Das politische Gehirn des Menschen ist emotional - wir wählen also ungeachtet unserer eigenen Rationalisierungsbestrebungen mehr aus Gefühl als aufgrund von Programmen oder Argumenten. So Thomas Hofers Erklärung dazu, warum die 60:33:7-Regel (Auftreten:Stimme:Argumente) sich immer wieder bewahrheitet. Nicht die Argumente, sondern ihre Aufbereitung und Darbietung überzeugen die Wähler. Das ist kein Geheimwissen, aber so richtig eingestehen will man es sich zumindest in Österreich noch nicht recht. Was dazu geführt hat dass unsere Politiker, wie Hofer feststellt, vergleichsweise noch Amateure im Umgang mit dem für ihren politischen Erfolg so wichtigen Spin sind. Spin, das ist es womit sich der in den USA von renommierten Spin-Doktoren unterrichtete Hofer seit Jahren auseinandergesetzt hat - dem richtigen Dreh, den man einer Botschaft verleihen kann, um die Wähler in seinen Bann zu schlagen.
In DIE TRICKS DER POLITIKER setzt sich Hofer einmal mehr intensiv der Art und Weise auseinander wie Politik in der Alpenrepublik betrieben und kommuniziert wird. Dazu greift Hofer aber auch auf seinen Erfahrungsschatz mit der höchst professionalisierten US-Politik zurück, um aufzuzeigen welche Möglichkeiten den politischen Akteuren offen stünden. Dass eine Professionalisierung des politischen Personals in dieser Hinsicht wünschenswert ist, stellt Hofer bereits früh fest und führt aus, dass Politik so auch attraktiver und durch das geweckte Interesse wieder demokratischer werden könnte. Mit seinem Werk will er zudem den Leuten einen Leitfaden zur Hand geben, um die "Tricks" zu durchschauen und sich nicht ablenken zu lassen. Ein zugegeben etwas widersprüchliches Anliegen. Einerseits will Hofer den Bürgern zeigen wie sie die Täuschungsmanöver durchschauen können, andererseits weiß er sehr wohl dass das wenig ändert, denn der Mensch ist und bleibt in seinen Handlungen emotional motiviert.
Eine Trendwende in der österreichischen Politik ist zwar bereits erkennbar, aber der "Mut zum Teleprompter" hat all seinen Anwendern bis jetzt nur Häme in der Presse eingebracht. Stattdessen wird man oft mit schlecht einstudierten oder heruntergelesenen Reden konfrontiert, die deutlich weniger überzeugend wirken und viel zur negativen Wahrnehmung der österreichischen Politiker beigetragen haben. Dass sich das politischen Spitzenpersonal trotz aller medialen Ächtung dennoch gerne von Spin-Doktoren oder Trainern auf TV-Konfrontationen, Interviews und dergleichen vorbereitet lässt ist unterdessen ein offenes Geheimnis.
Doch nicht bloß im "kleinen Österreich" sondern auch der EU ortet Hofer drastischen Nachholbedarf an professioneller Polit-PR. Will man den europäischen Gedanken mehr in den Köpfen der Bürger verankern, muss man Europa sichtbar machen. Das kann schon gelingen wenn man bei Sportgroßereignissen wie zuletzt den Olympischen Sommerspielen in Peking (wo Österreich eher kläglich abgeschnitten hat) neben den nationalen Medaillenspiegeln auch die EU anführt. Schon würde man erkennen dass die EU-Staaten gemeinsam die Spitzenreiter USA und China vom Feld gefegt hätten. Aber auch die Verleihung kultureller und sportlicher Auszeichnungen durch hochrangige EU-Funktionäre könnten eine Bühne für eine effektive Selbstdarstellung der EU bieten.
So angenehm zu lesen Hofers Ausführungen gerade aufgrund des populärwissenschaftlichen Ansatzes sind, sein Werk hat dann doch ein Problem. Es fehlt die klare Strukturierung. So sollte man gewillt sein das Buch gleich in einem Rutsch durchzulesen, denn die Gliederung lässt einen Einstieg nach Interesse nur begrenzt zu. Darüber kann das Inhaltsverzeichnis auch nicht hinwegtäuschen.
Fazit:
Gut aufbereitet und aufschlussreich für alle politisch Interessierten.