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Oberinspektor Pitt (dem fleißigen Perry-Leser wohlbekannt) steht im Frühjahr 1892 als Zeuge im Mordfall Adinett vor Gericht. Gestützt auf Pitts Aussage wird der Angeklagte verurteilt und gehängt - ein Fall der hohe Wellen schlägt, nicht zuletzt auch deswegen, weil es offenbar einflussreiche Kreise gibt, denen dieses Urteil gar nicht in den Kram passt. Und so wird Pitt postwendend für seine Aussage bestraft und ins East End versetzt. Nicht nur Pitt will daraufhin die Hintergründe herausfinden, sondern besonders auch seine Frau Charlotte. Die Spur führt nach Whitechapel und was als Suche nach einem Mordmotiv Adinetts anfängt, gipfelt schon bald im Entblättern einer großangelegten Verschwörung, die offenbar mit Jack the Ripper zu tun hat.
Anne Perry stützt ihre Tätertheorie zu den Rippermorden auf die umstrittenen Recherchen von Stephen Knight, dessen Buch "Jack the Ripper - The final solution" 1976 in England für einigen Wirbel sorgte. Diese Parallele ist aber nur ein Facette des Romans. Perrys Hauptaugenmerk liegt auf der rein hypothetischen Frage danach, was wohl hätte passieren können, wenn Knights Theorie (angenommen natürlich, dass sie stimmt) schon damals, in den gesellschaftlich und politisch unsicheren Jahren nach den Rippermorden bekannt geworden wäre. Verpackt wird diese Frage in einen Roman mit recht komplexen Zusammenhängen, lebhaften und authentisch wirkenden Schilderungen des viktorianischen London, mitsamt der politischen und gesellschaftlichen Unruhe der damaligen Zeit und größtenteils glaubwürdigen Figuren.
Einziger Schwachpunkt ist das Ende, das etwas plötzlich und schwammig daher kommt. Kein Wunder, denn die Geschichte wird im folgenden Band von Perrys Pitt-Reihe ("Feinde der Krone") fortgesetzt. Für den, der Roman als Einzelwerk betrachtet, ein kleiner aber etwas störender Nachteil. Ansonsten aber ein durchaus lesenswerter und durchgängig spannender historischer Krimi, der dank Perrys routinierter und solider Schreibkunst ganz locker und flott zu lesen ist.
Tellman samt Charlotte und Gracy versuchen mehr herauszufinden. Dabei enthüllen sich zwei Verschwörungen: eine für Königin und Krone, eine für die Schaffung einer neuen Republik. Beide Gruppen schrecken nicht vor grausamen Verbrechen und Mord zurück. Das Königshaus samt Kronprinz wird im Fall "Jack the Ripper" gedeckt, gleichzeitig wird der Hass des Volkes auf "die da oben" geschürt.
Es dauert eine Weile, bis man genau begriffen hat, wer zu welcher Gruppe gehört (Namen gut merken!), aber dann wird's spannend. Ich hätte mir zwar noch mehr Schilderungen über das East End und die dortigen Zuckerfabriken gewünscht, aber trotzdem: heute früh musste ich das Buch schweren Herzens weglegen, weil die Arbeit rief.... - aber immer noch besser, als ich Spitalfields das Überleben zu üben....!
Anne Perry lässt uns erneut ins 19. Jahrhundert eintauchen. Gesellschaftliche Spannungen, Armut, Verschwendungssucht des englischen Kronprinzen und auch die Whitechapelmorde von "Jack the Ripper" sind Thema dieses Romans. Wieder ermitteln Thomas und Charlotte an "verschiedenen Fronten". Dieses Mal ist es besonders hart und schwierig, da die Eheleute Pitt auf unbestimmte Zeit voneinander getrennt sind. Um diesen unseligen Zustand schnellstmöglich zu beenden, versuchen beide ihr bestes. Tatkräftige Unterstützung erhalten sie von Gracie, Wachtmeister Tellmann und natürlich Großtante Vespasia. Anne Perry verfolgt in dieser Geschichte verschiedene interessante Ansätze, die Auflösung kam allerdings etwas zu plötzlich und ließ mich mit einigen unbeantworteten Fragen zurück. Vielleicht werden diese im nächsten Band beantwortet:
22. Feinde der Krone (Southampton Row, 2002)
23. Die Frau aus Alexandria (Seven Dials, 2003)
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