Wer kennt ihn nicht? Howard Shore, der Meister an der Feder, der sich an der wohl epochalsten Filmtrilogie dieses Jahrtausends vergreifen durfte und sich damit in die Geschichtsbücher Hollywoods eingetragen hat. Niemand kann sich auch nur im Mindesten vorstellen wie Shore dieses Meisterwerk gelungen ist...
...es sei denn man kennt seine früheren Werke. Denn wer sich die älteren Stücke Howard Shores anhört wird sicherlich sehr schnell merken, dass der Score zu Peter Jacksons "Herr der Ringe" nichts anderes ist, als ein Recycling eigener Kompositionen.
Wie unglaublich ähnlich sich sämtliche Shore Stücke anhören, schien dann auch Peter Jackson aufgefallen zu sein, als dieser Shore aufgrund von "unterschiedlicher kreativer Auffassungen" aus seiner Zusammenarbeit zum Film "King Kong" ausschloss und stattdessen James Newton Howard als Komponisten engagierte.
Dennoch scheint es Howard Shore mit dem Soundtrack zum dritten Teil der "Twilight-Saga" wieder zu gelingen sich selbst neu zu erfinden. Es gelingt ihm nahezu perfekt einen Kompromiss zwischen Vampir- und Liebesfilm zu finden, indem er mit seinen Kompositionen eine auffallend düstere Atmosphäre schafft, die immer wieder durch ein paar ruhigere Stücke unterbrochen wird, aber sich nie selbst verliert. Die Grundstimmung zieht sich hier wie ein roter Faden durch sämtliche Tracks und wird hier und da durch Themen anderer Twilight-Filme unterstützt.
Ein paar Beispiele für wirkliche gelungene Kreationen:
Track 1: "Riley"
Ein Highlight gleich zu Beginn. Durch hohe Violinenklänge, ünterstützt von tiefen Synthezisern und dumpfen Paukenschlägen, wird hier eine geniale Spannung geschaffen. Die Atmosphäre des Films wird von Anfang an klar definiert und ebnet den Weg für einen wirklichen guten Soundtrack.
Track 7: "First Kiss"
Der einzige Titel indem ich leichte "Herr der Ringe"-Anleihen entdecken konnte, welche hier aber nicht Fehl am Platz wirken und sich somit sehr gut den übrigen Tracks anpassen. Wer jetzt allerdings eine heile Welt aller "Hobbits Theme" erwartet, wird sehr schnell eines besseren belehrt. Was hier zwar relativ ruhig und romantisch anfängt, schwenkt dann doch sehr schnell wieder in die düstere Stimmung des gesamten Films.
Track 11: "Jacob Black"
Wunderschönes Klaviersolo. Einfach nur zurücklehnen, genießen und eventuell die ein oder andere Träne verdrücken.
Track 16: "The Battle / Victoria Vs. Edward"
Das wohl lauteste Stück des gesamten Scores und auch das Orchesterlastigste. Durch harte Streicherrythmen, schnelle Pauken und laute Bläser wird hier Spannung pur erzeugt. Die zusätzlichen Syntheziser-Klänge tuen ihr übriges.
Track 19: "Weddings Plans"
So wie es sein sollte...der Höhepunkt kommt am Schluss. Das beste Stück des gesamten Films bzw. der gesamten CD. Hier gibt es Tränengarantie und das lässt sich behaupten ohne den Film gesehen zu haben. Wunderschöner Abschluss der gesamten Komposition und das was am Ende bleibt ist, egal wie dunkel alles andere davor zu sein schien, ein Happy-End Feeling.
Fazit:
Das hätte zwar schon mein Schluss sein können, dennoch muss ich nochmal sagen, dass so ein paar neue Seiten Howard Shores ihm durchaus gut zu Gesicht stehen. Er schlägt damit die Misch-CD mit Muse und Co. um Längen und es nicht nachvollziehbar, warum der Großteil der Twilight Fans sich lieber das lieblose Gemisch anhört, als diese wirklich gelungene und in sich stimmige Kreation. Wer emotionalisierende Musik sucht wird sie hier eher finden, als anderswo...