Aus der Amazon.de-Redaktion
In jüngster Zeit hat man die bei allen Schwierigkeiten gelungene und stabile Demokratisierung Deutschlands als taugliches Vorbild für anstehende Umerziehungsaufgaben etwa im Irak herangezogen. Namentlich Donald Rumsfeld hält das Muster der deutschen Demokratisierung in anderen Ländern für wiederholbar. Dem steht Jarausch indes mit guten Gründen kritisch gegenüber, nicht zuletzt, weil "die Konstellationen der Nachkriegszeit ebenso einmalig wie die vorausgegangenen NS-Verbrechen waren". Gerade "die Tiefe des eingetretenen Zivilisationsbruchs" habe "nach 1945 keine Alternative als eine fundamentale Umkehr" zugelassen. Indessen würde heute von Intellektuellen in der Dritten Welt "das Ziel einer Zivilisierung selbst in Frage gestellt, weil es die Hegemonie des Weißen Mannes fortschreibe." Und tatsächlich haben die Erfahrungen mit dem europäischen und amerikanischen Imperialismus, so der Autor, "das Vorbild einer westlichen 'Zivilisation' durch die Praxis des ubiquitären Rassismus, der wirtschaftlichen Ausbeutung und der Geschlechterdiskriminierung entwertet". Ein universeller Maßstabs menschlichen Verhaltens, wie er in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO formuliert wurde, bleibt Jarausch zufolge gleichwohl unaufgebbar und muss als immer wieder neu zu erstrebendes Ziel die Zivilisierung der Politik leiten. Dem wird man nicht widersprechen. -- Hasso Greb
Kurzbeschreibung
Die alliierte Befreiung der KZ am Kriegsende machte das ganze Ausmaß des durch die NS-Verbrechen
begangenen Zivilisationsbruchs deutlich. Ein halbes Jahrhundert danach gilt Deutschland als ein Musterbeispiel für eine gelungene Demokratisierung. Drei Etappen markieren die Übergänge: 1945/1949, 1968 und 1989/1990. Anhand von individuellen Selbstzeugnissen und öffentlichen Auseinandersetzungen wird verdeutlicht, wie es die Deutschen vermochten, aus ihrer dunklen Vergangenheit hinaus Wege in eine moderne, liberale Gesellschaft zu finden.