Auch mit diesem Buch hat Nora Roberts den gewohnten professionellen Job beim Schreiben einer Liebesgeschichte erledigt, jedoch hat sie mit vielen anderen Büchern bewiesen, dass sie es wesentlich besser kann. Leider hatte ich in einem Anfall von Nora-Roberts-Nostalgie versäumt, die zahlreich vorhandenen, negativen Rezensionen aus der Vergangenheit zu lesen und bin mit dem Kauf prompt reingefallen.
Es ist das altbekannte Prozedere: die beiden Hauptprotagonisten treffen sich, verfallen augenblicklich einer unerklärlichen Anziehungskraft, wehren sich ein bisschen dagegen (der eine mehr - der andere weniger) und steuern dann auf die unvermeidliche Heirat zu. Das war zu erwarten bei dem Genre und der Autorin. Noch dazu handelt es sich um eine ältere, wiederaufgelegte Geschichte aus den Achtzigern.
Normalerweise habe ich nichts gegen alte Romanzen einer von mir geschätzten Autorin, wie Nora Roberts und lese diese gelegentlich gern mal. In diesem Fall aber muss ich feststellen, dass ich mehr erwartet hätte. Die Story hätte eigentlich interessant sein können, wurde aber durch extrem zickiges und widerspenstiges Verhalten der Hauptprotagonistin verdorben. Die Liebesgeschichte war öde und uninteressant.
Kurze Szeneneinblendung: wir sind in L. A., Hollywood. Ein Dokumentarfilm über übersinnliche Phänomene soll gedreht werden. Eine wichtige Hauptdarstellerin soll Clarissa DeBasse (eine hellsichtig Begabte) sein. Der Filmproduzent (David Brady) trifft auf die Künstleragentin von Clarissa (Aurora oder auch A. J. Fields), die zufälligerweise auch noch die Tochter von Clarissa ist und die Hellsichtigkeit von ihr geerbt hat. Sie setzt jedoch alles daran, diese Begabung zu verheimlichen, zu verleugnen und auszublenden, weil sie um jeden Preis "normal" sein will. Außerdem vermeidet sie auch jegliche Nähe zu anderen Menschen und Gefühle für sie, um nicht verletzt und enttäuscht zu werden (weil man sie für merkwürdig halten könnte, denn starke Gefühle verstärken auch ihre Veranlagung). Nach außen markiert sie die coole, tüchtige, durch nichts zu erschütternde und in jeder Hinsicht rationale Geschäftsfrau.
Genau in dieser Manier tritt sie während der gesamten Handlung David gegenüber auf, obwohl von Anfang an klar ist, was zwischen den Beiden läuft und dass sie ihn längst liebt. Es läuft darauf hinaus, dass er ihr ständig hinterher läuft, um sie buhlt, sie zu erobern versucht, sie sogar versteht und ihr Verhalten in gewisser Weise toleriert, während sie ihm ausweicht, davonläuft, gegen ihn kämpft (alles andere als rational) und durch ihr trotziges, bockiges, kindisches Verhalten jeden Leser in den Wahnsinn treibt. Es wirkt auf Dauer übertrieben, unsympathisch und nervt einfach nur. Man fragt sich dann immer, was der männliche Part an dieser Person eigentlich so unwiderstehlich findet (oder ob doch nur das Klischee des männlichen Jagd- und Eroberungstriebs bedient wird). Die Geschichte kommt nie so richtig in Gang.
Kurz und gut: obwohl ich die Autorin normalerweise gern lese, zählt dieses Buch für meinen Geschmack eher zu den deutlich weniger gelungenen Werken und man muss es auch als Nora-Roberts-Fan nicht unbedingt gelesen haben. Im Gegenteil - man sollte es sich ersparen und das Geld besser woanders investieren.