HÖRSPIEL-KRITIK:
DIE TOTE IM GÖTAKANAL ist der erste Roman aus der berühmten KOMMISSAR BECK - Buchreihe von Maj Sjöwall und Per Wahlhöö. Er erschien 1965.
Diesmal ermittelt die Stockholmer Mordkommission unter der Leitung von Kommissar Martin Beck im Fall einer unbekannten weiblichen Leiche und wir erleben hautnah, wie langwierig, schwierig und frustrierend so eine Spurensuche sein kann, wenn man NICHTS in der Hand hat.
Das vorliegende Stück, das der SWF/WDR 1978 produzierte, folgt wie in der Hörspielreihe üblich erschreckend sachlich und ernüchternd den Ereignissen um die Ermittlungsvorgänge von Beck und seinem Team. Man fragt sich als geschulter Hörer oder Leser jüngerer Krimis manchmal, warum die Last der Geschichte auf so viele Schultern verteilt wurde. Was ist das besondere oder gar unverwechselbare an diesem kauzigen Beck, der auch hier zumeist nur als Mittler agiert?
Vielleicht eben jene Schattenhaftigkeit, die die Geschichte so realistisch anmuten lässt. Und daher findet man auch in dieser Beck-Episode keinen klassischen Spannungsbogen; dafür wird man an Stellen überrascht, an denen man gerade wieder Vergleiche zu Schweden-Romanen von Mankell oder Nesser anstellen wollte.
Charles Wirths spricht hier wie in fast allen 10 BECK-Funkfassungen die Rolle des Kommissars und Hubert Suschka hat seinen ersten Auftritt als Becks Freund und Kollege Lennart Kollberg. Assistent Frederik Melander wird hier von Peter Franzon gesprochen, später wird es dauerhaft Helmut Wöstmann. Die berühmten Beck-Ermittler Rönn, Larsson, Malm und Skakke tauchen erst in den folgenden Romanen auf.
In weiteren Rollen sind Dieter Eppler, Herbert Stass, Ernst Jacobi, Heta Manscheff, Michael Thomas, Karin Schröder, Friedrich von Bülow, Christian Brückner und Joachim Nottke zu hören.
DIE TOTE IM GÖTAKANAL ist das erste Hörspiel der Reihe und zugleich das erste, welches der bekannte Funkregisseur Peter-Michel Ladiges eingerichtet hat.
Die Inszenierung überzeugt durch seine eigenwillige Stilistik (kurze Szenen, nüchterne Sprache, charaktervolle Sprecher und zwei sich schnell abwechselnde Erzählstimmen), die er im gleichen Produktionsjahr mit den Folgestücken ENDSTATION FÜR NEUN, DER POLIZISTENMÖRDER und UND DIE GROSSEN LÄSST MAN LAUFEN noch erweitert hat.
Ladiges' letzte BECK-Funk-Bearbeitung (ALARM IN SKÖLDGATAN) entstand übrigens erst 1995 im NDR und folgt diesem Stil nur noch begrenzt.
Inzwischen sind alle 10 Funkfassungen der klassischen Beck-Krimis des schwedischen Autorenpaars Maj Sjöwall und Per Wahlöö im Audio-Verlag erschienen, manche als Teil einer Sammelbox, manche auch einzeln.
GUTE UNTERHALTUNG.