... eine deutsche Art zu lieben. So lautet der erste Teil dieses Buches. Warum gebe ich fünf Sterne?
1. weil mir das Buch inhaltlich äußerst wertvoll erscheint. Es trägt zum Verständnis des menschlichen Verhaltens bei, indem es auf psychoanalytische Weise untersucht, wie wir Unangenehmes und Unverstandenes leugnen, bekämpfen und unterdrücken und wie das alles Ressentiments schafft, die sich kraft der Identifikation mit einer Führer-Gott-Vater-Figur und durch aggressive Projektion auf Feindbilder ("Sündenböcke") im Außen entladen. Dadurch verschwindet vorübergehend Aggression aus dem Binnenraum - Beispiel Nazizeit, wo die Entmenschlichung der Opfer ungeahnte Ausmaße annahm, um mithilfe einer Rationalisierungsstrategie namens "Moral" das Gewissen aus dem Spiel zu lassen.
"Unter dem Diktat der Verleugnung ist der Kommunismus nichts als eine Irrlehre für uns geblieben wie einst der Mohammedanismus oder der Protestantismus; uns als Rechtgläubige braucht das nicht zu interessieren, es genügt, wenn wir verabscheuen." (S. 70)
2. weil der Stil nicht anklagend (wenn auch durchaus nicht optimistisch!) wirkt, sondern im Gegenteil Mut macht, den eigenen Scharfsinn zu kultivieren und Toleranz zu üben, indem der Kreis von Triebbedürfnis-Reflexion-Mitgefühl zustande kommt. Und weil wesentliche Begriffe wie Kultureignung, kritisches Ich, Sozialisation, Identifikation mit dem Aggressor, das Zusammenspiel von Affekt-Verstand-Wille-Handlung etc. unter anderem auch mit Anleihen an Freud (Zeitgemäßes über Krieg und Tod) und Nietzsche (Menschliches, Allzumenschliches), auch Le Bon (Psychologie der Massen) gut erläutert werden.
"Es geht nicht um Anklage, sondern um Einsicht; diese nämlich, dass hohe Fachbildung, langes Studium etwa, nicht davor schützten, den Erlebnisverzerrungen bis hin zur wahnhaften Wirklichkeitsentstellung zu verfallen. Das Entscheidende bleibt für jede Einzelperson, wie Ich-fremd, wie unzugänglich für kritische Selbstbeobachtung während der Sozialanpassung die eigenen unterdrückten Triebanteile geblieben sind." (S. 273)
3. weil für mich persönlich einige Lektionen dabei waren, die ich nicht nur großartig formuliert fand, sondern auch wirklich gut durchdacht. Und weil vieles, was die beiden Autoren hier schreiben, auch heute noch gültig ist.
"Je weniger Toleranzerfahrung, desto weniger Wissen um die Wirklichkeit, desto mehr Wirklichkeitsvermeidung auch durch Idealisierung..." (S. 274)