28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein Buch das man nicht vergessen kann. Pflichtlektüre, 31. Januar 1999
Von Ein Kunde
Das Buch der Bücher für die italienische Literatur des 19. Jahrhunderts. Manzoni, auch von seiner Vita her ein Mann der durch Höhen und Tiefen ging, portätiert hier, anhand der interessanten und auch spannenden Geschichte zweier jungen Menschen, denen das Schicksal - und die Umstände - es schwer macht, zu heiraten, das italienische Leben des 17. Jahrhundert. Grosser geschichtlicher Rahmen vorausgesetzt, auch einige Längen bei den Erklärungen der Zusammenhänge, aber die Erzählungen, an die verschiedensten Figuren verknüpft, die im Roman auftreten, haben grosse Klasse und Format. Im Hintergrund, aber die Erzählung prägend, die Problematik der Sünde und der Rettung im christlichen-katholischen Sinne. Ein komplettes Buch, kann ein Leben prägen. Auch - vielleicht mit Auslassungen - für junge Menschen geeignet und empfohlen. (Streckenweise etwas schwerverdauliche Übersetzung, leider)
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Drehbuchautor Manzoni, 28. April 2011
1. Generelles
Alessandro Manzoni schickt in diesem grossen Roman, der in der Mitte des 19.Jahrhunderts erschienen ist, seine Protagonisten Lucia und Renzo durch eine feudal-ungerechte Gesellschaft, unter der die beiden bescheidenen Leute aussergewöhnlichen Leiden ausgesetzt sind, vertrieben und lange getrennt werden, um sie nach der Katharsis einer Pestepidemie in einem Happy-End zusammenzuführen.
2. Personenzeichnung
Manzonis schildert sein erkleckliches Personal äusserst plastisch und konsistent: Der Peiniger Rodrigo, der defätistisch-negative und furchtsame Dorfpfarrer Don Abbondio und seine clevere Köchin Perpetua, Lucias Mutter und Verbündete Agnes, die adlige Klosterfrau Gertrude, die Lucia und Agnes im Kloster vor der Verfolgung schützt und Lucia dennoch verrät, die vorübergehenden Gasteltern von Lucia mit der giftig gezeichneten Donna Prassede und dem gelehrten Don Ferrante, der senkrechte, grosse Kardinal Federigo Borromeo, der den Pfarrer einmal in den Senkel stellt (S.589 ff.) und sich als hilfreicher Verbündeter aus der hohen Politik erweist, Renzos Vetter Bortolo, der im nach der Flucht hilft, der Namenlose Untäter und seine Bekehrung, und last but not least, der Kapuzinerpater Christopherus, der gute Geist für unsere beiden Protagonisten. Das sind die wichtigsten, aber bei weitem nicht die Einzigen.
3. Eigenart alter Romane
Manzoni ist gut zu lesen, wenn es auch, wie in allen alten Romanen, vieles gibt, das man getrost überblättern kann. Ein Indiz für grosszügiges Überblättern ist das Ausblenden des Personals, wie zum Beispiel bei der Geschichte der Hungersnot, die in einem Sturm auf die Bäckereien kulminiert, ebenso die Schilderung der Pest, die im Zusammenhang mit dem Personal genügend zur Sprache kommt und dann mit der Geschichte verknüpft ist. Auf S. 777 entschuldigt sich Manzoni für die ausschweifende Schilderung der Pest in Mailand, in dem schreibt: Aber nur keine Angst, ich habe keine Absicht, auch ihren dortigen Verlauf zu schildern (im Bergamaskischen)."
4. Spezialität hochemotionaler Momente
Ein Spezialität Manzonis ist die Schilderung hochemotionaler Momente wie z.B. die pestbefallene Mutter, die ihr schon totes Kind auf den Karren der Pestpfleger legt und darum bittet, zusammen mit dem anderen Kind am Abend auch abgeholt zu werden oder Lucias Nacht in der Hand des Übeltäters, die auch die Nacht seiner Bekehrung wird. Aber auch andere positive Momente glänzen, wie das Wiedersehen nach langer Trennung und Hilfe von unerwarteter Seite.
5. Illustrierte Weltgeschichte
Meine Ausgabe (Winkler) ist mit zahlreichen Illustrationen versehen, die für die ursprüngliche Ausgabe gezeichnet wurden. Das verstärkt das historische Ambiente, in dem der Roman spielt, in reizvoller Weise. Und sie führen uns zur letzten Bemerkung vor dem Fazit.
6. Drehbuchautor Manzoni
Hätte Manzoni später gelebt, er wäre Drehbuchautor geworden: Er ist ein narratorisch-dramaturgisches Genie, wie dieser Roman belegt. Er ist voller einzelner, begrenzter spannender Elemente, wie z.B. ob Rodrigos Emissäre die beiden Frauen im Kloster finden werden, die Suche Renzos nach seiner Lucia in Mailand, seine Flucht aus Mailand oder die Frage, ob er Agnes lebend findet, und weist einen grossen Spannungsbogen auf mit der Frage, ob aus den titelgebenden Verlobten Verheiratete werden oder doch nicht, z.B. weil einer der beiden an der Pest stirbt.
Selbst in Hollywood wäre Manzoni erfolgreich geworden, denn beim Happy End trägt er ziemlich dick auf: Lucia trifft im Lazarett auf eine steinreiche Wohltäterin, der neue Herr auf der Burg kauft ihnen ihre Häuschen zum doppelten Preis ab und Renzo kann eine Seidenspinnerei kaufen, die Geschäfte laufen gut und zuhause wächst die Kinderschar, umsorgt von Lucia und Agnes, die auch überlebt hat. Man sieht also, es ist weit mehr als ein scheues Küsschen vor dem grossen ENDE.
Die vielen Zeichnungen liefern ein weiteres Indiz für den Drehbuchautor, denn wir müssen annehmen, dass Manzoni diese Illustrationen wollte und bestellt hat. Sie geben quasi die Szenenfolge vor für den Film.
Und die zahlreichen direkten Bemerkungen des Autors, über seine erzählerischen Pläne und Notwendigkeiten z.B. kämen als Stimme aus dem Off.
7. Fazit
Wer weise überblättert findet in diesem Roman ein reiches Panoptikum einer historischen Gesellschaft in einer spannenden und anrührenden Geschichte.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Liebe in den Zeiten der Pest, 20. Januar 2009
Als Alessandro Manzoni seinen Erfolgsroman Die Verlobten schrieb, waren die Grundübel der italienischen Gesellschaft offenbar schon die gleichen wie heute: Eine Hand wäscht die andere, einträgliche Posten werden nur unter Freunden vergeben, die Machthaber sind vor allem an der Wahrung ihrer Privilegien interessiert, und das Volk hat jeglichen Glauben an Staat und Gesetze verloren: Viva l'Italia! In dem um 1630 spielenden Werk wirft ein Landadliger sein lüsternes Auge auf ein keusches Bauernmädel. Die tugendhafte Schöne widersetzt sich dem Tyrannen durch ihren Glauben, doch sie und ihr Geliebter werden getrennt, und die beiden müssen einige Abenteuer überstehen, ehe sie endlich mehr als nur Verlobte sein können. Manzonis Klassiker geht über eine reine Liebesgeschichte weit hinaus; er malt das historische Panorama einer Zeit, die geprägt ist von Adelswillkür, Krieg und Pest, aber auch von christlicher Nächstenliebe und Solidarität der Armen. Der Roman ist in Italien Pflichtlektüre und als solche den meisten Schülern ein Gräuel. Dies, obwohl sich kaum ein Klassiker so geschmeidig und spannend liest.
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