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Die Vermessung der Welt
 
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Die Vermessung der Welt [Gebundene Ausgabe]

Daniel Kehlmann
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (389 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
  • Verlag: rowohlt; Auflage: 38., Aufl. (23. September 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498035282
  • ISBN-13: 978-3498035280
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,4 x 2,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (389 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de-Verkaufsrang: Nr. 2.732 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Das Verfahren ist bekannt und bewährt: Man nehme einen Denker aus der deutschen Geistesgeschichte und schlage literarischen Profit aus dessen Verschrobenheit. Ganz vorzüglich ist das beispielsweise Gert Hofmann mit Georg Christoph Lichtenberg in Die kleine Stechardin gelungen. Bernhard Setzwein hat mit Nicht kalt genug einen vorzüglichen Nietzsche-Roman vorgelegt, und Klaas Huizing widmete sich in Das Ding an sich auf hoch vergnügliche Weise dem Königsberger Philosophen und Kant-Vertrauten Johann Georg Hamann. Nun versucht sich auch Daniel Kehlmann erfolgreich an diesem Genre und porträtiert in seinem Roman gleich zwei deutsche Geistesgrößen: Das Mathematikgenie Carl Friedrich Gauß und den Universalgelehrten und großen Naturforscher Alexander von Humboldt. Im Zentrum steht ein Treffen der beiden 1828 in Berlin, auf einem Naturforscherkongress, für den Gauß nur sehr widerwillig sein Göttingen verlässt. Die zwei Großdenker haben sich beide auf ihre eigene Weise der Vermessung der Welt gewidmet, kommen sich aber nur zaghaft näher.

Der Roman kann sich auf knapp 300 Seiten Leben und Werk der beiden allerdings nur schlaglichtartig widmen, eher skizzenhaft und sehr kurzweilig erleben wir wichtige Stationen ihres Schaffens in einer geschickten Mischung aus Fakten und Fiktion: Humboldt auf seinen strapaziösen Exkursionen nach Südamerika, Gauß dagegen eher zerrissen zwischen der hehren Welt der Zahlen und dem schnöden Alltag, denn auch ein Genie hat Zahnschmerzen und muss sich mit Frau und Kindern herumplagen. Die Komik des Romans speist sich dabei nicht nur aus den ironisch beleuchteten Charakteren von Gauß und Humboldt, sondern auch aus der Spannung zwischen Größe und Lächerlichkeit. Humboldts große Forschungsreise nach Russland etwa gerät zur Farce, weil er schon zu berühmt ist: die ganze Expedition gerät zur Massenveranstaltung mit über 100 Teilnehmern, und statt zu Forschen verbringt Humboldt die meiste Zeit auf Empfängen.

Am Ende kann man Daniel Kehlmann gleich doppelt gratulieren: Zu diesem ebenso unterhaltsamen wie niveauvollen Roman -- und zur Nominierung von Die Vermessung der Welt zum in diesem Jahr erstmals verliehenen Deutschen Buchpreis. --Christian Stahl

Amazon.de Audiobook-Rezension

In seinem fünften und bisher besten Roman widmet sich der junge Daniel Kehlmann gleich zwei großen Geistern der an deutschen Genies reichen Epoche des 19. Jahrhunderts. Abwechselnd lässt er Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt die Welt erforschen und vermessen, am Ende begegnen sich die beiden, inzwischen alt und berühmt geworden, in Berlin. So leicht, geistreich und zugleich witzig ist schon lange nicht mehr über deutsche Dichter und Denker erzählt worden, über die allzumenschliche Lächerlichkeit auch im Genial-Erhabenen. Ob das alles wirklich so war, fragt der glückliche Leser nicht, auch wenn die leicht karikaturhaften Züge nicht zu leugnen sind. Etwa wenn Humboldt mit seinem Begleiter Bonpland von Paris nach Madrid reitet, um dort am Hof um die Erlaubnis für seine erste Südamerikaexpedition anzusuchen, sie aber einfach nicht vorankommen, weil Humboldt nicht aufhören kann, nebenbei zu messen und zu forschen: “Ein Hügel, von dem man nicht wisse, wie hoch er sei, beleidige die Vernunft, mache ihn unruhig. Ohne stetig die eigene Position zu bestimmen, könne ein Mensch sich nicht fortbewegen. Ein Rätsel, wie klein auch immer, lasse man nicht am Wegesrand.“

