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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Das Leben - ein Missverständnis , 7. Januar 2007
Bei Franz Kafka gibt es in den Tagebüchern eine Bemerkung darüber, wie schwierig es sei, aus der Haustür zu treten. Kafka, der an seinem Alltag in der Familie litt und doch nie die Energie hatte, sich daraus zu befreien, hat diese Schwierigkeit in seiner Prosa beschrieben.
Als ich Kazuo Ishiguros Roman Die Ungetrösteten" las, musste ich immer wieder an Kafkas Helden" denken.
Aber Ishiguro ist in gewisser Hinsicht noch radikaler. Im Schloß" ist es eine namenlose Behörde, die die Hauptfigur daran hindert, an ihr Ziel zu kommen. In den Ungetrösteten" gibt es keine Behörde, die den Pianisten Ryder (ein Vorname wird dem armen Mann nicht zugebilligt) an der Ausführung seiner Aufgabe hindert, in einer namenlosen Stadt ein Konzert zu geben. Aber ist der Mann überhaupt ein Pianist? Noch dazu ein berühmter, wie alle Welt zu glauben scheint? Am Anfang ist der Leser ja noch davon überzeugt, aber je weiter er liest, desto mehr Zweifel kommen ihm. Statt sich auf seinen Auftritt vorzubereiten, lässt Ryder sich immer mehr in die Händel und Sorgen der Hotelangestellten verstricken. Er nimmt Aufträge an, an denen er eigentlich nur scheitern kann. Auch die Identität der Personen, mit denen er es zu tun bekommt, scheint nicht festzustehen. So hält die Tochter des Hotelportiers, Sophie, Mr. Ryder für ihren Ehemann und er selbst lässt sich auf diese Rolle ein, ohne dass klar wird, ob er wirklich mit Sophie verheiratet ist oder nicht. Also kümmert er sich um Sophies Sohn, er kümmert sich um den Sohn des Hoteldirektors, er hört zu und versucht zu vermitteln; nur zu dem, was er eigentlich will, kommt er nicht. Und das Schlimmste ist: Er kann sich noch so anstrengen, er schafft es nicht, die in ihn gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Dafür sind es einfach zu viele und zu widersprüchliche Erwartungen, die sich um ihn legen und ihn mehr und mehr erdrücken. Und zugleich spielt Ishiguro virtuos mit der Erwartung des Lesers, der natürlich hofft, Mr. Ryder werde jetzt endlich die Energie aufbringen, sich zu wehren und seine Interessen durchzusetzen. Es ist quälend, all den endlosen Gesprächen zu folgen, in denen die Personen Mr. Ryder von ihrem gescheiterten Leben erzählen. Irgendwann versteht man: das ist Programm und wird sich vermutlich auch bis zum Schluss nicht ändern. Es ist ein Laufen im Hamsterrad und insofern möglicherweise ein treffendes Bild für die Bedingungen, unter denen die Menschen des 21. Jahrhunderts leben.
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17 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Auf der Suche nach dem heiligen Gral, 18. Januar 2001
Von Ein Kunde
Es gibt einfach Bücher, in die man wie in ein Mysterium eintaucht, die man zur Seite legt und sich verwundert fragt, ob nun der Lesesessel oder die (gelesene) Fiktion die Realität sei. "Die Kunst ist das einzig Wahre, the rest is a nightmare" (Arno Schmidt). Zu diesen Büchern gehört für mich Kazuo Ishiguros "Die Ungetrösteten" - seit ich es vor 3 Jahren gelesen habe, mein absolutes Lieblingsbuch. Die Geschichte ist spannend wie ein Kriminalroman, rätselhaft und geheimnisvoll-undurchsichtig wie Kafkas Erzählwerke ("Die Ungetrösteten" sind für mich das moderne "Schloß" und der zeitgenössische "Prozeß"), philosophisch im unterhaltendsten Sinne, intellektuell anspruchsvoll, sprachlich ein ästhetisches Gesamtkunstwerk - und keine Seite zu lang! Der Inhalt läßt sich meines Erachtens mit einem Satz resümieren: ein Mensch auf der Suche nach sich selbst, sich die ewigen Fragen stellend: Wo komme ich her? Wer bin ich? Wo komme ich hin? Der Pianist Ryder als postmoderner Parzifal, als der Hans Castorp der Neuzeit - ein phantastisches Buch.
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8 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wunderbares traumaftes Buch!, 19. April 2001
Von Ein Kunde
Schon die sanfte Sprache zieht einen in eine "traumhafte" Welt, die einen nicht mehr loslaesst. Die Handlungen der verschiedenen Personen sind überraschend. Der Protagonist laesst sich in die Welt der anderen treiben und erlebt so die "unglaublichsten" Dinge. Schade, dass das Buch ein Ende hat. Es ist eines der besten, die ich je gelesen habe.
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