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Die Vergessenen Welten, Bd. 12: Schattenzeit
 
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Die Vergessenen Welten, Bd. 12: Schattenzeit [Taschenbuch]

R. A. Salvatore , Rainer Gladys
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Salvatores "Vergessene Welten" zählen in Deutschland zu den erfolgreichsten Fantasy-Sagas. Die Geschichten um den Dunkelelfen Drizzt Do'Urden springen in den USA regelmäßig in die Top Ten der Bestsellerliste und haben auch bei uns eine riesige Fangemeinde.

Einst ein mächtiger Held, ist Wulfgar unter der Last seines grausamen Schicksals zerbrochen und sucht nun vergebens, seinen Erinnerungen zu entkommen. Erst ein Mordvorwurf reißt ihn aus seiner Apathie. Auf der Flucht vor seinen Verfolgern wird er am Rand der Welt in gefährliche Kämpfe verwickelt und muss sich gleichzeitig seinem eigenen Dämon stellen.

Über den Autor

R. A. Salvatore wurde 1959 in Massachusetts geboren, wo er auch heute noch lebt. Bereits sein erster Roman "Der gesprungene Kristall" machte ihn bekannt und legte den Grundstein zu seiner weltweit beliebten Reihe von Romanen um den Dunkelelf Drizzt Do´Urden. Die Fans lieben Salvatores Bücher vor allem wegen seiner plastischen Schilderungen von Kampfhandlungen und seiner farbigen Erzählweise.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Die Gegenwart
In meinem Heimatland Menzoberranzan, wo Dämonen ihr Spiel treiben und Drowelfen sich an dem schrecklichen Untergang ihrer Rivalen ergötzen, herrscht ein ständiger, lebensnotwendiger Zustand der Wachsamkeit und der Vorsicht. Ein Drow, der nicht auf der Hut ist, ist in Menzoberranzan ein ermordeter Drow, und daher gibt es nur wenige Gelegenheiten, bei denen Dunkelelfen sich den Genüssen von exotischen Kräutern oder Getränken hingeben, die ihre Sinne vernebeln.
Wenige, doch es gibt Ausnahmen. Bei der Abschlusszeremonie von Melee-Magthere, der Schule der Kämpfer, an der ich ausgebildet wurde, geben sich die Schüler nach bestandener Prüfung einer Orgie mit trunken machenden Pflanzen und sinnlichen Freuden mit den Frauen von Arach-Tinilith hin. Es ist ein Moment des reinsten Genusslebens, ein Fest purer Gelüste, ohne an spätere Folgen zu denken.
Ich verweigerte mich dieser Orgie, auch wenn ich damals nicht wusste, warum. Sie widerstrebte meinem Sinn für Moral, glaubte ich (und tue dies noch immer), und würdigte so viele der Dinge herab, die ich in hohen Ehren halte. Jetzt, in der Rückschau, erkenne ich einen weiteren Grund, der mich zwang, die Orgie abzulehnen. Abgesehen von den moralischen Gründen, und von ihnen gab es viele, stieß mich der bloße Gedanke an die betäubenden Kräuter ab und machte mir Angst. Das wusste ich natürlich die ganze Zeit über - sobald ich während der Zeremonie die Berauschung bemerkte, rebellierte ich gegen sie -, aber erst seit kurzem habe ich den wahren Grund dieser Ablehnung erkannt, die Ursache, warum solche Betäubungen keinen Platz in meinem Leben haben.
Diese Kräuter greifen den Körper natürlich auf unterschiedliche Arten an, ob sie nun die Reflexe verlangsamen oder die gesamte Bewegungskoordination zunichte machen, doch wichtiger ist, dass sie den Verstand auf zwei verschiedene Weisen attackieren. Als Erstes vernebeln sie die Vergangenheit, sie löschen angenehme und unangenehme Erinnerungen aus, und zweitens verhindern sie jeden Gedanken an die Zukunft. Rauschmittel fesseln ihren Benutzer an die Gegenwart, an das Hier und Jetzt, ohne Rücksicht auf die Zukunft, ohne ein Bedenken der Vergangenheit. Das ist die Falle, eine fatalistische Perspektive, die es erlaubt, sich der versuchten Sättigung von körperlichen Freuden hemmungs- und bedenkenlos hinzugeben. Eine berauschte Person wird selbst törichte Wagnisse unternehmen, weil ihre Vernunft bis hin zu ihren Überlebensinstinkten ausgeschaltet sein kann. Wie viele junge Krieger werfen sich töricht mächtigeren Feinden entgegen, nur um von ihnen erschlagen zu werden? Wie viele junge Frauen werden von Liebhabern schwanger, die sie sich niemals als zukünftige Ehemänner wünschen würden?
Das ist die Falle, die fatalistische Perspektive, die ich nicht tolerieren kann, ich lebe mein Leben mit der Hoffnung, einer Hoffnung, die immer vorhanden ist, dass die Zukunft besser wird als die Gegenwart, doch nur solange ich daran arbeite, sie dazu zu machen. Aus dieser ständigen Bemühung heraus entsteht die Befriedigung des Lebens, das Gefühl, etwas geleistet zu haben, das wir alle brauchen, um echte Freude zu empfinden. Wie könnte ich dieser Hoffnung treu bleiben, wenn ich mir einen Moment der Schwäche erlauben würde, der all das vernichten könnte, für das ich schwer gearbeitet habe, und all das, was ich noch erreichen möchte? Wie hätte ich auf so viele unerwartete Krisen reagiert, wenn ich bei ihrem Auftreten unter dem Einfluss einer bewusstseinsverändernden Substanz gestanden hätte, die mein Entscheidungsvermögen getrübt oder meine Perspektive behindert hätte?
Zudem darf die Gefahr, wohin solche Substanzen führen können, nicht unterschätzt werden. Wenn ich mich von der Stimmung bei der Abschlusszeremonie von Melee-Magthere hätte mitreißen lassen, wenn ich mich den sinnlichen Freuden hingegeben hätte, die mir die Priesterinnen anboten, wie sehr wäre dadurch jede echte Liebe herabgewürdigt worden, die ich jemals empfand?
Ganz bedeutend, so denke ich. Sinnenfreuden sind - oder sollten es sein - der Höhepunkt körperlichen Verlangens, gepaart mit einer gefühls- und verstandesmäßigen Entscheidung, sich selbst mit Körper und Seele einer Verbundenheit von Vertrauen und Respekt zu überantworten. Auf eine Weise wie bei jener Abschlusszeremonie kann ein solches Teilen nicht stattfinden; es wäre nur ein Hingeben des Körpers und, mehr noch als das, das Nehmen der Waren, die einem angeboten werden. Es hätte keine höhere Vereinigung gegeben, keine spirituelle Erfahrung, und damit auch keine wahre Freude.
Mit einem so verzweifeltem Suhlen kann ich nicht leben, denn das ist es; ein jämmerliches sich Suhlen in den schäbigen Niederungen der Existenz, das, wie ich glaube, aus der Hoffnungslosigkeit geboren ist, nie eine höhere Existenzebene zu erlangen.
Und daher lehne ich solche Rauschmittel bis auf den allergezügeltsten Gebrauch ab, und auch wenn ich jene, die sich ihnen hingeben, nicht offen verurteile, so bedaure ich doch ihre leeren Seelen.
Was ist es, das Männer und Frauen in solche Abgründe treibt? Schmerz, so glaube ich, und Erinnerungen, die zu elend sind, als dass man sich ihnen offen stellen und mit ihnen fertig werden kann. Berauschende Substanzen können die Schmerzen der Vergangenheit in der Tat auf Kosten der Zukunft verschwimmen lassen. Aber es ist kein fairer Tausch.
Im Angesicht dieser Überlegungen fürchte ich um Wulfgar, meinen verlorenen Freund. Wo wird er Zuflucht vor den Peinigungen seiner Versklavung finden?
Drizzt Do'Urden

