Primo Levi, ein italienischer Jude, in seiner Heimat durch das Mussolini-Regime zwar diskriminiert, aber nicht verfolgt - die Italiener hatten kein Interesse daran, ihre eigenen Landsleute umzubringen und zeigten den Nazis hinsichtlich der "Endlösung" immer die kalte Schulter - ging im Sommer 1943 mit 24 Jahren in die Berge, um mit Freunden eine Partisanengruppe aufzustellen, die gegen die Deutschen kämpfen wollte. Infolge Naivität, Unerfahrenheit und mangelnder Führung gelang dies nicht, vielmehr wurde Levi am 13.12.1943 im Zuge einer Partisanenaktion der italienischen Miliz als Verdächtiger verhaftet und in ein Internierungslager eingeliefert. Kurz danach kamen SS-Truppen, übernahmen das Lager, sortierten die Insassen und deportierten alle Juden am 21.2.1944 nach Auschwitz. Levi, von Beruf Chemiker, wurde bei der Ankunft als arbeitsfähig selektiert und kam nach Buna, um dort für einen deutschen Chemiekonzern zu schuften. Abgemagert und körperlich fast am Ende lag er als Typhuskranker im Revier, als die SS Mitte Januar 1945 überstürzt das Lager räumte - die Rote Armee war unerwartet schnell vorgestoßen - und etwa 5.000 marschunfähige Häftlinge zurückließ. Levi hat die Tage bis zum Eintreffen der ersten sowjetischen Patrouillen und das große Sterben der sich selbst überlassenen Kranken in eindringlicher Weise geschildert. Seine Bücher "Ist das ein Mensch?" über sein Vegetieren und Überleben in Auschwitz und das teilweise amüsant geschriebene Werk "Atempause" über seine 11 Monate dauernde, von den russischen Behörden "organisierte" Rückkehr nach Italien sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Levi beschreibt in seinem Buch "Die Untergegangen und die Geretteten" das Trauma der Überlebenden. Das Problem des Vergessens, des Weiterlebens mit tiefen seelischen Wunden und der Bekämpfung von Schuldgefühlen: "Warum habe gerade ich überlebt und nicht mein Kumpel." Levi hat, so scheint es, den Rest seines Lebens an diesen qualvollen Fragen gelitten, anders ist sein Freitod von 1995 kaum zu erklären. Man sollte dieses Buch lesen.