Gäbe es einen Preis der prägnantesten Hörbuchstimmen, hätte Ulrich Matthes sicher gute Chancen. Es genügen wenige Worte, um ihn zweifelsfrei zu erkennen. Unverkennbarkeit einerseits, grandioser Schauspieler andererseits, wie Matthes in zahlreichen Stücken, Filmen und Hörbüchern bewiesen hat. Auch aus dem Kehlmann-Roman macht er ein akustisches Ereignis und vermag die Wirkung dieses glänzenden Stücks Literatur noch strahlender zu machen. Dringend zu empfehlen!

Spieldauer: ca. 345 Minuten, 5 CDs, Hörbuchfassung des Autors

--Christian Stahl -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD .


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133 von 156 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Auf die Interpretation kommt es an..., 5. März 2009
Von Alexander Schmitt (Frankfurt am Main) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Taschenbuch)
Nachdem ich viele der über 300 Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe, muss ich feststellen, dass das Buch von vielen Lesern offensichtlich falsch verstanden wurde. Natürlich ist es kein spannendes Buch mit einem klar definierten Plot, der in einem Höhepunkt kumuliert, denn das ist meines Erachtens nach auch nicht der Anspruch dieses Werkes. Vielmehr ist Kehlmanns Roman in erster Linie eine satirische, bisweilen karikierende Darstellung des "Deutschseins", und zwar in zeitlich ungebundenen Kategorien eingebettet. Auch wenn die Handlung bereits vor 200 Jahren stattfand, so sind die meisten Stereotypen doch bis heute erhalten. In zweiter Linie ist es wohl eine philosophische Abhandlung über das Altern, das Kehlmann wie kein Zweiter auf sehr subtile, würdevolle, aber auch lustige Art und Weise betrachtet.

Hervorzuheben ist meiner Meinung nach besonders sein Schreibstil. Als Vielleser von Gegenwartslitaratur (nicht nur deutschsprachiger zwar) war Kehlmanns Roman stilistisch gesehen für mich ein besonderer Genuss. Die oftmals kritisierte, immer anwesende indirekte Rede schafft eine ganz besondere und auch nötige Distanz zu der lange zurückliegenden Handlung, was ich (als Geschichtsstudent) ausschließlich positiv bewerten kann. Historische Romane, in denen die direkte Rede überwiegt, können per se nicht authentisch sein, denn wer will genau wissen können, was wirklich gesagt wurde?!

Über kleinere Ungenauigkeiten bei der biographischen Recherche zu Gauß und Humboldt kann man durchaus hinwegsehen, sie tun der Handlung bzw. vielmehr der Aussage des Buches keinen Abbruch. Auch den Titel des Buches empfinde ich im Gegensatz zu vielen anderen Lesern nicht als störend, da es eben genau die Vermessung der Welt ist, die die Leben der beiden Charaktere miteinander verbindet und im Übrigen auch eine sehr "deutsche" Wesensart darstellt. Auch die Doppeldeutigkeit des Wortes "vermessen" ist hier nicht zu vernachlässigen.

