Erik Wolf, Hauptkommissar der Sylter Kripo, steht vor einer doppelten Herausforderung. Seine Schwiegermutter Carlotta besucht ihn und seine Kinder Felix und Carolin zum ersten Mal auf der Norseeinsel. Kein leichtes Treffen für alle Beteiligten, denn Eriks Frau Lucia verunglückte bei einem tragischen Autounfall tödlich. Noch während Erik Mamma Carlotta vom Hamburger Flughafen abholt, erhält er die Mitteilung, dass in Kampen ein Mord passiert ist. Die reiche Witwe Christa Kern wurde erdrosselt in ihrem Haus aufgefunden. Die Putzfrau des Opfers, Heide Petersen, Christas Schwester Bernadette und Fischhändler Andresen sind die ersten Verdächtigen. Und so beginnen die Ermittlungen. Allerdings nicht nur die der Sylter Kripo. Die neugierige Mamma Carlotta stellt eigene Nachforschungen an.....
Während Mamma Carlotta am Wenningstedter Strand das Phänomen von Ebbe und Flut erkundet, wird der Leser mit reichlich Licht und Schatten in ihrem ersten Fall konfrontiert. Gut gelingt Gisa Pauly die Beschreibung der schwierigen Situation der Kleinfamilie Wolf, die, nicht zuletzt durch Carlottas Anwesenheit, immer wieder schmerzlich an den Verlust von Ehefrau und Mutter erinnert wird. Liebevoll zeichnet die Autorin ihre beiden Hauptfiguren, Erik Wolf und seine Schwiegermutter. Die Konkurrenz der beiden bei der Aufklärung des Falles ist die stärkste Seite dieses Krimis. DNA-Analyse und Kriminaltechnik wetteifern hier mit Schwiegermutters Bauchgefühl......
Einen durchgehenden Spannungsbogen zu schaffen missglückt Gisa Pauly leider. Zu bemüht werden falsche Fährten für den Leser ausgelegt. Personen, die Sylt jahrelang nicht gesehen hatten, kommen mehr oder weniger zufällig pünktlich zur Tatzeit auf die Insel, um fortan als Verdächtige zu dienen. Auch die Auflösung dieses Krimis wirkt mehr konstruiert als logisch.
Hinzu kommen leider einige Handwerkliche Mängel. Dass die Autorin bei mehrmaligem Lesen des eigenen Manuskripts betriebsblind wird, mag man verzeihen. Dass jedoch ein Satz wie "Damit hatte Eriks Missstimmung an diesem Tage seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht." sowie einige stilistische Fehler unbeanstandet das Lektorat des Piper-Verlags passieren konnten, erstaunt, und hätte Mamma Carlotta vermutlich ein erschrockenes "Madonna! Incredibile!" entlockt.
Fazit: Eingeschränkte Empfehlung für Sylt- und Krimifans, die bereit sind für nette Charaktere und reichlich Lokalkolorit leichte handwerkliche Schwächen in Kauf zu nehmen.