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Die Unfehlbaren: Wie Banker und Politiker nach der Lehman-Pleite darum kämpften, das Finanzsystem zu retten - und sich selbst. - Ein SPIEGEL-Buch
 
 
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Die Unfehlbaren: Wie Banker und Politiker nach der Lehman-Pleite darum kämpften, das Finanzsystem zu retten - und sich selbst. - Ein SPIEGEL-Buch [Gebundene Ausgabe]

Andrew Ross Sorkin , Gabor Steingart , Ursel Schäfer , Enrico Heinemann , Helmut Dierlamm
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Das Buch ist fesselnd, so fesselnd wie ein fiktiver Wirtschaftskrimi. Doch manchmal ist die Wirklichkeit dramatischer als die Fiktion. Andrew Ross Sorkin ist es gelungen, die größte Wirtschaftskrise seit den 1930er Jahren ausführlich nachzuzeichnen.« (NZZ )

»Das Buch "Too big to fail" des Journalisten Andrew Ross Sorkin gehört zu den besten und detailliertesten Analysen über den tiefen Fall der US-Bank Lehman Brothers.« (Welt am Sonntag )

»Packend und schonungslos detailliert schildert Sorkin den Höhepunkt der Krise.« (Handelsblatt )

Kurzbeschreibung

Als die Finanzwelt am Abgrund stand

Als die Investmentbank Lehman Brothers über Nacht zusammenbrach, löste das Schockwellen um den ganzen Erdball aus. Die Bank war eigentlich zu groß und wichtig gewesen, um sie pleitegehen zu lassen. In einer brillanten Erzählung, die den Leser direkt in die Büros der Mächtigen führt, rekonstruiert der Journalist Andrew R. Sorkin den dramatischen Ausbruch der Finanzkrise von 2008/2009 und die verzweifelten Bemühungen von Bankern und Politikern, den völligen Kollaps des Finanzsystems zu verhindern. Auf der Grundlage von ausführlichen Interviews, firmeninternen E-Mails und Protokollen liefert Sorkin die definitive Darstellung der Krise, die viele bisher unbekannte Details verrät.

