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Die Tuareg-Tragödie
 
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Die Tuareg-Tragödie [Taschenbuch]

Mano Dayak , Sigrid Köppen
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 190 Seiten
  • Verlag: Horlemann (April 1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895020397
  • ISBN-13: 978-3895020391
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 13,4 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 503.684 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der Tuareg Mano Dayak schildert die Geschichte seines Volkes. Er beschreibt die Kultur der Tuareg, das Leben in den Nomadenlagern, die Rolle der Frauen, den Ablauf der Feste, die Arbeit des Weidens und die Überlebensstrategien in der Wüste, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben. Diese Kultur, die auf dem Wissen um die Bewohnbarkeit der Wüste basiert, ist in Gefahr, mit den Tuareg zu verschwinden: Ein nie wieder rückgängig zu machender Verlust, wenn es nicht sehr bald gelingt, dem Elend der Tuareg ein Ende zu setzen und eine friedliche Lösung des Konflikts herbeizuführen.

Über den Autor

Mano Dayak war Tuareg, Angehöriger eines Stammes jener Nomaden, die unermeßliche Wüstengebite Nordafrikas bewohnen, die sich von Marokko und Algerien bis Mali und Niger erstreckten.Während Jahrhunderten hatten sich die Tuareg gegenüber den gewaltvollen Angriffen der Kolonialmächte zur Wehr gesetzt und ihre unabhängige und stolze Lebensweise bewahrt. Mano wuchs in der Wüste auf. Seine Mutter erzählte ihm die Mythen seiner Vorfahren, sein Vater machte ihn mit den Bräuchen vertraut. Org. Vlg.txt 27.05.2009 Winkelmann N.de (1)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
37 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Okay, ich interessiere mich offensichtlich für die Tuareg. Trotzdem habe ich bisher kaum etwas gelesen, es gibt ja auch nicht sooo viel. Dieses Buch ist aber ein ganz guter Einstieg. Vor allem wird einem (wieder mal) eins klar: "Geschichte" (wie in Geschichtsbuch) gehört immer dem, der sie aufschreibt. Und in dieser Region Afrikas waren das bisher vornehmlich Franzosen - dieselben Leute, die von den Tuareg mehrfach vernichtend geschlagen wurden. Dies Buch ist dazu ein rares Gegengewicht, ein Blick von der "anderen Seite". Darüber hinaus: der Bericht nur über die Ereignisse in den letzten 10 Jahren macht einem (im 'sicheren' Europa) wieder einmal klar, wieviel Unrecht es immer noch in großen Teilen der Welt gibt. Das Buch besteht - etwa zur Hälfte - aus einem Text, den Michael Stührenberg nach Angaben von Mano Dayak geschrieben hat (siehe dazu auch Kommentare daselbst); dann schließen sich Einblicke von anderen Zeitgenossen zu diesem Thema an - verschieden Standpunkte, Hintergründe, aber alle sehr interessant. Und mir geht vor allem ein Zitat nicht aus dem Kopf, das des Fotografen Jean-Marc Durou (und ich bin seitdem sicher, daß ich Fotos von ihm von diesen verhüllten Nomaden gesehen habe): "Und in den Augen kann man die Frage lesen-ich jedenfalls lese sie darin-, die die Nomaden Saint-Exupery stellten, als sie erfuhren, daß sein Flugzeug in zwei Stunden einen Weg zurückgelegt hatte, für den ihre Karawane zwei Monate brauchte: 'Aber was machst du mit der übrigen Zeit?'"
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Free Tuareg! 1. März 2011
"Die Tuareg haben einen Sinn für Raum und Zeit, der uns fast allen fehlt. Zeit und Raum haben für sie eine metaphysische Dimension, werden in Beziehung zum Unendlichen begriffen. Für sie ist der Raum unendlich, und die Zeit existiert nicht" schreibt der Autor.
Die Tuareg teilen das Schicksal so vieler Völker, die ihre herkömmliche Lebensweise nicht mehr leben können, weil sie nicht zeitgemäß ist. Mano Dayak war einer der glühendsten Verfechter ihrer Lebensweise. Er ist bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen, als er gerade für die Sache der Tuareg unterwegs war. Sein Buch, das allerdings von Michael Stührenberg geschrieben worden ist, ist ein erschütterndes Dokument des Untergangs der Tuareg als freie Wüstenbewohner. Dieser vollzog sich in unaufhaltsamen Schritten, seitdem die Franzosen ihr Kolonialreich in Afrika aufgaben. Vorher unterstanden Algerien, Niger, Marokko, Mauretanien und Mali französischer Gesetzgebung und die Tuareg konnten problemlos umherziehen. Mit dem Ende der Herrschaft der Franzosen wurde der unendliche Raum plötzlich eingegrenzt. Es kamen in Westafrika die Herrschaftsbereiche der Schwarzafrikaner, mithin der früheren Opfer der Sklavenjäger. Oder sollte man sagen, der Niedergang begann bereits mit der Praxis der Tuareg die Neger zu versklaven, zu plündern und auszubeuten? Jetzt sind sie Sklaven ihrer ehemaligen Sklaven. Die letzten 50 Jahre sind sie nun selber die Versklavten, ohne Hoffnung ihre frühere Lebensweise in den Weiten der Wüste wieder aufnehmen zu können. Ein stolzes Volk wird gedemütigt. Sie sind dazu verdammt, sesshaft zu werden und sich nicht nur anzupassen, sondern auch zu assimilieren.
Die Entscheidungsträger in den jungen Staaten Afrikas sind keine Nomaden. Und sie sind keine Freunde der Nomaden. Und so kommt es oft zu Fehlentscheidungen und Korruption, Gleichgültigkeit und Passivität, Vorurteil und Feindschaft.
Die Tuareg, beklagt der Autor, haben nie ihre eigene Geschichte geschrieben. Dies Buch ist ein Anfang. Aus Sorge um Wahrheit und Würde, denn "Diese spielt für uns eine außerordentliche Rolle. Die Tuareg verlieren lieber ihr Leben als ihre Würde."
Dies ist kein Buch, das das traditionelle Leben beschreibt oder gar verklärt. Es ist vielmehr ein politisches Buch. Es beschreibt die Geschichte der Tuareg der letzten fünfzig Jahre. Eine ziemlich trostlose Geschichte. Mir kam spontan beim Lesen der Gedanke an das Schicksal der Indianer Nordamerikas und prompt las ich: "Ich meine, dass es viele Parallelen gibt zwischen der Befriedung der Sahara und den Kriegen gegen die Indianer." Und ähnlich wie bei den einen, so galt auch bei den anderen: "Die waffentechnische und logistische Überlegenheit der Eroberer trug den Sieg über die Äxte, Pfeile, Säbel, Lanzen und den Mut der Eingeborenen davon."
Trotz der lang anhaltenden Dürrezeiten und der Massaker, die die Schwarzafrikaner an den "weißen" Tuareg verüben, gelingt es ihnen immer wieder sich mit fast nichts am Leben zu erhalten. Sie lieben die Wüste so sehr, dass sie sich nicht vorstellen wollen, woanders zu leben. Aber sie werden dazu gezwungen. Sie führen in der Wüste zwar ein hartes, aber dennoch zufriedenes Leben, so lange sie in Ruhe gelassen werden. Was ihnen zusätzlich das Leben erschwert, sind Umweltschädigungen durch Eindringlinge der modernen Welt und Verwaltungsreformen, bei denen niemals die soziokulturellen und ökonomischen Lebensbedingungen der Tuareg berücksichtigt werden. Die Schwarzen, die in den Staaten, in denen die meisten Tuareg ihre Zelte aufgeschlagen haben, Niger und Mali, die Mehrheit stellen, bestimmen auch über die Mittel und Möglichkeiten ihrer Herrschaft. Die Schwarzafrikaner mögen die Tuareg, die sie Jahrhunderte lang zu fürchten hatten, nicht und demütigen sie, wann immer sie es können. Hilfe aus dem Ausland, um ihre Lebensverhältnisse zu verbessern, erreicht die Tuareg nicht. Sie werden als Minderheit gesehen, deren Proteste entweder ins Leere laufen oder sogar Anlass zu Unterdrückung geben, weil sie als Revolte aufgefasst werden. Nicht selten ist es in der Vergangenheit zu gewaltsamen Übergriffen gekommen, wenn wieder einmal eine Armeeeinheit ein Flüchtlingslager der Tuareg überfiel.

