Zuallerst:
Ich weiß "The Tudors" nimmt es mit der Geschichte nicht ganz so genau, so dass zum Beispiel die Schwestern Heinrichs VIII. Margaret (Frau Jakobs IV. von Schottland) und Mary (erst Frau Ludwigs XII. von Frankreich und dann Charles Brandons) zu einer Person vermischt werden, die erst den greisen König von Portugal und dann Charles Brandon heiratet, was ja nun historisch völlig unkorrekt ist. Und mir ist bewusst, dass das die Menschen, die hier Geschichte authentisch verfilmt sehen möchten, sicherlich stören, wenn nicht so gar sehr stören wird. Ich persönlich weiß jedoch zu wenig über Heinrich VIII. und die Geschehnisse um ihn herum, um da noch Genaueres schildern zu können oder die Serie folglich schlecht zu finden. Daher möchte ich hier nur aufführen, warum ich "The Tudors" gut finde, auch wenn ich weiß, dass da einiges nicht korrekt ist.
Zuallererst wären da die unglaublich talentierten Schauspieler wie Jonathan Rhys Meyers, Sam Neill, Steven Waddington, Jeremy Northam und Maria Doyle Kennedy, von denen Letztere mich besonders beeindruckt hat. Des Weiteren wunderschöne Kostüme und detailverliebte Sets (Heinrichs VIII. großer Held ist der Lancasterkönig Heinrich V. und eben dessen Portrait hängt in einem Raum, in dem Heinrich VIII. oft gezeigt wird, weshalb ich dauerschmunzeln musste) mit tollen Kulissen und Schauplätzen, was alles für sehr ästhetische Bilder sorgt.
Hinzu kommt aber außerdem, dass es sich bei "The Tudors" nicht, wie ich nach dem Ansehen vieler Videos auf youtube befürchtete, um eine einzige "Beischlaforgie" handelt, die Heinrich VIII. als, ich will es mal so ausdrücken, König mit nervösem Hosenstall zeigt (Es gibt gewisse Szenen, aber nicht soviele, dass man sich an den Kopf packen müsste) sondern wirklich versucht den König menschlich darzustellen. So ist er einerseits risikoreudig und in sexueller Hinsicht vergnügungssüchtig, aber auch ein liebender und stolzer Vater; Respektsperson, aber auch Freund; fürchtet einerseits Krankheiten und um die Thronfolge, ist aber auch ein gerechter und verständiger Mensch; er ist hitzköpfig, gebieterisch und aufbrausend, aber auch leidenschaftlich, liebend und besorgt. So wird er dann auch mal zweifelnd und mal oben auf dargestellt, aber immer vielschichtig und niemals eindimensional. Und das finde ich das Tolle an "The Tudors", denn vielleicht ist das nicht der echte Heinrich VIII. (Vielleicht wird er zu positiv dargestellt), aber sicher ist es ein realistisches Bild von einem Monarchen und seinem von Machthungrigen erfüllten Hof, wo wenig echte Freunde sind.
Aber auch die anderen Charaktere werden vielschichtig dargestellt und kommen nicht zu kurz. Wobei mir persönlich besonders die Darstellung Königin Katharinas von Aragon gefiel und das gezeigt wird, wie sehr Anne Boleyn eigentlich benutzt wird, bevor sie eigenhändig aktiv wird. Ich mochte aber auch sehr die Episode mit William Compton und Thomas Tallis (wenn auch fiktiv), eine Szene zwischen den beiden Königinnen Katharina von England und Claude von Frankreich während des englisch-französischen Gipfeltreffens und eine Szene mit Claude von Frankreich und Charles Brandon.
Daher vergebe ich für "The Tudors" 4 Sterne (obwohl die Serie auch fünf verdient hätte), weil die Serie eben nur teilauthentisch ist. Ich lege sie aber prinzipiell jedem ans Herz, der über historische Ungenauigkeiten hinwegsehen kann und ein realistisches Bild auf höfisches Leben im 16. Jahrhundert sehen will, denn der wird sich bestimmt gut unterhalten fühlen.