"Say it with flowers - give her a triffid!" ist eine sarkastische Redewendung, die in die englische Alltagssprache eingegangen ist. Schon dies zeigt die Durchschlagskraft dieses klassischen Science Fiction Romans aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Denn die Triffids stellen sich als mannshohe, heimtückische und gefährliche Pflanzen heraus, die Menschen jagen und töten können. Sie sind der Inbegriff des Bösen im Roman; der Stängel des Bösen, sozusagen. Und laufen können sie auch noch.
*Die Story (I)*
Die bedrohliche Pflanze (eine zunächst nützliche Züchtung des Menschen) ist eines der Elemente, mit der im Roman die Spannung erzeugt wird. Nie erfährt man genau, wie schnell sie denn laufen kann; man weiß nie, ob der Abstand sicher genug ist, wie groß die Gefahr wirklich ist. Sie ist Träger der Botschaft: Die Natur rächt sich, wenn es der Mensch allzu hemmungslos treibt.
*Die Story (II)*
Aber den Roman auf diese Botschaft zu beschränken, greift zu kurz. Es sind die existentiellen Themen, die dem Roman Gewicht geben: Wie verhält sich der Mensch in Ausnahmesituationen? In wie weit sind unsere gesellschaftlichen Normen, auch religiöse Anschauungen, unter veränderten Umweltbedingungen noch gültig oder sinnvoll? Wie verhalten sich Menschen in Ausnahmesituationen, wie vernünftig oder wie emotional? Und müssten die Protagonisten nicht ihr traditionelles Verhalten ändern, jetzt, da sich die Lebensbedingungen geändert haben? Wie können, oder müssen gar, Menschen unter diesen Umständen geführt werden? Die einen warten ergeben auf Hilfe von außen oder von oben, die anderen nehmen ihr Schicksal tatkräftig selbst in die Hand. Es geht um den Schrecken der Einsamkeit, des hilflosen Alleingelassenseins. Es geht auch darum, in einer veränderten Welt weiterzuleben; nach vorne zu schauen statt zurück; einer Vergangenheit nicht nachzutrauern, die ohnehin nie wieder eintreffen wird.
*Mensch und Umwelt*
Es ist ja nicht immer pure Gier, die den Menschen in die Natur eingreifen lässt. Es hat auch mit Rohstoffen zu tun, die er zum Überleben benötigt. Wenn sich dann plötzlich die Voraussetzungen oder die Umweltbedingungen ändern, gibt es Probleme. An der Unfähigkeit, auf schnelle Veränderungen in der Umwelt zu reagieren, sind viele Tier- und Pflanzenarten im Laufe der Evolution gescheitert, da ihr Verhalten instinktiv gesteuert oder genetisch festgelegt ist. Nur der Mensch hat als einziges Geschöpf Verstand entwickelt und damit die Chance, ein solches Problem durch kluges Handeln zu meistern. Einige der Protagonisten des Romans sind auf dem richtigen Weg. Nur, welche?
*Spannung pur*
Das Buch fesselt, es gibt kein Entrinnen. Lediglich hin und wieder lässt es etwas locker, dann schimmert englischer Humor durch, versteckt wie die Triffids zwischen harmlosen Büschen. Allein schon der Name für die Geschöpfe, die auf drei Füßen laufen können! Wissenschaftlich würde man sie wohl Tripoda nennen, also Dreifüßer; Trifeet eben, oder - Triffid. Die merkwürdigen Ungeheuer, die auf drei Wurzelbeinen watscheln, erinnert mich irgendwie an Christian Morgensterns Nasobem: "Auf seinen Nasen schreitet / einher das Nasobem, / von seinem Kind begleitet. / Es steht noch nicht im Brehm."
Ähnlich dem Nasobem haben es auch die "Triffids" zwar nicht in den Brehm, aber ins Volkskulturgut gebracht. Der Klassiker ist heute noch eine Lust zu lesen. Auch wenn man die watschelnden Pflanzen mit einigem Schmunzeln beobachtet (wenig Science, viel Fiction), so berührt uns doch ihre verzweifelte Gefährlichkeit. Und der Roman ist zeitlos, da er existentielle Fragen aufwirft. Fünf Sterne aus vollem Herzen!