Die Kritiken zu diesem Mittelalter - Pathologen - Krimi sind ja sehr kontrovers und ich war mir auch lange unsicher, wie viele Sterne mir das buch wert sein darf, denn obwohl es mir unterhaltsame und spannende Lesestunden beschert hat, habe ich doch auch immer wieder den Kopf geschüttelt. Um mit dem Negativen zu beginnen: Die Geschichte mag einen wahren Kern haben und es mag wirklich anno domini 1171 (!) weibliche Medizinerinnen gegeben haben, die Obduktionen ausführten, ohne sich auf dem Scheiterhaufen wiederzufinden, aber die enge Verwandtschaft der kühnen Adelia zu Tempe Brennan und Kay Scarpetta und wie die anderen TV - Pathologinnen alle heißen, ist doch gar zu krass. Da soll man allen Ernstes glauben, dass die Gute sich im frühen Mittelalter mit Gazemaske und Augenschutz bewehrt an eine Kinderleiche macht, ihre Beobachtungen aufzeichnet bzw diktiert und auswertet? Das liest sich so absurd und gewollt modern , dass ich teilweise damit gerechnet habe, dass sie jetzt gleich eine DNA -Analyse macht oder schnell ein mobiles Röntgengerät zückt. Oder mit einem mittelalterlichen Handy telefoniert , wie Grautvornix bei Asterix und seinen Galliern.
Und diese Frau ist frech! Wahnsinn! Was die sich traut!!!! ! 1171!!!! In England! Als Italienerin!!!!! Verlangt nach Salat wie eine Sex and the City - Zicke!!! Irre! Fehlt nur noch der grüne Tee und der Low-fat-nocoff-grande- latte....Grins.
Dann die Sache mit den Kindern. Getötete Kinder waren gewiß zu allen Zeiten schlimm. Aber einfache Leute im mittelalterlichen Cambridge - bitte vergebt mir! - waren an den plötzlichen, teilweise gewaltsamen Tod von Kindern , so grausam das klingen mag, auf einen andere Art und Weise gewohnt als wir das heute sein mögen. Das gigantische Echo, das der Tod dreier Kinder, alle nicht von hohem Stande, in der Bevölkerung ausgelöst haben soll, passt eher in die moderne Zeit als ins finstere Mittelalter, wo der Herr eben gab und wieder nahm.
Von diesen Ungenauigkeiten abgesehen ist der Krimi kurzweilig, spannend und ausgesprochen gut erzählt. Der Schreibstil ist ausgesprochen anschaulich, wenn auch die Sprache zu salopp sein mag, die Figuren werden liebevoll und sorgfältig gezeichnet, nichts an ihnen ist platt oder eindimensional ( bis auf den ekligen Roger aus Acton!) und ihnen durch die Geschichte zu folgen macht Spaß. Es werden falsche Fährten gelegt und nichts deutet zu früh auf den Ausgang der Geschichte hin, das sind die Pluspunkte dieses Buches, die seine Schwächen nahezu aufwiegen.
Daher ein speziell für den Strand durchaus zu empfehlendes, nicht übermäßig anspruchsvolles aber auch nicht reißerisches Buch, für Fans mittelalterlicher Krimis und starker Frauen