Irena, die nach dem Ende des Prager Frühlings nach Paris emigirierte, und Joseph, der nach Dänemark ging, treffen sich zufällig auf dem Flughafen, als beide nach dem Fall des Eisernen Vorhangs ihre alte Heimat besuchen.
Wie immer erzählt Kundera nicht nur eine Geschichte, sondern philosophiert in Einschüben über Aspekte der Problematik, die sich aus den Handlungssträngen ergibt, hier also Heimat / Heimatlosigkeit, Sehnsucht, Nostalgie, Verantwortung, Entscheidung. Zur Verdeutlichung zieht der Autor des öfteren die Odyssee heran, gibt aber selbst zu, ein unpassendes Beispiel gewählt zu haben, das sich in vielen Punkten nicht auf die Situation der Flüchtlinge unserer Zeit anwenden lässt.
Gegenüber andern Büchern des Autors bleibt das vorliegende seltsam farblos. Kunderas großes Thema, nämlich das Schicksal des Einzelnen auf dem Hintergrund politischer Ereignisse, ist hier wieder angeschnitten, aber die Personen, vor allem Irena und Joseph sind verschwommen und unfassbar, ihre Beweggründe fremd.
Einzig in der knappen Episode von Milada und ihrer Verflechtung mit der Vergangenheit der anderen, klingt etwas von der Originalität an, die Kundera normalerweise auszeichnet.
"Die Unwissenheit" ist kein schlechtes Buch, das Thema Heimat und Verlust der Heimat wird in vielen Facetten betrachtet, ist weder langweilig noch uninteressant, nur im Vergleich zu Kunderas andern Romanen, die 4 oder 5 Sterne verdienen, kann ich diesem nur 3 geben.