Als erstes: Der Titel ist Schwachsinn und hat nichts mit dem Inhalt des Buchs zu tun - zwar ergänzt die Heldin beim Eheschwur, bei der Frage nach dem Gehorsam "Mit Gottes Hilfe, ja", was reichlich ungewöhnlich ist und ein Hinweis auf vergangene Geschehnisse, dennoch geht es im Verlauf des Buchs nicht um Gehorsam oder Ungehorsam gegenüber ihrem Ehemann.
Beide, die Heldin Leonie und der Held Hendryk, verbergen große und sogar schreckliche Geheimnisse voreinander und tragen veritable Masken, auch vor dem Leser. Nur ganz langsam entschleiern sich die Rätsel und fast noch langsamer und zögerlicher kommen sich die Eheleute näher. Zwei weitere wichtige Helden, die 10jährigen Zwillinge Lennard und Ursel, leben im Haushalt, sind selbst Teil der Geheimnisse und versuchen andererseits auf ihre Weise manches Rätsel zu lösen.
Andrea Schacht hat hier eine spannende Geschichte geschrieben, die in (wenigen) Rückblenden bis nach Ägypten führt und in der interessant und gekonnt die Menschen und ihre Geschichte hinter den Masken entschleiert wird. Sehr langsam entfaltet sich auch die Liebesgeschichte der beiden sympathischen Hauptgestalten. Mit diesem Teil der Geschichte war ich nicht so ganz zufrieden, denn wenn die anfängliche Kühle, ja fast Kälte, durchaus stimmig war und am Ende zu, die Romantik und Liebe auch genügend Ausdruck fand - so hat der Weg dorthin, zumindest mich, nicht vollständig mitgenommen, ich wurde nicht ganz warm mit Leonie und Hendryk.
Was den historischen Aspekt betrifft (Zeitrahmen 1837 bis 1843), kann ich mich nur der "Bunte" anschließen, die sagt: "Ein scharfzüngiges und immer humorvolles Sittenbild - Langeweile ausgeschlossen." Dazu passen auch die wundervollen Zitate vom Freiherrn von Knigge aus seinem Werk "Über den Umgang mit Menschen", die Andrea Schacht etlichen Kapiteln voranstellte und die mich total neugierig auf den humanistischen Soziologen Knigge machte, der mit Benimmregeln nach unserem heutigen Verständnis überhaupt nichts am Hut hatte. Als kleines Schmankerl lässt Andrea Schacht ihren Helden Hendryk genauso wie Freiherrn von Knigge von einem Gutshof am Rande des Deisters (Höhenzug südwestlich von Hannover) herstammen.
Fazit: Ein schönes und empfehlenswertes Buch mit 4,5 Sternen.