ich hab die hosen jetzt schon so oft live gesehen, und noch nie war ein konzert weniger als: besonders.
das gilt umso mehr dann, wenn die situation eigentlich ungünstig ist. vor ein paar jahren sahen sie sich in salzburg beim frequency einem an ihnen weitestgehend desinteressierten sportfreunde-stiller-publikum gegenüber. als nicht einmal "hier kommt alex" funktioniert hat, habe ich fix damit gerechnet, dass sie aufgeben und den gig halt routiniert runterspielen. stattdessen haben sie dermaßen um die leute gekämpft, dass das konzert am ende ein einziges, großes volksfest war.
ähnlich diesmal bei rock am ring, an sich ja das sehr große zweite wohnzimmer der gruppe. campino bricht sich vorher den fuß, weil er aus ärger über die niederlage liverpools in der champions league auf einen unschuldigen mistkübel eingetreten hat.
einen campino mit gipshaxen kann man sich auf der bühne kaum vorstellen, dabei sieht man hier, wie leicht das geht: campino mit gipshaxen ist wie campino ohne gipshaxen, nur noch wilder. anfangs noch mit krücke tobt er dermaßen herum, dass ihm der arzt den autschi-knochen nachher vermutlich neu verlöten musste.
und natürlich ist ein gebrochener fuß für campino kein grund, auf seine lieblingsturnübungen zu verzichten. 1) aufs bühnendach klettern und dort ein bengalisches feuer abbrennen und dabei singen (was diesmal wirklich beängstigend gefährlich aussieht); 2) sich von den leuten zum mischpult und zurück tragen zu lassen (was diesmal fast nicht klappt - die menge ist zu begeistert).
die show ist also unglaublich mitreißend, die songauswahl passt, sogar neue stücke sind schon drauf. hübsch ist der kurze rückblicks-block aufs burgtheater-unplugged. selbstparodie geht sich natürlich auch aus (vom am mikro, kuddel am schlagzeug, campino an der gitarre). wirklich zum schieflachen ist campinos trompetensolo bei der jazzversion von "bommerlunder".
wie schon bei der ersten rock-am-ring-dvd singt campino vor lauter einsatz und begeisterung teilweise heftig schräg, wie so oft bei großkonzerten spielen die hosen nicht sonderlich exakt - und wie immer bei ihnen ist das vollkommen egal.
das macht die hosen ja so großartig und sympathisch und wichtig: sie beweisen, dass gute musik nichts mit perfektion zu tun haben muss. musik ist mehr als die summe der gespielten instrumente oder die summe der fähigkeiten der bandmitglieder.