Triest ist eine anmutig verschlafene Hafenstadt an der Adria; früher einmal Österreich, heute Italien. Und Proteo Laurenti, der Komissar, kommt aus Süditalien - ist also völlig ahnungslos, was die Vergangenheiten dieser Region betrifft: dieses komplizierte Gemisch von Stadt und Land, Fisch und Fleisch, Gebirge und Strand, von Österreich, Italien und Slowenien, von Österreichern, Juden, Slowenen, Italienern, von Kommunisten, Faschisten und demokratischen Patrioten...
Das alles könnte ihm auch egal sein, wäre da nicht dieser grauenhafte Mord an einem alten Fischer, der gekreuzigt wurde und mit einer Harpune erstochen: so etwas kam hier früher vor, kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Und jetzt ist es wieder da.
- Inmitten dieser harmlosen, leicht parfümierten Modekrimis aus allen Regionen der Welt (und besonders aus Italien) fällt Heinichens zweiter Roman aus Triest besonders angenehm auf: Er ist historisch genau recherchiert, in jedem Detail präzise, aufs angenehmste politisch informiert und engagiert. Scampi und Weißwein kommen nur am Rande vor, gerade so viel, daß die Atmosphäre dicht und genußvoll ist.
Auf packende Weise erfährt man sehr viel über diese Region, aber der Autor wird niemals pedantisch belehrend. Dazu ist er wahrscheinlich selbst zu sehr gefangen von seiner Geschichte - und man selbst ist es auch.