Die Apocolocyntosis des Seneca ist eine Satire auf den Tod des Kaisers Claudius und seine Erhebung unter die Götter. Die deutsche Übersetzung des Wortes bedeutet ‚Verkürbissung'; treffender wäre wohl der Begriff ‚Veräppelung' oder ‚Verhöhnung'. Seneca hatte Claudius Zeit seines Lebens nicht verziehen, dass er dem Herrscher eine acht jährige Verbannung auf der unwirtlichen Insel Korsika verdankte.
Der Gang der Handlung ist rasch erzählt. Nicht ohne ein Augenzwinkern erläutert uns Seneca seine Absicht, der Nachwelt weder mit Hass noch mit Sympathie das Geschehen am 13. Oktober 54, dem Todestag des Claudius, zu schildern. Seneca betrachtet diesen Tag als den Beginn eines neuen, goldenen Zeitalters. Claudius wird in den Himmel geführt und plädiert vor dem Götter Senat für die Aufnahme in deren erlauchten Kreis. Der Antrag wird abgelehnt, Claudius von Merkur zum Hades geführt. Dort wird ihm seine Leidenschaft für das Würfelspiel zum Verhängnis. Als Strafe für die Gräueltaten soll er fortan mit einem durchlöcherten Becher endlos würfeln. Doch damit nicht genug; Caligula beansprucht ihn als Sklaven. Kurze Zeit später ist er seiner überdrüssig und schenkt ihn als Gerichtsbüttel an einen Freigelassenen.
Bösartig und keinesfalls unparteiisch wie eingangs angekündigt, porträtiert der Erzieher Neros den toten Kaiser. Narr, Dummkopf und Saturnalienprinz tituliert er ihn. Die Ausweitung des römischen Bürgerrechts auf Gallier, Spanier und Griechen wirft er ihm ebenso vor wie seinen Geburtsort, das gallische Lyon: ‚Darum hat er auch getan, was sich für einen Gallier gehörte: Rom hat er genommen'. Den Hang des Claudius zur griechischen Sprache und das Rezitieren von Homer Versen wird von Seneca genüsslich parodiert. Auch die Ausnutzung seiner Willensschwäche durch Freigelassene wie den einflussreichen Kabinettssekretär Narzissus oder die Verstrickung in das Intrigennetz der ihn umgebenen Frauen (Messalina) wird verspottet. Selbst vor seinen körperlichen Gebrechen macht Seneca nicht halt: ‚er schüttle in einem fort den Kopf; auch ziehe er das rechte Bein nach'. Sogar vor derben Zoten schreckt Seneca nicht zurück.
Das ironische Moment der Satire beruht auf dem Gegensatz zwischen der weltlichen Apotheose einerseits und Verbannung durch die Götter in den Hades auf der anderen Seite.
Das kleine Büchlein ist gut kommentiert und mit einem Nachwort versehen. Eine Stammtafel des claudisch - julischen Hauses illustriert die verwandtschaftlichen Bande.