In den Hafen
»Oh, wie ich diesen Ort hasse«, sagte Robillard, der Zauberer. Er sprach zu Kapitän Deudermont von der Seekobold, während dieser dreimastige Schoner einen langen Kai umrundete und in Sicht des Hafens der nördlichen Handelsstadt Luskan kam.
Deudermont, ein großer, stattlicher Mann mit vornehmem Auftreten und ruhigem, besinnlichem Temperament, nickte nur zu den Worten des Zauberers. Er hatte das alles schon früher gehört, und zwar oft genug. Er schaute zur Stadt hinüber und erspähte den unverkennbaren Hauptturm des Arkanums, der berühmten Zauberergilde von Luskan. Dies, so wusste Deudermont, war die Ursache für Robillards verächtliche Einstellung zu der Hafenstadt, obgleich der Zauberer in seinen Erklärungen vage geblieben war. Er hatte nur ein paar abschätzige Bemerkungen über die »Idioten« von sich gegeben, die den Turm leiteten, und über ihre Unfähigkeit, einen echten Meister der Magie von einem betrügerischen Taschenspieler zu unterscheiden. Deudermont vermutete, dass man Robillard einst den Eintritt in die Gilde verweigert hatte.
»Warum Luskan?«, beschwerte sich der Schiffszauberer. »Würde Tiefwasser unseren Bedürfnissen nicht besser dienen? Kein Hafen an der Schwertküste kann sich mit Tiefwassers Reparaturwerften messen.«
»Luskan war näher«, erinnerte ihn Deudermont.
»Ein paar Tage, mehr nicht«, erwiderte Robillard.
»Wenn uns in den paar Tagen ein Sturm erwischt hätte, wäre der beschädigte Rumpf möglicherweise auseinander gebrochen, und wir wären alle zu Fischfutter geworden«, sagte der Kapitän. »Das schien mir ein etwas zu großes Risiko, nur für den Stolz eines Mannes.«
Robillard setzte zu einer Entgegnung an, erkannte aber rechtzeitig genug die Bedeutung des letzten Satzes des Kapitäns, um sich nicht noch weiter zu blamieren. Ein tiefes Stirnrunzeln zog über sein Gesicht. »Die Piraten hätten uns erwischt, wenn ich die Explosionen nicht ganz genau berechnet hätte«, murmelte der Zauberer, nachdem er sich ein paar Momente Zeit genommen hatte, um sich zu beruhigen.
Deudermont gab ihm in diesem Punkt Recht. Tatsächlich war Robillards Arbeit bei diesem letzten Angriff spektakulär gewesen. Vor ein paar Jahren war die Seekobold - die neue, größere, schnellere und stärkere Seekobold - von den Fürsten von Tiefwasser als Piratenjäger in Auftrag gegeben worden. Kein anderes Schiff war jemals so erfolgreich bei dieser Aufgabe gewesen....
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