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Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924
 
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Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der russischen Revolution 1891 bis 1924 [Taschenbuch]

Orlando Figes
4.1 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (14 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Einfühlsam verbindet Figes die öffentliche Sphäre der großen Politik und die privaten Überzeugungen der Beteiligten zu einer fesselnden Erzählung, in der die Revolution als menschliche Tragödie begriffen wird. Ein meisterhaftes Panorama der russischen Revolutionsära 1891-1924, in dem unzählige Stimmen von Zeitgenossen in Tagebüchern, Briefen und persönlichen Aufzeichnungen zu Wort kommen.

Über den Autor

Orlando Figes lehrt Geschichte am Birkbeck College in London. Über sein preisge - kröntes Standardwerk Die Tragödie eines Volkes (1998) schrieb der große Historiker Eric Hobsbawm, es werde mehr zum Verständnis der russischen Revolution bei - tragen als irgendein anderes Buch, das ich kenne . Auch sein Buch Nataschas Tanz. Eine Kulturgeschichte Russlands (2003) erhielt zahlreiche hervorragende Besprechungen. Beide Bücher sind im Berlin Verlag erschienen.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sehr detailierte Übersicht 21. November 2010
Format:Taschenbuch
Orlando Figes ist mit "Die Tragödie eines Volkes" durchaus eine detailreiche und vor allem vielschichtige Darstellung der revolutionären Entwicklungen im Russland der Jahre 1891 bis 1924 gelungen. Durch die zahlreichen Originaldokumente (Briefe, Tagebucheinträge etc.)schafft es Figes, die schwierige Thematik gut zu veranschaulichen. Dadurch, dass Figes die "Epoche der russischen Revolution" 1891 beginnen lässt, kommt ein tieferes Verständnis für die gesellschaftliche und soziale Situation in Russlands langem 19. Jahrhundert zustande. Diese "Vorgeschichte" ist, durch den zu engen zeitlichen Rahmen anderer Werke zur russischen Revolution, eine lobenswerte und sinnvolle Erweiterung dieser Epoche.
Sehr gut und verständlich werden die verschiedenen Ursachen und Entwicklungen, die zum sowjetischen Umsturz und zum folgenden Bürgerkrieg führten, beschrieben und auf die verschiedenen beteiligten Parteien eingegangen.

Schade ist bei diesem interessanten und informativen Werk, dass der Autor seine Abneigung zum Marxismus nicht verhüllt und die Schilderungen einen dementsprechenden Einschlag erhalten haben. Vor allem die Darstellung Lenins ist extrem negativ und grenzt teilweise schon an Verachtung. Auch wird die Persönlichkeit Nikolaus II. deutlich zu negativ beschrieben. Für den interessierten Laien ist zudem die unglaubliche Detailfülle vielleicht schon wieder zu groß. Zudem neigt Figes teilweise zur Langatmigkeit in seinen Ausführungen, was den Lesefluss an manchen Stellen doch erheblich beeinträchtigt.

Fazit:

Trotz der teilweise zähen Beschreibungen und der (deutlichen)antimarxistischen Perspektive, hebt sich "Die Tragödie eines Volkes" positiv von ähnlichen Werken ab. Der Detailreichtum, die Beschreibung persönlicher Schicksale und vor allem die hervorragende Darstellung der komplexen Ursachen, Motive und Entwicklungen in den verschiedenen Bevölkerungsschichten machen das Buch von Orlando Figes zu einer gelungen Übersicht von über drei Jahrzehnten russicher Geschichte in Hinblick auf die Revolutionen.

(Das Buch an sich würde ich mit 3 Sternen bewerten, aber durch den günstigen Preis erhält es einen 4. Stern dazu.)
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19 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Tristram Shandy TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Taschenbuch
Der britische Historiker Orlando Figes zeigt mit seiner Monumentalmonographie "Die Tragödie eines Volkes", die 1996 erschien und zwei Jahre später ins Deutsche übersetzt wurde, wie Historiker aus dem angelsächsischen Sprachraum es zumeist schaffen, Geschichte auf eine fesselnde Art und Weise zu erzählen, ohne dabei den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit aufzugeben.

Figes ist Professor für Geschichte am Birkbeck College in London und gilt als ausgewiesene Koryphäe auf dem Gebiet der modernen russischen Geschichte. Sein erstes Werk "Peasant War, Civil War" von 1989 eröffnet den Reigen seiner Darstellungen über die Russische Revolution, und seine letzte Monographie "Die Flüsterer" aus dem Jahre 2007 befasst sich mit dem Terror in der Sowjetunion unter der Knute Stalins.

