Die Pariserin Uma Carter bekommt kurz nach ihrem dreiunddreißigsten Geburtstag einen Anruf vom Heim Sainte-Rosalie, in welchem ihre Großmutter Elinor Carter lebt. Elinor Carter, gebürtige Amerikanerin, die nach Frankreich, Nevers, auswanderte, ist eine bedeutende Künstlerin, die sich in ihren Arbeiten besonders mit einem Ereignis beschäftigt hat, das im amerikanischen Westen (Wounded Knee) stattfand, als 1890 Indiander von der US-Kavallerie niedergeschossen wurden. Ihre Großmutter, die jahrelang nicht mehr gesprochen hat, will Uma nun plötzlich sehen. Aber die Sprache, in der Elinor spricht und auch was sie sagt, wird von niemandem verstanden, auch von Uma nicht. Auf ihrem Sterbebett flüstert sie ihrer Enkelin immer wieder einen Namen zu: Tashunka Witko.
In den Überbleibseln ihrer Großmutter findet Uma den Namen einer Frau, Pandora S. Bellecourt und dazu eine Adresse in New York. Durch eine Recherche im Internet findet sie heraus, dass Pandora ein aktives Mitglied der American Indian Movement war, sich als Rechtsanwältin für die Indianer eingesetzt hatte und 1990 erschossen wurde. Eine Telefonnummer in Elinors Adressbuch führt Uma zu einem Mann namens Night H. Casadore, der ein Verwandter von Pandora sein soll und der ihr einiges über ihre Großmutter Elinor und Pandora erzählen könnte. Allerdings lebt er in New York. Uma nimmt die Reise auf sich und wird in Amerika mit der Vergangenheit ihrer Vorfahren konfrontiert...
Meine Schwierigkeit bei dem Buch war, dass ich die Handlungen zunächst nicht richtig zusammen bekommen konnte. Denn neben der o.a. Handlung gab es auch noch eine, die von Tashunka Witko oder Crazy Horse, einem indianischen Krieger erzählte. Aufgrund der subjektiven Erzählperspektive (Ich-Form), die in allen Szenen angewandt wurde, vermischten sich die Erzählungen mehr und mehr und manchmal wusste ich nicht genau, welche Figur etwas erzählte. Auch hatte ich zu Beginn des Buches mitbekommen, dass es sich bei der Protagonistin um eine Frau handelt, die dann aber plötzlich so unweiblich war, dass ich wieder ein paar Seiten zurückschlagen musste, um zu schauen, ob ich es hier nun mit einem Mann oder einer Frau zu tun hatte. Dies alles war, wie ich erst zum Schluß des Buches feststellte, als sich alles plötzlich wie bei einem Puzzle zusammenfand, ein sehr geschickter verbaler Schachzug der Autorin. Und so muss man das Buch wohl noch ein zweites Mal lesen, um all die kleinen versteckten Andeutungen zu verstehen. Zudem hat die Autorin eine schöne poetische Ausdrucksweise, so dass einem eine intime Szene zwischen Uma und Night fast den Atem raubte.