Dieses Buch vergisst man nicht so schnell. Es ist ein Buch, das nicht nur für Jugendliche, sondern gerade auch für Erwachsene sehr informativ ist. Die junge 15jährige Anna, die in einem Nachbarort zur Schule geht und deshalb dort wohnt, versteckt in ihrem Heimatdorf einen entlaufenen russischen Strafgefangenen während der letzten Kriegsmonate und auch über den kalten Winter. Neben der Angst entdeckt und als Verräterin verurteilt zu werden, erlebt der Leser auch die weitere Lebensmittelverknappung, die langsame Erkenntnis bei den meisten Dorfbewohnern, dass der Krieg nicht mehr zu gewinnen ist und die vielen Lücken, die der Krieg noch in den letzten Wochen, in die Familien gerissen hat. Als Gegenpart zu Anna rangiert ihr kleinerer Bruder Felix, der völlig in der Nazidoktrin aufgeht und der größte Bedenken hat, der Krieg könne zu Ende sein, ohne dass er noch zum Volkssturm kann. Die Mutter und der Onkel - beide Parteimitglieder - werden langsam vorsichtig und erkennen die Zeichen der Zeit. Die Großmutter war sowieso durchgehend der Ansicht, dass Jesus wichtiger ist als Hitler und die Vermieterin ist eine mutige Frau, die Anna unterstützt und auch zur einzigen Mitwisserin wird.
Gerade der (teilweise) offene und schmerzhafte Schluss führt - wie so oft - dazu, dass man das Buch nicht schnell wieder vergisst, sondern immer wieder darüber nachdenkt, zu welcher Zerrissenheit die letzten Kriegsmonate und dann der Einzug der Alliierten in Deutschland führte.
Das Buch ist in einfachen Worten geschrieben, die Sprache ist fließend und gut zu lesen.
Für Kinder unter 12 Jahren finde ich das Buch allerdings noch sehr hart. U.a. wegen des Endes empfehle ich das Buch eher für Jugendliche.