Die Tränen des Herkules - ein fesselnder Roman, bei dem man sich oft genug erwischt, wie man bereits einen kurzen Blick auf den Abschnitt weiter unten, bzw. auf die gegenüberliegende Seite wirft, um natürlich nur gaaaanz kurz zu sehen, wie sich die spannende Situation auflösen könnte, um dann in aller Ruhe weiterlesen zu können..... - was ich damit sagen möchte? Wolf S. Dietrich versteht es Spannung aufzubauen und macht es einem wirklich schwer das Buch zu unterbrechen....
Der kleine Ganove Rascher stolpert per Zufall über diverse Kunstwerke, deren Untergang in den Wirren des Zweiten Weltkrieges bisher für die Fachwelt feststand. Rückblenden in die letzten Kriegsjahre Kassels verdeutlichen welche "Schwierigkeiten" diese Kunstwerke bereits Jahrzehnte zuvor Menschen bereiteten, die sich um deren gefährliche Rettung bemühten, obwohl um sie herum die Welt in Trümmern versank und es sich um sog. "Entartete Kunst" handelte....
Der etwas naiv wirkende Rascher kann den Wert seiner Fundstücke selbst nicht ermessen und bezieht einen ortsansässigen Kunsthändler in sein "Geheimnis" ein.
Die Entscheidung Raschers, die Kunstwerke zu Geld machen zu wollen, erweist sich nicht nur als schwer umsetzbar, sondern als zunehmend (lebens-)gefährlich. Das erste Mordopfer lässt nicht lange auf sich warten und somit betritt Hauptkommissarin Hanna Wolf mit ihrem jüngeren Mitarbeiter Florian Stöber die Bühne.....
Mit Hanna Wolf hat der Autor eine Hauptkommissarin erschaffen, die einem hoffentlich noch viele Kriminalfälle mit Kasseler Lokalkolorit präsentieren wird. Hanna Wolf ist nicht nur Ermittlerin - sie ist auch alleinerziehende Mutter einer studierenden Tochter und Frau mit diversen Ex-Freunden, bzw. einem Ex-Mann in hilfreichen, jedoch auch in Bezug auf ihren Beruf manchmal "nervenden" Positionen.... - Hannas Gewichtsprobleme (Typisch Frau? *Smile) halten in die Geschichte ebenso Einzug wie modische Detailfragen - an einer Stelle musste ich mich doch glatt mit einem Blick auf den Umschlag des Buches versichern, dass der Autor keine Frau, sondern ein Mann ist - und an genau dieser Stelle durfte ich mich wundern über die Beobachtungsgabe, in Bezug auf weibliche Verhaltensmuster, welche dem Autor mit auf den Weg gegeben zu sein scheint?! Oder waren es an dieser Stelle nur die guten Ratschläge der Ehefrau des Autoren? Egal ! ;-)
War mir z.B. Kassel bisher nur als Haltepunkt auf der ICE Strecke in Richtung Norden bekannt, bzw. Etappenziel entlang der Autobahn, hat Wolf S. Dietrich mit diesem Buch auch Werbung für Kassel gemacht - Kassel wird somit sicherlich in absehbarer Zeit nicht nur "passiert", sondern auch "besucht" werden....
Und noch etwas - auch wenn es sich hier um einen Kriminalroman mit lokalem Bezug handelt - selbst als Ortsunkundiger bleibt der interessierte Leser nicht auf der Strecke - weil sich der Autor u.a. nicht in "Beschreibungsorgien" verliert, die nur noch von gebürtigen Hessen nachvollzogen werden könnten!