Zur Story: Es verschwinden plötzlich Leichen aus Leichenhallen.Und alle Spuren lassen eigentlich nur eine Erklärung zu: Sie haben sich selbst aus dem Staub gemacht! Ein eigenbrödlerischer Inspektor versucht verzweifelt diesen Fall zu lösen. Er weigert sich heroisch an ein "Wunder" zu glauben und ringt somit der Umgebung Spuren und Verdächtige ab. Der Leser wird mitgenommen auf eine mitunter gruselige, atmospärisch dichte und ungewöhnliche Reise zu unbequemen Schauplätzen, skurrilen Personen, philosophischen Tischgesprächen und kriminologischen Untersuchungen.
Typisch für Lem: Eine richtige Auflösung des Rätsels gibt es am Ende nicht. Vielmehr versucht der Roman den Leser auf sich selbst zurückzuwerfen. Woran glaube ich? Bin ich bereit zu akzeptieren ,dass die Welt auch unerklärlich sein kann?
Im Roman lässt Lem eine der Figuren, den Schriftsteller Armour Black, sagen: "Fakten existieren nur dort, wo es keine Menschen gibt. Sobald sie (die Menschen) in Erscheinung treten, sind sie (die Fakten) nur noch Interpretationen."
Diese Ansicht ist der Grundpfeiler dieses Romans.
Die Leitfigur der Story, der ermittelnde Inspektor Gregory, ist stellvertretend für uns selbst, den wissenschaftlich konditionierten Leser, der es gewöhnt ist, das alles erklärbar ist, dass die Welt im Grossen und Ganzen "glatt" aufgeht. Dieser "eigenen Welt" stellt Lem, wie er es ist den meisten seiner Romane tut, die "fremde Welt" gegenüber. Eine Welt-für-sich-selbst, die sich unserem Wollen und Wünschen entzieht. Eine Welt in der gilt, wie im vorliegenden Roman von Inspektor Sheppard angemerkt wird: " Vielleicht existiert auch Gott nur zeitweilig?"
"Mag sein", antwortet Gregory, "die Pausen seiner Existenz sind ziemlich lang, meinen Sie nicht?"
Ein Höhepunkt des Romans, quasi eine Geschichte in der Geschichte, ist das Rätsel der nächtlichen Geräuschkulisse in Gregorys Zimmer. Hier schlägt der Roman um in eine klassische Gruselgeschichte - überhaupt ist die Atmosphäre im Buch durchgehend düster, schwül, stickig. Die Schauplätze allesamt irgendwie ungemütlich, voller verborgener Heimlichkeiten und Schatten. Alle Figuren, so wird es angedeutet, haben neben dem öffentlichen Erscheinugsbild, noch ein ganz und gar unheimliches, irgendwie "wahnsinniges" Privatleben. Der geniale Statistiker Sciss pflegt ein exzessives Verhältniss zu Prostituierten und der immer so seltsam umfassend informierte Oberinspektor Sheppard, wohnt in einem gruseligen, düsteren Zimmer, mit einer "ungeheuren" Tapete aus Ermittlungsbildern.
Dem Lem-Leser fallen bei diesen Figuren hier wahrscheinlich sofort die Personen im Roman "Solaris" ein, die da mit ihren plötzlich vom Planeten Solaris materialisierten Intimgeheimnissen kämpfen...
Der Roman"Die Untersuchung" ist sehr klaustrophobisch. So wie es, laut Lem, auch in unserem Denken aussieht: Eng, schwül,stickig, behaftet mit Wahsinn da und dort, voller verdrängter Bedürfnisse und Perversionen, voller "Gedanken-Leichen", die uns am freien Denken und Handeln hindern.
Für alle die Lem noch nicht kennen, ist dieses Buch eine guter Einstieg in eine philosophische orientierte Literatur, die aber niemals die Story vergisst, und daher den Leser, trotz aller intellektuellen Diskurse in der Geschichte, mit guter Spannung am Lesen hält.