"Die Tote im Keller", so lautet der Titel des mittlerweile siebten Irene-Huss-Krimis aus der Feder von Helen Tursten, der nun endlich als Taschenbuch erschienen ist. Die gesamte Serie ist sicherlich nicht Krimikost der allerhöchsten Klasse, biette aber fast durchgehend solide, spannende und leicht zu lesende Unterhaltung für lange Leseabende. Auch dieser Fall für die Göteborger Ermittlerin reiht sich hier ohne Frage ein.
Zum Inhalt: In einer kalten Winternacht überfahren Unbekannte in einem gestohlenen Auto auf der Flucht einen Ex-Polizisten, der noch am Unfallort stirbt. Nchdem die Polizei den gestohlenen Wagen entdeckt hat, findet sie im Keller eines nahegelegenen Hauses die Leiche ines jungen Mädchens. Schnell stellt sich heraus, dass diese sich illegal in Schweden aufhielt und offenbar als minderjährige "Sexsklavin" missbraucht wurde. Die Ermittlungen führen Huss und ihre Kollegen bis nach Teneriffa. Nebenbei gibt es wieder viele, für die Serie typische, Einschübe aus dem Privatleben der Polizistin.
Tursten erzählt die Geschichte routiniert und unterhaltsam. Wenngleich die Bücher der Autorin selten als nervenzerreisend spannend beschrieben werden könnten, kommt dennoch so gut wie nie Langeweile auf. Das Buch ist gut an wenigen Abenden zu lesen. Erfeulich, dass die Autorin nach dem - meiner Meinung nach - schwächsten Teil der Serie "Feuertanz" zum gewohnten Niveau zurückfindet. Der Fall gestaltet sich vielschichtig und bleibt lange offen. Es gibt relativ lange keinen wirklichen Verdächtigen.
Wie schon häufig, hat sich Tursten ein brisantes Thema als überbauder Handlung ausgesucht. Diesmal geht es um verschleppte, minderjährige Mädchen, die in fast ganz Europa zur Prostitution gezwungen und am Ende nicht selten ermordet werden. Ein heikles Thema mit dem behutsam umgegengen wird, ohne in Belanglosgkeit abzudriften.
Doch es gibt auch einige Kritikpunkte. Bei den Abschnitten aus dem Privatleben trägt die Autorin etwas dick auf. Fast unglaublich, was ihrer Familie in kurzer Zeit zustößt. Diese Handlungsteile kommen nicht ganz an die Qualität früherer Turstenbücher heran. Die diesmalige Auslandsreise von Huss ist ziemlich misslungen und kann getrost als der schwächste Teil des Buches bezeichnet werden. Hier läuft die Geschichte etwas aus dem Ruder. Schade, waren doch gerade die Reisen bisher immer eine Bereicherung.
Ich habe dem Buch 3 Sterne gegeben. Es bietet solide Krimikost nicht mehr und nicht weniger. Ohne die vermurkste Auslandsreise würde das Buch sehr weit oben in der Rangliste der bisher erschienenen Huss-Krimis stehen. So plaziert es sich im oberen Mittelfeld. Huss-Fans können (und müssen wohl) zugreifen, alle anderen probelesen...