In "Die Tragödie eines Volkes" widmet sich Figes der Epoche der russischen Revolution, und er tut dies in einer dichten und dennoch flüssig geschriebenen Darstellung, die den Leser sofort in seinen Bann schlägt. Figes beginnt sein Buch mit einer Darstellung der vorrevolutionären Zustände im zaristischen Russland ab dem Jahr 1891, wobei er eingehend auf die Mechanismen der autokratischen Zarenherrschaft eingeht, deren Grundfesten schon vor der Bauernbefreiung Ende des 19. Jahrhunderts und dem Aufkommen von Anarchismus und Terrorismus zu bröckeln begangen. Auch die Instrumentalisierung panslawistischer Allmachtsphantasien und des Antisemitismus - von 1911 bis 1913 etwa zog sich in Kischinjow die sog. Bejlis-Affäre hin, in deren Verlauf ein Jude des Ritualmords beschuldigt wurde - zugunsten der Zarenherrschaft werden in diesem Zusammenhang beleuchtet. Figes wirft auch einen Blick auf die bäuerliche Gesellschaft des vorwiegend agrarisch geprägten Riesenreichs und entlarvt die Barbarei der dort herrschenden Verhältnisse.

Ausgehend von dieser umfangreichen Strukturanalyse erzählt er im folgenden die Geschichte erster Demokratisierungsbestrebungen, die allerdings recht schnell im Sande verliefen, bevor dann mit dem Ersten Weltkrieg die Weichen für die beiden Revolutionen des Jahres 1917 gelegt wurden - wobei die sogenannte Oktoberrevolution freilich nichts weiter als ein von Trotzki und Lenin orchestrierter Putsch war. Eindrucksvoll lässt Figes die dramatischen Ereignisse vor allem im Petrograd jener Tage wiederauferstehen und schafft es auch, einen sehr guten Eindruck von den Parteiungen und Richtungsstreitigkeiten innerhalb der revolutionären Bewegung zu vermitteln. Darüber hinaus zeichnet er mit gewandter Feder die Porträts sowohl maßgeblicher Handlungsträger als auch eher unbekannter Zeitgenossen. Über Lenin heißt es beispielsweise: "Er lebte und kleidete sich wie ein Provinzbeamter mittleren Alters, mit exakt festgelegten Zeiten für Mahlzeiten, Schlaf, Arbeit und Muße, hielt auf Sauberkeit und Ordnung und war pedantisch bei seinen Finanzen, notierte auf Zettel alles, was er für Essen, Bahnfahrten, Schreibmaterial usw. ausgab. Jeden Morgen räumte er seinen Schreibtisch auf. Seine Bücher standen alphabetisch geordnet. Er nähte Knöpfe an seinem Nadelstreifenanzug an, entfernte Flecken darauf mit Benzin und hielt sein Fahrrad penibel sauber." (S.415) Warum ist das so wenig überraschend?

Auch der stille Kampf des russischen Schriftstellers Gorkij gegen die zunehmende Unmenschlichkeit, die von der Politik ins Alltagsleben getragen wurde, erfährt durch Figes' Darstellung eine angemessene Würdigung.

Figes unternimmt es darüber hinaus, die Wirren des Bürgerkrieges, der von 1918 bis 1920 das Land verheerte und unzählige Menschenleben forderte, gekonnt nachzuerzählen - allein das schon eine Aufgabe, vor der nicht wenige Historiker sich in allgemeine Darstellungen flüchten würden. Der Verfasser lässt seine Geschichte im Jahre 1924, dem Todesjahr Lenins, enden, wobei er allerdings noch einen kurzen Ausblick gibt, indem er verfolgt, wie die Lebensläufe einiger der Personen, die der Leser im Laufe der Darstellung kennengelernt hat, enden.

Es gibt sicherlich einige Leser, die sich von dem Umfang des Werkes abschrecken lassen, doch meiner Meinung nach spricht nichts gegen ein fast tausendseitiges Werk, wenn es nur gut geschrieben ist - und dies ist hier eindeutig der Fall. Figes versteht es, Narrativität und den Blick auf Strukturen und Hintergründe meisterhaft miteinander zu verbinden, so dass die Darstellung nicht in Vereinfachungen oder Einseitigkeiten abgleitet, sondern durchweg wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Umfangreiches Karten- und Bildmaterial rundet die Darstellung ab, indem es dem Leser beispielsweise hilft, die Vorgänge in Petrograd topographisch nachzuvollziehen.

