Am Ende des ersten Bandes bleibt der Leser mit vielen Fragen und einem Cliffhanger zurück, der hoffen lässt, den zweiten und letzten Band möglich bald in Händen zu halten. Dabei hätte sich die Geschichte um Patricia und ihre Aufgabe als Schlichterin auch gut für eine längere Serie geeignet. Die Charaktere sind alle durchweg sympathisch, von der etwas unkonventionellen Heldin bis hin zu den kleinsten Nebencharakteren. Das Setting in einem viktorianischen, wenn auch unbenannten, London ist äußerst gelungen und weckt Erinnerungen an Charles Dickens - und in einigen Szenen auch an Mary Poppins, auch wenn diese Gouvernante lieber ihre Stricknadeln als Waffen benutzt und ihrem Mündel ihre Abenteuer als Diktat vorträgt.
Die Zeichnungen sind nicht realistisch, sondern eher comichaft-schrullig, passen sich so aber gut der Geschichte um diese seltsamen, aber wirklich charmanten Menschen an.
Die Coloration mit vielen gedeckten Tönen und besonders viel Braun passt zum Handlungsort und lenkt so auch nie von den Charakteren ab.
"Miss Endicott" ist ein kurzweiliger und sogar recht spannender Comic geworden mit Charakteren, die man gerne auf ihren Abenteuern begleitet. Zwar liegt noch viel der Handlung im Dunkeln und Miss Endicott hat noch viele Geheimnisse zu lüften, aber Patricia Endicott wird auch diese Aufgabe sicher so charmant und unterhaltsam lösen wie im ersten Band.
Miss Endicott ist eine kleine Comic-Perle, ein spannendes und äußerst unterhaltsames Abenteuer um die Schlichterin des viktorianischen Londons.