Auf den ersten Blick handelt es sich um ein mühsam zu lesendes Buch.
Was ist es dann, was einen nicht mehr loslässt, sobald man sich auf diese seltsame Geschichte eingelassen hat?
Es geht in diesem nüchtern und schnörkellos erzählten Text darum, wie in Mitteleuropa gelebt und vor allem, wie dort gestorben wird.
Der Autor führt uns in zwei parallele Welten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten: Er zeigt uns eine unbekannte Slowakei. Es ist eine entrückte, scheinbar aus der Zeit gefallene Welt, gekennzeichnet durch die desaströse soziale Lage ihrer BewohnerInnen. Gleichsam am anderen geografischen Pol liegt die überschaubare Welt der österreichischen Provinz. Die kleinen Städte sind schmuck und die meisten Menschen haben es zu mehr oder weniger offensichtlichem Wohlstand gebracht.
Diese beiden konträren Welten begegnen einander in Form tausender slowakischer Pflegerinnen, die unter teilweise unzumutbaren Bedingungen schlecht bezahlte Rund-um-die-Uhr-Pflege leisten.
Alle diese Hintergründe leuchtet der Autor eindrücklich aus, weil sie für das Verständnis des einsamen Sterbens einer slowakischen Pflegehelferin in einer österreichischen Bezirksstadt nötig sind.
Er befragt alle Personen, die mit dem mysteriösen Tod der jungen Frau in Zusammenhang gebracht werden könnten, sowie jene, die eigentlich mit dessen Klärung betraut wären.
Der Autor trägt unzählige Informationen zusammen. Doch die vielen unterschiedlichen Mosaiksteinchen fügen sich zu keinem klaren Bild. Bei seinen Recherchen stößt er in beiden Lebensräumen auf Lügen, Desinteresse und Feigheit.
Am Ende bleiben bei mir als Leser nur Verstörung und Betroffenheit. Und anstatt einer Antwort bleibt die Frage: Wie ist eine solche Geschichte überhaupt möglich?
Das Buch mag als Protokoll eines Scheiterns gelesen werden. Für mich ist diese "Chronik eines nicht angekündigten Todes" vielmehr ein eindrucksvoller Beweis dafür, dass Zivilcourage - in Person des Autors - aus unserer Gesellschaft noch nicht ganz verschwunden ist.