"Die Tragödie eines Volkes" kann den Leser nicht kalt lassen, denn die Schicksale und Lebensläufe, die vorgestellt werden, bewegen. Ohne hier in moralingetränkten Betrachtungen versumpfen zu wollen, wage ich die Frage zu stellen, inwieweit es wirklich sinnvoll ist, menschliche Ungerechtigkeit und menschliches Leid systematisch auf dem Weg über gesellschaftliche Umwälzungen oder eine Neudefinierung des Menschen lösen zu wollen. Die Sowjetunion jedenfalls ist ein bedeutendes Beispiel des Scheiterns solcher Bestrebungen, und all jene, die - auch heute - dafür sind, persönliche Freiheiten einzuschränken, um mehr Sicherheit, mehr Gesundheit und mehr Gemeinschaftsgefühl zu erhalten, sollten überlegen, wo sie die Grenzen von Erziehung gesetzt wissen wollen.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Orlando Figes Darstellung der "Tragödie eines Volkes", Werden und Geschichte der russischen Revolution in der Zeit von 1891 bis 1924, ist von so überwältigender Dimension, daß sie den Leser, allein durch erste Ansicht des Werkes, vor die respektgebietende Aufgabe stellt, sich mit dem Autor zusammen, gewissermaßen interdependent, auf eine Reise über annähernd 1000 engbedruckte Seiten, auf teilweise mehrfach ineinander verwobenen Pfaden, durch die dramatischste Epoche in der jüngeren Geschichte Russlands zu begeben.

Es ist nicht leicht, sich in das Buch zunächst einzulesen, sich an das gedrängte Schriftbild zu gewöhnen, das wie atemlos daherkommt, aber der Leser wird immer wieder durch den Autor buchstäblich vorangetrieben, indem beispielsweise schnell Perspektiven gewechselt werden, durch die die unabänderlichen, aber eintönigen Aufzählungen von Namen, Daten, Textstellen etc., im Kontext jeweils abtauchen, um teilweise schriftstellerisch hinreißenden Bildern Platz zu machen. Das fortdauernde Interesse des Lesers wird durch immer wieder neue Spannungsbögen so, mit feinem Gespür durch den Autor, der sich hier als kompetenter Leserpsychologe erweist, bildlich gesprochen nachhaltig "auf dem Laufenden" gehalten.

Orlando Figes Buch ist sowohl von mitreißender wissenschaftlicher wie schriftstellerischer Qualität, weil es dem Autor anscheinend mühelos gelingt, beiden Anforderungen, der des Historikers und Wissenschaftlers, wie der des interessierten Laien mit Informationsbedürfnis über eines der größten und in seiner Konsequenz unheilvollsten Geschehnisse der jüngeren Weltgeschichte, bis in die Gegenwart hinein, Rechnung zu tragen. Während sich der dichte Text teilweise spannend wie ein Krimi liest, weist der üppige Anhang (Glossar; 26 Seiten Orts-, Personen- und Stichwortregister; 36 Seiten Anmerkungen zu Stellen im Text; 27 Seiten Bibliographie) das Buch in der Summe seiner Bedeutung fast als Nachschlagewerk zu Fragen der russischen Revolution für alle Zukunft aus.

Bei der Einordnung und Wertung der Ereignisse, die zur Revolution in Russland 1917 geführt haben und bei der historisch-wissenschaftlichen Betrachtung der Revolution selbst geht der Autor mit konsequentester Unparteiischkeit vor, scheut sich aber ebenfalls nicht, die Dinge gegebenenfalls beim Namen zu nennen. Was das Buch, über alle Qualitätsnormierung hinaus, so sympathisch, lesbar und auch bewundernswert macht, ist die Tatsache, daß es des Autors Hauptanliegen war, die dramatischen Ereignisse der Jahre von 1891 bis 1924 als "einen historischen Prozeß" (darzustellen), "der sich aus individuellen Tragödien zusammensetzt". Die Revolution war, wie Figes in seinem Vorwort ausführt: "im großen und ganzen eine Geschichte von Menschen,.....die mit hohen Idealen ausgezogen waren, um hehre Ziele zu erreichen und dann feststellen mußten, daß das Ergebnis ganz anders aussah". Dieser Ansatz allein schon machte das Buch so überaus lesenswert, so daß man die Mühe nicht scheuen sollte, es sich zu erarbeiten.

In der Summe verwundert es nicht im geringsten, daß es für den Autor nach eigenen Worten über sechs Jahre gedauert hat, seinen Lesern dieses Monumentalwerk, das geeignet ist, viele Mißverständnisse und Falschdeutungen in Zusammenhang mit der Revolution in Russland zu Beginn des 20. Jhrdts. aufzudecken und ad acta zu legen, zugänglich zu machen.
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vorzüglich
Das Buch trifft genau die Vorstellungen, die ich davon erwartet habe. Es eignet sich gut als Nachschlagewerk für historische Arbeiten über Russland.
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Orlando Figes
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