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Vordergründig (inhaltlich) passiert nicht viel: Gabriel nimmt (mit seiner Frau Gretta) an einem jährlichen Weihnachtsessen von Verwandten und Freunden teil, danach fährt er mit einer Kutsche ins Hotel, wo ihm seine Frau erzählt, dass sie vor ihm schon einmal einen Jungen - Michael Furey - geliebt hat.
Joyce fängt meisterhaft die Gefühle und Motive der Gäste ein, oft nur andeutungsweise durch ein, zwei Wörter (oder Auslassungen), stets aber präzise und stimmig. Gabriel, der sich als der weltgewandte Intellektuelle betrachtet, wird so in seiner Gefühlskälte und sozialen Ungeschicklichkeiten porträtiert, ohne aber vorgeführt zu werden. Ist die erste Hälfte der Geschichte noch dem Abendessen gewidmet, auch wenn sich hier schon zahlreiche Vorausdeutungen auf den späteren Verlauf zeigen, tritt der Wendepunkt dann ein, als Gretta während des Aufbruchs durch ein Lied - "The Lass of Aughrim" - an ihren toten Geliebten erinnert wird:
"He stood still in the gloom of the hall, trying to catch the air that the voice was singing and gazing up at his wife. There was grace and mystery in her attitude as if she were a symbol of something. He asked himself what is a woman standing on the stairs in the shadow, listening to distant music, a symbol of."
Die Szene im Hotelzimmer - seine aufkommende Lust, in der er ihr Schweigen falsch versteht; ihre Erinnerungen; die Scham, die ihn überkommt; ihrer beider deutlich zutage tretende Isoliertheit; seine Todesgedanken - das muß man einfach gelesen haben, das ist die wahrscheinlich emotional berührendste Szene, die ich je gelesen habe. Und so klingt die Geschichte aus, während Gabriel am Hotelfenster stehend in das winterliche Dublin hinausstarrt:
"His soul swooned slowly as he heard the snow falling faintly through the universe and faintly falling, like the descent of their last end, upon all the living and the dead."
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