieses Buches sich zuletzt den anderen fasziniert in das Uhrwerk Schauenden anschließen und die Rationalität ihres modernen Lebens verlassen, "wie ein Kapitän das untergehende Schiff als letzter verlassen hatte."
Ist das jetzt zu kryptisch für eine Rezension? Macht nichts. Denn wer sich mit diesen Zitaten aus dem Buch nicht anfreunden kann, der wird auch kaum mit viel Spaß das ganze Buch lesen. Schon etwas akademisch kommt es daher. Man kann sich mit den Personen kaum identifizieren. Sie sind eher Abziehbilder eines Amerikas, das in diesem Buch an vielen Stellen nicht gut wegkommt, vor allem, weil es schräge Menschen erzeugt. Da gibt es Radiomoderatoren auf LSD, Anwälte, die Filmstars sein wollen, und Filmstars, die Anwälte sein wollen, Musiker im permanenten Drogenrausch, Megareiche in der Lebenskrise, gescheiterte Erfinder und so weiter. Und alle reden nicht miteinander, sondern nur mit sich selbst. Das so ein Roman nicht wirklich gut ausgehen kann, versteht sich wohl von selbst.
Das kleine bisschen Handlung, das es in diesem Panoptikum gibt, will ich hier aber auch nicht verschweigen. Die junge Oedipa (man lese nach bei Wikipedia unter Ödipus - sorry, ein Scherz unter dem Niveau des Buches) wird zur Testamentsvollstreckerin ihres ehemaligen Geliebten ernannt. Sie fährt dazu in dessen Heimatstadt, die diesem praktisch komplett gehört hat, und findet dabei immer mehr Zeichen einer geheimen Organisation, bei der es sich um eine Art von Untergrund-Postdienst zu handeln scheint. Fasziniert geht sie den Hinweisen nach und merkt, dass immer mehr Menschen dabei aus ihrem Umfeld verschwinden. Schließlich weiß sie nicht mehr so genau, was Fiktion ist und was Wirklichkeit.
Warum das als eines der zugänglichsten Werke von Pynchon beschrieben wird, das entzieht sich mir allerdings eher. Zumindest ist es eines der kürzeren Werke dieses Autors. Lohnen tut sich das Lesen aber wegen der vielen, einzelnen Abschnitte, die Aspekte des Lebens in Kalifornien so wunderbar treffend und witzig beschreiben. Es lohnt sich also, vielleicht gerade die Abschnitte des Textes zu lesen, die nicht ganz so viel zu Aufklärung des vermeintlichen Rätsels beizutragen haben.