Jörg Kastner hat seinen zweiten Roman um Jeremias Katoen eingebunden in die historischen Ereignisse des Jahres 1671, als die Niederlande kurz vor dem Krieg mit Frankreich stehen und der Einmarsch der französischen Truppen immer wahrscheinlicher wird. Kurz nacheinander werden in Amsterdam zwei Männer ermordet, die der Vereinigung der Liebhaber der Tulpenfreunde angehören. In der rechten Hand der Toten findet man das Blütenblatt einer bis dahin unbekannten Tulpenart. Jeremias Kattoen, dem Leser schon aus "Die Farbe Blau" bekannt, übernimmt die Ermittlungen. Bald wird klar, dass die Vereinigung der Liebhaber der Tulpenfreunde nicht nur hehre Motive hat und die ermordeten Mitglieder keinesfalls unbescholtene Bürger sind.
Wenn Jörg Kastner erzählt, dann ist man mitten drin im Geschehen, zieht mit Jeremias Katoen durch das Labyrinth des nächtlichen, nebelverhüllten Amsterdam und fühlt das beklemmende Gefühl der Gefahr, der er ausgesetzt ist. Genauso genießt man aber die ruhigeren Passagen, in denen sich der Ermittler eine kleine Pause gönnt und die auch dem Leser ein wenig Luft verschaffen in diesem rasanten und abwechslungsreichen Krimi, der auf jeder Seite zum Miträtseln einlädt, oft auf falsche Fährten führt, dem Leser nebenbei noch einen lehrreichen Exkurs über die Geschichte der Tulpe bietet und am Ende für eine überraschende Auflösung sorgt.
Es ist ein lebensechtes Bild, das Jörg Kastner von Amsterdam, seinen Bewohnern und deren Ängste, Sorgen und Träumen zeichnet. Immer, wenn ich eines seiner Bücher um Jeremias Katoen lese, wünschte ich, ich könnte in der Zeit zurückreisen, mit dem Boot über die Grachten fahren, die Märkte besuchen, Tulpenfelder besichtigen und in einer der kleinen Garküchen Schmalzbrote oder in Wein gedünsteten Fisch genießen.
Ich hoffe, dass dies nicht der letzte Roman um den Ermittler Jeremias Katoen war, denn ich würde mich gerne wieder von Jörg Kastner ins historische Amsterdam entführen lassen.
Dieser Krimi ist ein Muss für Leser, die anspruchsvolle historische Krimis mit zeitgeschichtlichem Hintergrund lieben