Geschlechtsumwandlung interessiert mich als Romanthema normalerweise nicht die Bohne. Da ich jedoch Tremains "Melodie der Stille" mit Genuss gelesen habe, ließ ich mich auf diese Lektüre ein - und war begeistert. Denn nicht die spektakuläre sexuelle Spielart steht im Mittelpunkt des Buches, sondern die junge Frau, die davon betroffen ist, mit ihrer schwierigen Entwicklung: die intellektuelle Wachheit, das angespannte Verhältnis zu den unglücklich verheirateten Eltern, die gescheiterten und auch geglückten Beziehungen zu anderen Menschen, die Vielschichtigkeit des Lebens auch der anderen Buchfiguren . Dies alles wird so nah und ohne Ausflüchte, so unsentimental und gleichzeitig anteilnehmend erzählt, dass man sich beim Lesen sehr angerührt fühlt.