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Moviemans Kommentar zur DVD: Sehr ordentliche Technik und sinnvolle Extras: Feine Disc.
Bild: Sehr natürliche Farben und ein prachtvoller Kontrast beleben das Bild, das sich ansonsten stabil und recht rauscharm zeigt. Die Schärfe ist durchaus solide, in den Feinheiten aber - auch wegen sehr leichter Konturenschatten (00.45.50, Gesichter) - nicht ganz optimal. Sie entwickelt, aber eine gute Detailabbildung. Bei dem grandiosen Kontrast aber eine hübsche Gesamt-Optik.
Ton: Eine hochwertige 5.1-Mischung in beiden Sprachfassungen. Die direktionale Abbildung des Sound ist recht griffig und liefert etwa hautnah Klänge von den Demonstrationsszenen (00.06.59), auch die französischen Polizeisirenen klingen eindrücklich und handfest. Ein ganz klein wenig mehr Dynamik wäre noch vorstellbar und eine kleine Intensivierung der Feinzeichnug auch. Insgesamt aber absolut überzeugend und auch mit guter Stimmzeichnung gesegnet. Der Stereo-Sound ist in seinen Grenzen sehr sauber.
Extras: Formal ist alles enthalten, was man sich wünscht. Der Trailer ist bravourös geschnitten, der Regiekommentar ist ein Fest für alle Freunde der Nouvelle Vague, denn Bertulucci kannte sie alle - von Truffaut bis Godard. --movieman.de
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Blickpunkt: Film
Schon mit 'Der letzte Tango in Paris' drehte Bernardo Bertolucci in seiner Lieblingsstadt und schockierte 1972 mit dem Bekenntnis zur reinen Körperlichkeit ohne große Gefühle. Auch in 'Die Träumer' geht es um Nacktheit von Seele und Körper, aber in einem ganz anderen Kontext. Der junge Amerikaner Matthew und das französisches Geschwisterpaar Theo und Isabelle treffen sich im Frühjahr 1968 bei einer Protestaktion gegen die Entlassung des Leiters der Cinemathèque, Henri Langlois. Die Filmfreaks, wie man sie heute nennen würde, stehen im wahrsten Sinne auf der Straße. Da die Eltern der Zwillinge in Urlaub fahren, zieht Matthew in die großbürgerliche Wohnung am Saint Germain, Auftakt zur Verstrickung in ein Geflecht aus Macht und Emotionen. Immer mehr schließt sich das Trio von der Außenwelt ab, lotet eigene Grenzen aus, lebt bedingungslos den eigenen Traum aus. Sie spielen Filmszenen nach und denken sich ein Ratequiz aus, falschen Antworten folgt die Strafe. So muss Theo einmal vor den Augen der beiden anderen onanieren, Matthew und Isabelle vor ihm zusammen schlafen. Der bodenständige, aber naive Matthew gerät sukzessive in den dunklen Sog des inzestuösen Paares, seine Zuneigung zur verführerischen Isabelle stört das fragile Gleichgewicht. Während draußen Studenten und Arbeiter auf die Straße gehen, demütigen sie einander, kosten sexuelle Freiheiten aus. Erst ein von Demonstranten durchs Fenster geworfene Stein holt sie abrupt in die Wirklichkeit zurück. Im Straßenkampf finden sie einen neuen Spielplatz.
Frei nach Gilbert Adairs Roman 'Träumer' vermittelt Bertolucci den Geist von '68, liefert aber keine verklärende Rekonstruktion. Bei dem sehr ästhetisierend dargestellten sexuellen Aufbruch verzichtet er auf die Radikalität dieser Umbruchszeit. Das Private ist hier nur begrenzt politisch, auch wenn sich das harmlose Spiel um Lust und Begierde zum gefährlichen Austesten von Tabus und Moral wandelt.
'Die Träumer' ist eine Reminiszens an eine Epoche, in der das Unmögliche möglich schien und entbehrt nicht autobiografischer Bezüge. So wendet sich Theo aggressiv gegen seinen Vater, wohl nicht zufällig Schriftsteller wie Bertoluccis Erzeuger. Fast nostalgisch fokussiert sich der Blick auf das Kino und die ernsthaft geführten Diskussionen über die Komik Chaplins und Keatons oder die Interpretation von Godards Ansichten über Nicholas Ray. Flucht in die Scheinwelt des Kinos als Surrogat der Realität. Melancholie schwingt mit in diesem Rückblick, wo Charles Trenet immer wieder von Liebe und Jugend singt und die Frage stellt, was davon bleibt. Das leise Adieu, der Abgesang auf nicht gelebte Utopien wird zur delikaten Liebeserklärung an das Kino und die Jugend. Für Cineasten ein Sahneschnittchen ist die Menge seltener Filmausschnitte und der Spurt des Trios durch den Louvre, das dabei den Filmrekord von 'Die Außenseiterbande' bricht oder Isabelles Selbstmordversuch à la Bressons 'Mouchette' sollten allein durch den Erkennungswert Vergnügen bereiten. Wenn sich das Trio am Ende in den militante Parolen skandierenden Zug der Protestierenden einreiht, Infantilität und Unschuld abstreift wie eine alte, rissige Haut, den Sprung zum Erwachsenwerden wagt und Edith Piafs 'Non, je ne regrette rien' Bilder brennender Barrikaden begleitet, dann trifft Bertolucci nicht nur Revolutionsromantiker mitten ins Herz. mk.
Blickpunkt: Film Kurzinfo
Kurzbeschreibung
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Auch Theo und seine Zwillingsschwester Isabelle sind erbost. Gemeinsam mit dem schüchternen Amerikaner Matthew, der das bourgeoise und blasierte Pärchen verehrt, stehen sie vor den geschlossenen Türen ihres Kino-Paradieses. Am nächsten Tag lassen sich Theo und Isabelle etwas einfallen: Warum nicht wie in Jean-Luc Godards "Die Aussenseiterbande" durch den Louvre stürmen und einen neuen Rekord aufstellen? Sie überzeugen den zögernden Matthew und rennen los - vorbei an Touristengruppen, Museumswächtern und Meisterwerken und schaffen es, den Filmrekord um fünfzehn Sekunden zu unterbieten. Ein klitzekleines Stück subversive Freiheit!
Da die Cinémathèque noch geschlossen ist und die Demonstrationen sie nur wenig interessieren, lädt das Geschwisterpaar Matthew ein, bei ihnen zu Hause zu essen. Dort zeigt sich die Mutter nicht gerade begeistert, stellt aber doch ein zusätzliches Gedeck auf, der Papa, ein liberaler Literat, erklärt dem Gast in einem Monolog das "philosophische Haberland". Der findet es einfach toll, in einer französischen Familie eingeladen zu sein und lehnt