... so locker-flockig beginnt Friedemann Beyer sein Buch "Die UFA-Stars im Dritten Reich - Frauen für Deutschland", welches 1991 im Heyne-Verlag erschienen ist.
Eine rund 60 Seiten starke Einleitung unter dem Titel "Der Film, die Frauen und das Dritte Reich", jeweils ein Kapitel über fünf der größten Diven des deutschen Filmes zwischen 1933 und 1945, die jeweils exemplarisch für einen bestimmten Frauentyp im Film stehen, dazu rund 140 Fotos und vollständige Filmografien der fünf Damen während dieser zwölf Jahre (erfreulicherweise inclusive der verschollenen bzw unvollendeten Filme), das ganze auf "nur" 320 Seiten - Skeptiker werden von vornherein beanstanden, daß das nicht möglich sei, daß das Buch wohl in jeglicher Hinsicht sehr an der Oberfläche bleiben müsse.
Und natürlich wird man, wenn man sich für eine der fünf Damen im besonderen interessiert, da tatsächlich auch ausführlichere Einzel-Biografien finden können.
Dennoch ist Beyer hier ein bemerkenswerter Spagat gelungen.
Das einleitende Kapitel berichtet genauso locker und unterhaltend, wie es beginnt, dabei aber auch sehr informativ über den Film im Dritten Reich, über Stars, Sternchen und Affären, die Rolle des Propagandaministeriums unter Leitung des "Bock von Babelsberg" Joseph Goebbels und über die Wechselwirkung von Film und Zeitgeschehen, die wohl selten so ausgeprägt gewesen sein dürfte wie zwischen 1933 und 1945 in Deutschland.
Die daran anschließenden fünf Kapitel über "Die Dame" (Olga Tschechowa), "Die Rätselhafte" (Sybille Schmitz), "Die Mega-Frau" (Zarah Leander), "Die Kindfrau" (Kristina Söderbaum) und "Die Kesse" (Ilse Werner), jeweils etwa 50 Seiten lang, halten allesamt sehr schön die Balance zwischen Filmischem und Persönlichem und schlagen immer wieder den Bogen zum großen Ganzen, zum zeitgeschichtlichen Bezug zwischen ihren Leben, Filmen und der politischen wie künstlerischen Entwicklung.
Dadurch entsteht beim Lesen eigentlich nie der Eindruck eines aus einer kurzen Einleitung und fünf Kurzbiografien zusammengestückelten Buches (obwohl sich die einzelnen Kapitel auch vortrefflich zum schnellen Nachschlagen eignen), sondern das Buch erscheint durchaus wie aus einem Guss.
Und im Gegensatz zu ausführlicheren Einzelbiografien, die doch oftmals eher in Richtung "Fan-Literatur" gehen, bleibt Beyer hier bei aller offensichtlichen Liebe zum Thema und Sympathie zu seinen "Heldinnen" erfreulich sachlich und objektiv.
Unreflektierte Lobhudeleien wird man genausowenig finden wie despektierliche Kritik.
Besonders schön deutlich wird dies zum Beispiel bei dem Kapitel über Zarah Leander, bei der Beyer ganz nüchtern-sachlich und ohne jegliche Respektlosigkeit feststellt, daß ihr ganzer Zauber zu einem großen Teil ein wohlkalkuliertes Kunstprodukt aus Make-Up, Frisuren, erstklassiger Garderobe und perfekter Beleuchtung war, welches sich auf Starfotos sowie auf Plattenaufnahmen wunderbar manifestierte, aber bei nüchterner Betrachtung ihrer "Schauspielkunst" doch mehr aus Posen denn aus Spiel bestand, und auch bei der im Söderbaum-Kapitel natürlich unvermeidlichen Jud Süß-Frage, die Beyer ganz pragmatisch damit abarbeitet, daß bereits der Harlan-Prozess kurz nach Kriegsende nicht mehr zweifelsfrei feststellen konnte, wer nun genau für was bei diesem unrühmlichen Film verantwortlich gewesen sei und daß das nun auch im Nachhinein wohl nie mehr eindeutig zu klären wäre.
Sehr schön ist auch das üppige Fotomaterial, welches eine bunte Mischung aus Szenenfotos, Studioportraits, Pressefotos und Privataufnahmen ist.
Fazit: ein gleichermaßen informatives wie unterhaltsames Buch für all diejenigen, die sich ganz allgemein für die Diven des Dritten Reiches und den deutschen Film dieser Zeit interessieren.
Wer ganz gezielter Fan EINER der entsprechenden Damen ist, wird aus einer guten Einzelbiografie mit Sicherheit mehr Erkenntnisgewinn ziehen können, aber selbst für diejenigen ist dieses kleine Buch ein durchaus interessantes Stück zur Bereicherung der persönlichen Filmbibliothek, zumal man damit auch einiges über die anderen erfährt, für die man sich vorher möglicherweise weniger interessiert hat.
So habe ich zum Beispiel mit Erstaunen dazugelernt, daß Sybille Schmitz ihre Filmkarriere mit Werbefilmen für die SPD und in Frankreich begonnen hat und daß die Mutter von Olga Tschechowa eine Jugendfreundin Tschaikowskis war.
Und was die Überlegung anbelangt, ob denn so viel Info, so viele Bilder, so viele Biografien tatsächlich auch nur annähernd in einem 320 Seiten schmalen Büchlein untergebracht werden können:
Viele andere Verlage hätten den Inhalt des Buches mit Sicherheit locker auf den doppelten Umfang und damit auch gleich auf ein Vielfaches des Preises gestreckt - alleine schon dafür, dieser Versuchung widerstanden zu haben, hat dieses Buch bereits Anerkennung verdient.