Die Transformation des Humanen war schon immer ein Thema: mit technischen Mitteln erst in der Science Fiction, dann aus naturwissenschaftlicher Perspektive. So geschehen - in scharfer Abgrenzung von nazistischen Ideologien, später aber selbst als Technokratie kritisiert - in der Kybernetik. Diese Wissenschaft von der Funktion komplexer Systeme, insbesondere der Kommunikation und Steuerung rückgekoppelter Regelkreise, blieb nicht auf technische Kontexte beschränkt, sondern wurde - teils nur metaphorisch - auf viele andere Gebiete ausgeweitet, einschließlich psychologischer und soziologischer.
Eine "Kulturgeschichte der Kybernetik" im Hinblick auf das Menschenbild (und im weiteren auf die Geistes- und Sozialwissenschaften, Philosophie, Ästhetik, Ökonomie und Pädagogik) beschreiben die Beiträge in dem von Michael Hagner von der ETH Zürich und Erich Hörl von der Universität Bochum herausgegebenen Sammelband. Auch wenn inzwischen die Kybernetik nicht mehr sonderlich bekannt ist, haben viele dieser Ideen noch immer eine Bedeutung und Wirkung, diese Kulturgeschichte ist also keineswegs abgeschlossen oder bloß rückwärtsgewandt zu lesen.