Aus der Amazon.de-Redaktion
Studium in Deutschland, von wo aus man so schöne Ausflüge nach Italien, Frankreich oder Spanien unternehmen kann, Goethe, Kafka, Rilke, als Kind Tolkien und Charles M. Schulz Peanuts -- dass alles klingt vermutlich einigermaßen standesgemäß für die Biografie eines der erfolgreichsten Romanautoren Amerikas: nach Enthüllungen, wie man sie von einem Literaten in einem solchen Buch erwarten darf. Und dass selbst ein Erfolgsschriftsteller wie Franzen die Pubertät als von Ängsten und Selbstzweifeln geprägte Endlosschleife peinlichen Scheiterns erleben musste, ist, für sich genommen, auch noch keine Überraschung. Aber wie der 47-jährige Autor davon erzählt, das ist, zumindest streckenweise, entwaffnend und nimmt einen doch irgendwie für diesen komischen Kauz ein. Obwohl der sich selbst in mancher Hinsicht als ziemlichen Kotzbrocken darstellende Von-Sich-Erzähler auf den ersten Blick gewiss nicht sonderlich zur Identifikationsfigur taugt: Kaum ein Leser wird sich in ihm nicht doch insgeheim situationsweise wiedererkennen, auch wenn er mit ihm in Wirklichkeit nur wenig gemein haben mag: Denn er wird in seiner Jugend vermutlich alles andere als ein hornbebrillter Chemielabortüftler mit Fistelstimme gewesen, noch in der wortwörtlichen Mitte Amerikas in einer dieser für diese Gegend typischen, langweiligen Mittelklassefamilien aufgewachsen sein und erst recht nicht sein bizarres Hobby des obsessiven Vögelbeobachtens teilen.
In den übrigen Charakteren, denen wir in Die Unruhezone aus Franzens Perspektive begegnen -- seinen Eltern, Geschwistern, Professoren und mancher Frauengestalt -- erkennt man schnell Facetten mancher der Figuren wieder, die man aus Die Korrekturen noch bestens in Erinnerung hat. An der Übersetzung von Eike Schönfeld gibt es wenig auszusetzen. Den Titel selbst hätte man allerdings vielleicht besser im Original belassen -- Unruhezone ist nicht unbedingt eine besonders glückliche Übersetzung der Discomfort Zone, die bei Franzen für das Gegenteil der auf dem Heizungsthermostat in seinem Elternhaus als Comfort Zone bezeichneten Wohlfühltemperatur steht -- Andreas Vierecke, Literaturanzeiger.de