Nachdem ich schon einige hilfreiche Rezensionen zum Film lesen konnte, möchte nun auch ich meinen Senf dazugeben:
Zunächst einmal: Die Bücher sind fantastisch! Allen, die sie noch nicht gelesen haben, kann ich sie wärmstens empfehlen!
Da ich die Bücher schon lange vor der Verfilmung gelesen hatte und mir so meine eigenen Vorstellungen machen konnte, war ich auf die Umsetzung mehr als gespannt. Im Endeffekt kann ich sagen, dass die Charaktere sowie auch die Stimmung sehr gut umgesetzt wurden. Die Schauspieler - insbesondere die hervorragende und auf ganzer Linie überzeugende Jennifer Lawrence - haben im Großen und Ganzen eine tolle Leistung gezeigt und wurden trotz der anfänglichen Skepsis vieler Leser meiner Meinung nach absolut zurecht für die Rollen ausgewählt und konnten Charaktereigenenschaften sowie -züge nahezu perfekt wiedergeben!
Was ich zunächst als Nachteil gesehen habe, war die zwischenzeitige Stille, die sich hauptsächlich zu Beginn des Films bemerkbar machte. Einige jüngere Zuschauer (insbesonder diejenigen, die die Bücher nicht gelesen haben) würden diese Abschnitte wahrscheinlich als "lahm/langweilig" bezeichnen, da sich die situationsunterstreichende und emotionalisierende Hintergrundmusik oft nur sehr dezent und kaum merkbar durch den Film zog. Aber gerade diese Momente machen die ganze Geschichte realer, greifbarer und nahbarer. Man fühlt sich, als wäre man mitten drin, als würde man zuschauen, wie all das wirklich passiert.
Ein weiterer, posiviter Punkt für mich war die inhaltliche Nähe zum Buch. Besonders die sich anbahnende Liebe der beiden Hauptdarsteller wurde nicht vertieft, sie blieb wie auch im Buch eher nebensächlich. Zwar wurden kleinere Handlungsdetails im Film ausgelassen oder verändert, bei denen dies nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, aber jeder Fan der Bücher sollte darüber hinwegsehen können, zumal man von Romanverfilmungen ganz anderes gewohnt ist.
Diese genannten Aspekte sind meiner Ansicht nach auch Gründe dafür, dass diese Verfilmung KEIN "Hollywood-Kommerz" ist, wie ich es schon öfter in einigen Rezensionen zu lesen bekam. Die Möglichkeit der hollywoodtypischen, "überdramatischen" Musik wurde auch in emotionaleren Szenen nicht ausgeschöpft. Außerdem wurde der Film keine Liebesgeschichte, sondern besinnte sich auf die Details, die auch im Buch im Vordergrund standen.
Als negativ empfand ich die inhaltlichen Verständnislücken, die bei Nichtkennern der Bücher hervorgerufen wurden. Ich denke, dass die Leute, die die Bücher nicht kennen, nicht die ganze Geschichte in ihren Einzelheiten verstehen können, ohne dass sie Zusatzinformationen von Buchkennern bekommen. Als ich Kritiken gelesen haben, die dem Film aufgrund falscher Schlüsse Logikfehler vorgeworfen und ihn deshalb negativ rezensiert haben, habe ich mich doch sehr ärgern müssen, dass dadurch wichtige Teile der großartigen Story scheinbar verloren gehen.
Zur fehlenden Brutalität (im Vergleich zu den Büchern) kann ich sagen, dass auch mich das etwas gestört hat und es meines Erachtens auch so ist, dass dieser Aspekt auf Kosten der Deutlichkeit der Botschaft geht, die diese Story womöglich vermitteln möchte. Damit meine ich nicht, dass es mir Freude gemacht hätte mehr Jugendliche zu sehen, die sich gegenseitig brutal töten, sondern dass eine Verharmlosung der Dinge vor allem das bezweckt, dass Leser sowie Zuschauer das Geschehen besser ertragen können.
Es gab und gibt auch heutzutage in ähnlicher Form schreckliche Verbrechen, und so furchtbar das auch ist, das ist nunmal Realität. Dies in einer nicht allzu undenkbaren Zukunftsaussicht zu verharmlosen bringt meines Erachtens bei vielen nicht mehr den gewünschten Effekt. Eine solche Zukunft soll abschrecken und anwidern und nicht sogar zu der Frage verleiten, ob man sich womöglich selbst für eine geliebte Person geopfert hätte, wäre man in einer solchen Situation. Da es in einigen Internetportalen sogar schon Umfragen hierzu gibt, denke ich nicht, dass vielen Jugendlichen wirklich klar und deutlich geworden ist, wie grausam und schonungslos diese Spiele wirklich wären, sondern dass bei einigen sogar eine Art Verlangen hervorgerufen wird, seine Selbstlosigkeit zu demonstrieren, sich zu beweisen.
Jedoch muss man auch bedenken, dass die Hauptleserschaft der Panem-Bücher unter 18 Jahren alt ist und man all denen mit einer anderen Altersfreigabe einen tollen, zum Nachdenken anregenden Film (zunächst) verwehrt hätte. Deshalb würde ich dies nicht negativ in meine Bewertung einfließen lassen.
Als Fazit: Bis auf kleinere Abzüge meinerseits und der Unumgänglichkeit, den Film auf Basis der fantastischen Bücher zu betrachten, gebe ich vier Sterne für eine gelungene und empfehlenswerte Romanverfilmung!