Und mit Oberflächlichkeit ist durchaus nicht das (auch erweiterte) Musikgenre gemeint, sondern die vorwiegend substanzlose Verpackung und Präsentation, ganz in Format-Medien-Güte.
Natürlich darf man von einem Sendeformat, das sich schon reisserisch als "Ultimative Chartshow" anbiedert, keine allumfassende und fundierte Aufbereitung eines musikalischen Sach-, bzw. Spartenthemas erwarten - dient dieses doch vornehmlich zu mehr oder weniger profaner Massenunterhaltung (inkl. Werbung, Selbstdarstellung und dem Promoten abgewrackter ehemaliger Popgrössen, die nicht merken, dass auch mal gut ist mit dem Eigenrevival mit Untoten-Charme).
Aber auch das hätte man noch mit ein wenig mehr Anstand (und Witz: ein augenzwinkernder Charme der Selbstironie wäre gewesen, sich der Erwähnung des "Music for the masses"-Album von Depeche Mode als Referenzaussage zu dieser Sendung zu bedienen...) hinbekommen können. Spricht die zweifelhafte Platzierung der "Hits" schon Bände - welche Eintagsfliegen und neueren semibekannten Eurotrash-Elektro-Sperenzien, die definitiv nicht die Kriterien des Synth-Pop erfüllen, sollen tatsächlich erfolgreich gegen "Giganten" wie Kraftwerk, Depeche Mode, O.M.D. oder New Order angestunken haben, bzw. diese noch übertrumpft haben? Amüsant! Amüsant, aber eher doch im Grunde ein Ärgernis, das bemühte Hervorzerren einer durchschnittlichen "Nur"-Popband wie Roxette. Der Einsatz von Keyboards macht aus Musikern noch keine Elektropopper. Dazu bedarf es eindeutig einer vollkommen anderen Ästhetik und stilprägender Herangehensweise - aber bitte, wenn man bei RTL der Auffassung ist, Roxette (und auf CD) Fleetwood Mac (!) zu adden, dann sind am Ende Emerson Lake and Palmer, Genesis und Konsorten auch noch Synth-Pop-Bands und Rick Wakeman der Posterboy des Genre...
Wobei wir auch bei einem weiteren Knackpunkt dieses Sende-Formates wären, wie kann man nur Studiogäste einladen, wahre "Experten" geradezu, die eine gewisse rockistische Zurschaustellung der eigenen latenten Abneigung gegen das Musikgenre permanent verströmen mussten (jaja, AC/DC und Motörhead bringts - und Marc Almond ist ja schwul, was für eine total neue Erkenntnis...). Auch hier wäre ein fundierterer Umgang mit dem musikalischen Schwerpunktthema Pflicht gewesen. Historisch sinnvolle Hinweise auf Vorreiter der elektronischen (Pop-)Musik, bzw. des Synthpop wie z.B. Can, Tangerine Dream, Cabaret Voltaire, The Normal, Fad Gadget, etc. hätten der Sendung mehr als gut getan. Hinzu noch ein wenig ernstzunehmende Instrumentenkunde (kein albernes Herumgespiele) für Laien - man lernt doch gerne hinzu, auch RTL-Gucker können das...
Alles Fehlanzeige - und hier das "ultimative" Produkt im Schlepptau: eine Kompilation, die aufgrund allseits bekanntem Materials, vollkommen thematisch unpassenden Materials und liebloser Kraut-und Rüben-Auswahl vollkommen überflüssig ist. Am Genre interessierte Neueinsteiger lockt man damit nicht, sondern führt sie in die Irre - und "altgedienten" Synth-Pop-Fans stehen vor Grausen die Haare zu Berge: Roxette und Fleetwood Mac, also ehrlich...