Am 04. Oktober 1951 starb in Amerika eine Frau, die Medizingeschichte schreiben sollte. Ihre Zellen kennt heute jeder. Zellkulturen, künstliche Befruchtung, Krebsforschung, der Polio-Impfstoff, all diese großen Errungenschaften der Medizin - und noch viele mehr - gehen auf diese eine Frau zurück. Haben Sie schon einmal von Henrietta Lacks gehört? Dies ist ihre Geschichte...
Henrietta Lacks war eine lebensfrohe junge Frau, die Bingo spielen, Tanzen und die Pflege ihrer Nägel liebte. Mit diesen Vergnügungen lenkte sie sich vom düsteren Alltagsleben ab. Es herrschte strikte Rassentrennung, harte und unterbezahlte Arbeit stand an der Tagesordnung. So wollte sie niemandem zur Last fallen, als sie die Diagnose Gebärmutterhalskrebs erhielt und verschwieg diese lange Zeit. In jedem Krankenhaus gab es damals Stationen für Weiße und Schwarze, Ärzte taten, was sie wollten, ohne auf den Hippokratischen Eid zu achten und entnahmen so der schwerkranken Frau Zellen ihres Tumors, ohne sie darauf hinzuweisen. Damals steckte die Zellforschung noch in Babyschühchen, keine Zelle überlebte ausreichend lang, doch mit Henrietta Lacks sollte sich alles ändern.
Ihre Zellen gingen in die Geschichte ein und ermöglichten medizinischen Fortschritt und Forschung zugleich. Niemand hielt es jedoch für wichtig, ihre Familie darüber aufzuklären. Die Lacks' waren allesamt sehr einfache Leute, Bildung war aufgrund der vielen Arbeit kaum möglich und durch Heiraten in der Familie gab es einige medizinische Auffälligkeiten. Krankenversicherungen hat dort kaum jemand, doch sämtliches Vertrauen in die Medizin ging 1973 flöten, als Henriettas Schwiegertochter zufällig erfuhr, was aus Henrietta wurde.
Dass es hierbei auch um viel Geld ging, von dem die Familie keinen Dollar erhielt, wurde schnell klar. Dass aber auch niemand wirklich wusste, wer die Frau hinter den Zellen war, schockierte sie am allermeisten. Und dann trat eines Tages Rebecca Skloot in ihr Leben.
Skloot war sechszehn, als sie das erste Mal im Biologieunterricht von Henrietta Lacks hörte. Sofort war sie fasziniert von der weitgehend unbekannten Frau und setzte alle Hebel in Bewegung, um mehr über sie zu erfahren. Dass Lacks` Geschichte sie nicht mehr loslassen würde, ahnte sie damals noch nicht. Doch so ist ihr ein Buch gelungen, dass Aufmerksamkeit verdient. Es ist die Geschichte einer schwarzen Frau, die an Krebs erkrankte und verstarb, einem medizinischen Skandal, unter dem bis heute eine ganze Familie leidet, der aber Millionen von Menschen geholfen hat. Die Autorin bringt uns die Frau näher, deren Zellen als HeLa in die Medizinbücher Einzug hielten, der wir alle viel zu verdanken haben!
"Die Unsterblichkeit der Henrietta Lacks" ist Sachbuch und Biografie gleichzeitig, liest sich streckenweise wie ein Krimi, spannend und schockierend zugleich. Rebecca Skloot ist es dank ihrer Zähigkeit gelungen, die Familie Lacks über Jahre zu begleiten und bekam so Einblicke in Krankenhausakten, Labore, nahm Kontakt zu behandelnden Ärzten auf, interviewte Wissenschaftler und die Kinder und Angehörigen dieser bemerkenswerten Frau. Auch wenn sie engen Kontakt zur Familie Lacks hatte, gelingt es ihr, neutral alle Seiten zu beleuchten. Wissenschaftliches schildert sie verständlich für alle.
Interessante Lektüre für alle Biografiefans, Wissenschaftler, Fans von Medizingeschichte und Menschen, die sich für außergewöhnliche Menschen und deren Geschichten interessieren. Eine absolute Empfehlung! Nach dieser Lektüre will man nicht nur Henrietta Lacks, sondern auch Rebecca Skloot für ihr Engagement und ihre Zähigkeit, dieses Buch wahr werden zu lassen!