Der eigentliche Abstieg der Tuareg begann mit den Dürrekatastrophen in den siebziger Jahren. Die Sahara wurde feindlicher, unbewohnbarer als je zuvor. Um das Wenige, das an Nahrung blieb, den Frauen und Kindern und Alten zu lassen, beschlossen die Jungen in die Städte des Auslands zu gehen. Da sie vom Süden nichts zu erwarten hatten, zogen sie in den Norden. Nach Algerien, aber hauptsächlich nach Libyen, wo die meisten in die islamische Legion von Gaddafi eintraten. Die Tuareg, die 1974 aus dem Air und dem Iforas Adrar ins Exil aufbrachen, haben für sich eine neue Kultur geschaffen. Die Tuareg nennen sie Ishomar, abgeleitet vom französischen Wort für Arbeitslose. Fern der Heimat und entwurzelt, gerieten sie auf eine der untersten sozialen Stufen. Ihr Leben, Teshumara genannt, bedeutet den absoluten Bruch mit ihrer Tuareg Vergangenheit.
Die Armut trieb sie ins Exil, wo sie notgedrungen darin einwilligten handwerkliche Berufe zu erlernen. Eine Einengung die eigentlich für Nomaden schwer vorstellbar ist. Sie mussten Fahrer, Mechaniker, Maurer, Elektriker werden. Die reichen Erdölvorkommen Libyens spiegelten ihnen eine Welt des Überflusses vor. Aber fern ihrer Heimat "füllten sich ihre Herzen mit Heimweh, und das Elend lastete weiterhin auf ihnen."
Seitdem ließen sich die Tuareg des Sahel nach und nach in drei Gemeinschaften unterscheiden. Die der absolut verarmten Nomaden, die gefangen blieben in ihrer Not; die der Ishomar, die sich in die Welt begeben hatten und die Stunden ihrer Rückkehr erwarteten; und die der in den Städten lebenden Tuareg.
Es scheint so, als läge über den Tuareg ein Fluch. Was immer sie anpacken, es scheint zum Scheitern verurteilt zu sein. Als die Tuareg versuchten die ökonomische Entwicklung in ihren Gebieten voranzubringen, schöpften die Behörden sogleich Verdacht und reagierten mit offener Feindseligkeit. Der Autoritätsanspruch der Zentralgewalten wacht seit jeher eifersüchtig über ihre Privilegien.
Die Tuareg werden ähnlich unterdrückt wie die Tibeter. Warum gibt es eigentlich keine Kampagne "Free Tuareg!"
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