Über den Autor

Andrew Ross Sorkin, geboren 1977, arbeitet für die Wirtschafts- und Finanzseiten der New York Times und ist Herausgeber von Dealbook, einer Finanzwebsite der New York Times. Für seine journalistischen Arbeiten wurde er bereits mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Vorwort
von Gabor Steingart
Oliver Stone hat den falschen Film gedreht. Statt der fiktiven Story von Wall Street 2 hätte er besser Andrew Ross Sorkins Die Unfehlbaren (Too Big to Fail) in Kinobilder verwandeln sollen. Die Geschichte, die in diesem Buch erzählt wird, besitzt alles, was ein gutes Drehbuch besitzen muss: Tempo und Dramatik, starke Hauptfiguren und einprägsame Dialoge, vor allem aber einen Erzählstrang, der der Wirklichkeit nicht entliehen, sondern mit einem großen Satz entsprungen ist.
Die Geschichte vom Aufstieg und Niedergang der Investmentbank Lehman Brothers, die detailgenaue Erzählung der sich anschließenden Wall-Street-Rettung durch das Weiße Haus, das Finanzministerium und die US-Notenbank gewinnt in Sorkins Erzählung eine Authentizität, die über all das hinausgeht, was wir normalerweise mit einem »Sachbuch« verbinden. Ich kenne jedenfalls kein Buch der jüngeren Zeit, das mit mehr Details aufwarten kann und das diese Details in so eleganter Weise zu erzählen vermag.
Genau genommen hat Sorkin zwei Bücher in einem geschrieben: Die Unfehlbaren lässt sich als Geschichtsbuch lesen, das die historischen Ereignisse der beginnenden Kernschmelze im weltweiten Finanzsystem erzählt. Er selbst spricht von einer »Chronik des Versagens«.
Genauso gut können wir es aber als Science-Fiction betrachten, als einen Zukunftsroman, der davon kündet, was passiert, wenn nichts passiert. Ein Markt ohne Ordnung, das ist die eigentliche Botschaft des Buches, schafft am Ende immer nur eine Anarchie, in der ökonomische Verwüstung und menschliche Tragödien einander bedingen. Man kann dem heutigen Weltfinanzsystem vieles nachsagen, aber nicht, dass es Stabilität hervorbringt.
Zwar ist das Weltfinanzbeben fürs Erste beendet, aber die Urkräfte, die sich in den damaligen Ereignissen entladen haben, sind nicht verschwunden. Im Innern des Weltfinanzsystems grummelt es. Es herrscht - schon wieder oder immer noch - die alte Mischung aus Gier und Größenwahn, aus exzessivem Risikoappetit und einem Bezahlsystem, das diesen Appetit verstärkt, anstatt ihn zu dämpfen. »Jeder Tag ist Kampf. Du musst den Feind töten«, hören wir einen der Protagonisten in Sorkins Wall-Street- Drama sagen. Diese Kultur hat überlebt. Sie wurde zu keinem Zeitpunkt infrage gestellt, zumindest nicht von den Akteuren.
Sorkin schreibt, dass die Mächtigen der New Yorker Banken sich selbst als Finanzgenies sahen, als Männer, die »eine neue Ära erschaffen haben, in der mit geringem Risiko Gewinne zu machen sind«. Sie glaubten, lernen wir in seinem Werk, dass die amerikanische Art des Umgangs mit den modernen Finanzinstrumenten »der Goldstandard für die ganze Welt sein würde«.
Diese Vorstellung spuckt noch immer in den Köpfen der meisten Akteure herum, auch in dem von Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein. Ich würde es Sorkin nicht glauben, wenn ich diesem Mann nicht selbst begegnet wäre, und zwar just an jenem 13. Oktober 2008, als er zu US-Finanzminister Hank Paulson einbestellt war. Blankfein wusste nicht, was der Minister von ihm wollte. Aber seiner Stimmung tat das keinen Abbruch. Er hatte, bevor er sich zu Paulson fahren ließ, ein paar europäische Journalisten in sein Washingtoner Büro geladen. Er wollte uns demonstrieren, dass er und Goldman Sachs ganz die Alten seien, dass die Krise sie nur härter gemacht habe, wobei er schon das Wort Krise nicht mochte. Das sei ein Hurrikan gewesen, der da über die Finanzindustrie hinweggefegt sei, sagte er, der perfekte Sturm. Man konnte seinen Auftritt als sehr selbstbewusst bezeichnen - oder als ignorant.