Insgesamt gelingt es Kehlmann also sehr gut, ein leicht zu lesendes, zumeist lustiges, inhaltlich interessantes, wenn auch nicht spannendes, Buch zu verfassen, das durch die Einbettung in die Biographien zweier großer deutscher Wissenschaftler einen hervorragenden Rahmen besitzt.
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116 von 149 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Keine Kehlmann- Euphorie ausgebrochen, 14. März 2008
Von Kritischer Leser (Wien) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Gebundene Ausgabe)
Recht witzig und amüsant geschrieben, begleitet es zwei der exzellentesten Forscher des ausgehenden 18. Jahrhunderts durch ihr völlig verschiedenes Leben: Alexander von Humboldt, der im nördlichen Südamerika forscht, den Orinoko befährt, auf Vulkane klettert, in Höhlen kriecht und die Kopfläuse der Eingeborenen zählt. Der alles mißt und kostet und katalogisiert, was ihm unterkommt. Beinahe sein ganzes Leben auf Reisen verbringt. Und Friedrich Gauß, der geniale Mathematiker, Astronom, zuletzt auch Physiker, der kaum glaubhafte Erkenntnisse en passant gewinnt, ein Eigenbrötler ist, ein Frauenliebhaber, zuletzt im Alter ein Grantscherm wird. Gewiss ist das Buch gut zu lesen, auch informativ, bietet einige Facetten aus Wissenschaft und Politik der Zeit, läßt den Schluß zu, dass Gauß das wirkliche Genie war, Humboldt eher ein verbohrter, penetranter Pedant, beide sozial wenig gebildet, rücksichtslos, eigensinnig, stur. Was fehlt, ist der Rote Faden in dem Buch: es ist eine Geschichte ohne lebendige, sich aufbauende Handlung, ohne Spannung (wenn auch spannend erzählt) aus sich heraus, ohne Anfang und Ende. Der Erzählfluss plätschert locker dahin, doch es fehlt die Quelle und der große Strom, der ins Meer fließt. Die Begleitgeschichten (z.B. von Herrn Bonpland) muss man recherchieren, es geht nicht hervor, was Geschichte ist und was Fiktion. Alles in Allem ein angenehm zu lesendes Werk, bringt etwas Licht in das Leben der beiden Gestalten, aber mit der überschwenglichen Beweihräucherung der Klappentexte (wo, bitte sind die "fabelhaften Dialoge"?) bin ich nicht einverstanden.
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88 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Die schönste Methode zur Welterfahrung, 6. Oktober 2005
Von Carl-heinrich Bock "Literatur- und Kinofan" (Bad Nenndorf) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 10 REZENSENT)    (REAL NAME)   
Rezension bezieht sich auf: Die Vermessung der Welt (Gebundene Ausgabe)
Das Grundgerüst stimmt, die Tatsachen stimmen und wenn dann auch noch die Erzählung stimmt, dann kann daraus, bei einem so begnadeten jungen Autor, nur ein gutes Buch entstehen.

Zum Plot: Es geht in dem Buch um zwei Wissenschaftler, die Ende des 18. Jahrhunderts eine damals noch weitgehend unbekannte Welt entdecken, erforschen und vermessen. Es sind zwei Männer die unterschiedlicher nicht sein können und doch arbeiten sie an dem gleichen großen Ziel.

Der eine ist der Mathematiker und Astronom Carl-Friedrich Gauß. Er gehörte mit Archimedes und J. Newton zu den größten Mathematikern aller Epochen. Dieser Mensch sitzt immer zu Hause, reist ganz ungern, hat häufig schlechte Laune und so seine täglichen Probleme mit Frau und Kindern. Ihn treibt die Magie des Forschens voller Ehrgeiz an.

Der andere ist ein junger, eleganter preußischer Freiherr, Alexander von Humboldt, Naturforscher und Geograph. Gauß reiste nie, Humboldt reiste sein Leben lang. Er forschte in Südamerika und Kuba, forschte in den Anden, profilierte Mexiko. Seine Reisen wertete er meist in Paris aus, es ist das größte private Reisewerk der Geschichte. Und unter den widrigsten Bedingungen trug er immer seine preußische Uniform. Und da er daneben auch noch rund 900 Pflanzen, Tiere, Flüssen und Berge katalogisierte, kam bei ihm jegliches Privatleben zu kurz. Liebe und Sexualität waren Fremdwörter für ihn, wenn er sich auch schönen Männern hingezogen fühlte.

Beide begegnen sich bei einem Kongress in Berlin. Gauß reist nur widerwillig von Göttingen an. Und dann berichtet uns der Autor von der Disharmonie und den unterschiedlichen Sichtweisen zwischen den beiden Wissenschaftlern. Humboldt will die Welt durch Reisen erkunden, muss alles gesehen haben um es den Menschen zu vermitteln; Gauß will nur zu Hause auf seinem Stuhl sitzen und die Welt mathematisch vermessen.

Ein amüsanter und gleichwohl kulturell anspruchsvoller Roman, der auf verschiedenen Reflexionsebenen atmosphärisch arbeitet und diese beiden Männer in der Zeit der erwachenden Wissenschaft beschreibt. Das Buch hat mich unglaublich fasziniert. Ein Lesevergnügen der besonderen Art, glänzend geschrieben. Ich empfehle dieses Buch mit Nachdruck und Leidenschaft aus vielen Gründen.

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