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Am schwierigsten wohl das erste, VALIS. Für SF-Freaks zu ernst, für Literatur-Fuzzis zu abgefahren. Was soll man damit anfangen: Die Hauptperson hat ein durchdringendes Erleuchtungserlebnis und ist fortan der Überzeugung, einer göttlichen Macht begegnet zu sein. Nicht zuletzt, weil diese bei der Gelegenheit detaillierte medizinische Informationen über eine bislang unerkannte, gefährliche Krankheit seines Sohnes übermittelt hat, die diesem das Leben retten. Außerdem empfängt der Protagonist Botschaften auf Altgriechisch (er kann kein Wort Altgriechisch). Und vieles mehr.
Und jetzt wird's kompliziert. Philip Dick identifiziert sich mit dem Protagonisten - und erzählt doch ständig von ihm in der 3. Person. Denn IHM - PKD - sind diese Erleuchtungserlebnisse widerfahren. Und er ringt Jahre um Jahre nach einer Erklärung für das Unerklärliche, weil er das Unglaubliche nicht einfach so glauben kann. Er liest sich durch die ganze Geistesgeschichte der Menschheit, von Ost bis West, von uralten biblischen und außerbiblischen Texten über die Vorsokratiker und Rosenkreuzer bis zur Moderne. Doch er macht es sich nicht so einfach, sich auf EINE WAHRHEIT festzulegen. Er bleibt ein rastloser Sucher, ein Zerrissener bis zu seinem frühen Tod 1982.
Zeugnis dieses Suchens sind diese Romane. Am eindringlichsten spiegeln sich Dicks Forschen und Ringen in VALIS. Wer nicht philosophisch geeicht oder wenigstens interessiert ist, kann dieses Buch vergessen. Wer sich aber auf diese Tour de force durch die Psyche eines Menschen einlässt, der mit Gott und mit dem Wahnsinn kämpft, und für wen die Fragen: «Was ist Wirklichkeit? Was ist Gott? Wer bin ich selbst?» weder bloß theoretische Natur noch längst beantwortet sind, wird dieses Buch bereichert aus der Hand legen. Betrübt, dass es - auch in dieser nur äußerst locker zusammenhängenden Trilogie - einzigartig ist.
Lawrence Sutins gute Biographie: PHILIP K. DICK - GÖTTLICHE ÜBERFÄLLE ist eine Gelegenheit, das Phänomen PKD weiter zu ergründen. Und in Bälde auch Dicks Monumental-«Werk»: seine EXEGESE, ein 8000 (!) Seiten umfassendes Tage-, oder bessergesagt: Logbuch seiner inneren Irrfahrt «an den Rand des Möglichen, die an den Gefahren des Unmöglichen vorbei, und vielleicht nicht immer vorbeiführte» (Musil). Eine Auswahl aus der EXEGESE wird diesen Herbst auf Deutsch erscheinen.
Die weiteren beiden Bände der «Trilogie» fallen gegenüber VALIS etwas ab; die menschliche Eindringlichkeit und Genialität von VALIS konnte Dick m.E. später nicht mehr erreichen.
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