Wenige Stunden später saß der kleine, energiegeladene Mann dem Finanzminister gegenüber, der Blankfein und den anderen führenden Investmentbankern eröffnete, dass er die Banken durch den Erwerb von Anteilen verstaatliche. Damit hatte der Blitz nun immerhin auch in seinem Haus eingeschlagen. Sorkin beschreibt diese Schlüsselszene, als die Politik für einen historischen Moment das Primat über die Wirtschaft zurückerkämpft hatte, mit großer Präzision. Beim Lesen glaubte ich zu spüren, wie Blankfein gelitten hatte. Schon für diese Überlieferung bin ich Sorkin dankbar.
Blankfein blieb auf seinem Posten. Er verrichte doch nur »Gottes Werk«, teilte er der Weltöffentlichkeit später mit. Mittlerweile hat Goldman Sachs den aufgezwungenen Staatsanteil wieder abgeschüttelt, und Gewinne, Gehälter und Boni bewegen sich auf dem Vorkrisenniveau.
Sorkin entführt uns in diese Welt des permanenten Wahnsinns, die wir verharmlosend Investmentbanking nennen. Es ist eine Welt, in der die Wirklichkeit der Warenwelt und die Wirklichkeit der Geldgeschäfte getrennte Leben führen. In den i97oer-Jahren war der Wert aller Währungsgeschäfte noch doppelt so groß wie der Wert des tatsächlichen Handelsvolumens. Heute übertrifft die Währungsspekulation den Handel um das Zwanzigfache. Der Wert aller Zinsderivate betrug 1995 erst 18 Billionen Dollar, heute dagegen 400 Billionen Dollar. Obwohl das globale Weltsozialprodukt sich in dieser Zeit nur verdoppelt hat, konnte sich der Wert der Zinsspekulationen verzwanzigfachen.
Die Blütezeit des Investmentbanking hatte begonnen. Vierzig Prozent aller US-Unternehmensgewinne stammten 2007 aus dem Finanzgewerbe. Es war das Jahr, als die Spekulationsblase im US- Immobilienmarkt ihre größte Ausdehnung erreicht hatte. Oder, wie Sorkin schreibt, es war das Jahr, als jeder ein Hausdarlehen bekam, »der in der Lage war, seinen Namen auf ein entsprechendes Formular zu setzen«.
Es ist eine Welt des schnellen Reichtums, weshalb in diesem Buch pausenlos Helikopter und Privatflugzeuge gestartet werden. Es ist aber vor allem eine Welt voller Rätsel, die selbst dem ortsund sachkundigen Autor zu schaffen macht. »Nie zuvor habe ich eine so spektakuläre Selbstzerstörung geschichtsträchtiger Institutionen erlebt«, schreibt Sorkin. Und fügt in großer Offenheit hinzu: »Am Ende dieser ungewöhnlichen Phase stehen wir vor einem gigantischen Puzzle -, einem Rätsel - das wir lösen müssen, wenn wir aus unseren Fehlern lernen wollen.«
Doch will die Welt wirklich lernen? Wir begegnen zumindest an der Wall Street jenen Spielern, die für die letzte Krise verantwortlich waren und die sich - mit Ausnahme von Lehman- Brothers-Chef Richard Fuld junior - wieder erholt haben. Selbst die Trader von Lehman sind heute wieder aktiv, nur tragen sie jetzt das Firmenemblem der britischen Barclays Bank auf ihren Visitenkarten. Im großen Weltfinanztheater fand keine wirkliche Neubesetzung statt, womit die Bedeutung dieses Buches konserviert wird.
Die Banken sind durch das Ausscheiden einiger Konkurrenten sogar noch größer, noch mächtiger, noch arroganter und damit auch noch gefährlicher geworden. Das Problem des »moral hazard«, einer moralischen Fehlsteuerung der Finanzindustrie, ist durch die Rettung der Banken zu einer konkreten Gefahr geworden. Man kann mit Fug und Recht sagen: Indem die USA die Krise bekämpften, bereiteten sie die nächste vor.
Nie zuvor wurde ein vergleichbar großer Geldbetrag ausgegeben - die SPIEGEL-Dokumentation hat einen Betrag von weltweit 15 Billionen Dollar errechnet -, um eine einzelne Industrie zu retten und die von ihr verursachte Wachstumsdelle auszugleichen. Das Rettungsgeld entspricht dem 35-Fachen des deutschen Staatshaushaltes und dem 120-Fachen dessen, was die führenden fünf Investmentbanken der USA seit der Jahrtausendwende verdient haben.
Die meisten Beteiligten wurden gerettet, nicht bestraft. Sie wurden genau genommen sogar belohnt, wenn man an den milliardenschweren Einsatz von Steuerzahlergeld denkt und an die niedrigen Zinsen der westlichen Notenbanken, zu denen seither auch die Investmentbanken unkomplizierten Zugang haben. Die Spekulation mit dem Geld fremder Menschen wurde im Zuge der Krisenbekämpfung jedenfalls nicht beendet, sie wurde stimuliert, weshalb die Bankbosse aus alledem andere Schlüsse gezogen haben als das gemeine...
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