Jonas Gabler setzt sich sehr differenziert dem Thema Ultras und der Entwicklung des Fußballs vom Volkssport zu einer einem Marketingprodukt auseinander.
Der Autor geht umfassend auf die Entwicklung des Fußballs in Italien (dem Ursprungsland der "Ultras") und in Deutschland ein und beschreibt den Wandel, der besonders in den letzten 20 Jahren den deutschen Fußball weiterentwickelt (oder eben auch von den Fans entfremdet)hat. Für den Fußball in Deutschland beschreibt er sehr anschaulich und fundiert den Wandel von den "Kutten" in den 80er-Jahren zu den "Ultras", die mittlerweile mit ihren Choreographien und Gesängen maßgeblich das Erscheinungsbild der Fankurven beeinflussen. Jonas Gabler gibt einen guten Einblick in die Strukturen und in die Denkweise vieler Ultras. Hierbei geht es nicht "gute Ultras" oder "böse Ultras" sondern um eine in die Tiefe gehende Aufarbeiteung der Thematik - dabei nimmt er durchaus Bezug auf das Thema Gewalt, politische Radikalität und auch auf das nicht immer unproblematische Verhältnis zu den "normalen" Fans. Es geht in keinem Fall um Schuldzuweisungen- auch nicht in Richtung der Vereine, der Polizei oder der DFL. Sehr wohl weist der Autor auf den Umgang dieser Institutionen mit den Ultras hin und mahnt hier einen faireren Umgang an, ohne zu einer Idealisierung der Ultras zu neigen. In Zeiten, in denen der Kommerz immer mehr die Oberhand gegenüber dem einstigen Massensport gewinnt, sind die Ultras einerseits diejenigen, die ungute Schlagzeilen in Sachen Gewalt liefern, andererseits mit ihrer "Old-School"-Ausrichtung in Sachen Support auch diejenigen, die bedingungslos dafür sorgen, dass es in den Stadien noch das gibt, was viele mindestens genauso schätzen wie guten Sport: leidenschaftliche Unterstützung für die Mannschaft, Gänsehaut-Gefühl und eine Identifikation mit der Mannschaft, die "Modefans" nie haben werden.