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4.0 von 5 Sternen
Rückblick eines Überlebenden, 8. September 2000
Von Ein Kunde
Primo Levi, ein italienischer Jude, in seiner Heimat durch das Mussolini-Regime zwar diskriminiert, aber nicht verfolgt - die Italiener hatten kein Interesse daran, ihre eigenen Landsleute umzubringen und zeigten den Nazis hinsichtlich der "Endlösung" immer die kalte Schulter - ging im Sommer 1943 mit 24 Jahren in die Berge, um mit Freunden eine Partisanengruppe aufzustellen, die gegen die Deutschen kämpfen wollte. Infolge Naivität, Unerfahrenheit und mangelnder Führung gelang dies nicht, vielmehr wurde Levi am 13.12.1943 im Zuge einer Partisanenaktion der italienischen Miliz als Verdächtiger verhaftet und in ein Internierungslager eingeliefert. Kurz danach kamen SS-Truppen, übernahmen das Lager, sortierten die Insassen und deportierten alle Juden am 21.2.1944 nach Auschwitz. Levi, von Beruf Chemiker, wurde bei der Ankunft als arbeitsfähig selektiert und kam nach Buna, um dort für einen deutschen Chemiekonzern zu schuften. Abgemagert und körperlich fast am Ende lag er als Typhuskranker im Revier, als die SS Mitte Januar 1945 überstürzt das Lager räumte - die Rote Armee war unerwartet schnell vorgestoßen - und etwa 5.000 marschunfähige Häftlinge zurückließ. Levi hat die Tage bis zum Eintreffen der ersten sowjetischen Patrouillen und das große Sterben der sich selbst überlassenen Kranken in eindringlicher Weise geschildert. Seine Bücher "Ist das ein Mensch?" über sein Vegetieren und Überleben in Auschwitz und das teilweise amüsant geschriebene Werk "Atempause" über seine 11 Monate dauernde, von den russischen Behörden "organisierte" Rückkehr nach Italien sind in zahlreiche Sprachen übersetzt worden. Levi beschreibt in seinem Buch "Die Untergegangen und die Geretteten" das Trauma der Überlebenden. Das Problem des Vergessens, des Weiterlebens mit tiefen seelischen Wunden und der Bekämpfung von Schuldgefühlen: "Warum habe gerade ich überlebt und nicht mein Kumpel." Levi hat, so scheint es, den Rest seines Lebens an diesen qualvollen Fragen gelitten, anders ist sein Freitod von 1995 kaum zu erklären. Man sollte dieses Buch lesen.
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5.0 von 5 Sternen
Notwendige Erinnerungsarbeit, 12. November 2007
Der Italiener Primo Levi wurde als Partisan verhaftet und nach Auschwitz deportiert. Als promoviertem Chemiker, der an ein Labor der IG-Farben "verpachtet" wurde, gelang es ihm zu überleben. Er kehrte nach einer Odyssee durch Europa in seine Heimatstadt Turin zurück. Seither fühlte er als "Davongekommener" die Verpflichtung, Zeugnis zu geben von seinen Erlebnissen und Erfahrungen, die er in einer von Menschen errichteten Hölle erleiden mußte. 1987 schied Levi freiwillig aus dem Leben. Seine letzte Veröffentlichung vor seinem Freitod, "Die Untergegangenen und die Geretteten", ist eine Essaysammlung, in der frei von Haßgefühlen die Wechselbeziehungen zwischen Opfern und Tätern analysiert werden. Es wird deutlich, daß die seelischen Folgen der Lagerhaft unheilbar sind. Erschütternd sind die Ausführungen des Autors zum Verhältnis der Opfer untereinander. Er berichtet von Kameraden, die gerade wegen ihres Mutes oder ihrer Gutherzigkeit ermordet wurden. Als Überlebender empfindet er ihnen gegenüber tiefe Schuld. Levi versteht sich als Stellvertreter, der ihrer unwürdig ist: "Die Geretteten der Lager waren nicht die Besten ... Überlebt haben vor allem die Schlimmsten, die Egoisten, die Kollaborateure der Grauzone, die Spione". Auf diese "Grauzone" konzentriert sich der Autor besonders. Primo Levi hat sich der quälenden Fron notwendiger Erinnerungsarbeit unterworfen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
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Warum ich und nicht die anderen?, 18. November 2009
Primo Levi ueberlebt Auschwitz. Doch die Wunden verheilten nie. Zeit seines Lebens hat er sich mit der Frage beschaeftigt: Warum habe ich ueberlebt und nicht andere? Er beantwortet diese Frage damit, dass nicht die Besten ueberlebt haben, sondern diejenigen, die sich den Lagerbedingungen angepasst haben, die keine Skrupel kannten, die jegliche Art von Moral, Ethik ueber Bord warfen und eins wurden mit ihren Peinigern. Um zu ueberleben. Kann man ihnen einen Vorwurf machen? Die Grenzen zwischen Peinigern und Gepeinigten wurde aufgehoben. Das System des Lagers war perfekt darauf abgestimmt. Aus Opfern wurden Taeter. Levi hat ueberlebt und ist daran zerbrochen. Die Frage, wer ueberlebt, hat er fuer sich mit seinem Freitod beantwortet.
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