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Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam
 
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Die Torheit der Regierenden. Von Troja bis Vietnam [Taschenbuch]

Barbara Tuchman , Reinhard Kaiser
3.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die Torheit der Regierenden
OT The March of Folly. From Troy to VietnamOA 1984 DE 1984 Form Sachbuch Bereich Geschichte
Die Torheit der Regierenden mit dem Untertitel Von Troja bis Vietnam von Barbara Tuchman war eines der erfolgreichsten historischen Sachbücher des 20. Jahrhunderts. Die Beziehung zur Gegenwart, welche die Historikerin und Journalistin in den Geschichtsepochen herstellt, machen ihre Werke lebendig und verleihen ihnen einen aktuellen Charakter.
Inhalt: Auch in den Fällen politischer Torheit, die sie ausgewählt hat und deren Folgen sie beschreibt, fühlt sich der Leser einbezogen und betroffen. Auch wenn die Geschichte vom Trojanischen Pferd jeder historischen Grundlage entbehrt, wird in deren Wiedergabe deutlich, welche katastrophalen weit reichenden Folgen ein solches Fehlverhalten etwa in unserer Zeit gehabt hätte.
Wie das Fehlverhalten und die Inkompetenz, die Machtgier und Verderbtheit zahlreicher Renaissancepäpste schließlich zur Spaltung der Christenheit und zahllosen blutigen Kriegen führten, beschreibt Tuchman im folgenden Kapitel. Sie schildert, wie die Päpste die Anschauungen und den Lebensstil der »räuberischen Fürsten« der italienischen Stadtstaaten der Epoche übernahmen, deren Habgier und Verschwendungssucht nacheiferten und alle Rufe nach Reform der Kirche überhörten.
Sixtus IV. (1414–84) aus der Familie della Rovere war ein »herrschsüchtiger, unerbittlicher Charakter«, wie Tuchman schreibt, der während seiner Amtszeit nur ein Ziel hatte: sich und seine Familie zu bereichern. Innozenz VIII. (1432–92) gelangte nur durch einen Zufall auf den Papstthron. Der Charakter Alexanders VI. (1431?–1503) wird als verderbt beschrieben. Dieser aus der Borgia-Familie stammende Papst hatte zahlreiche Mätressen und sieben Kinder und hatte seine Papstwürde durch Bestechung erlangt. Sein Sinnen richtete sich mehr auf die Politik als die Religion, und auch er verwandte keinen Gedanken an notwendige Reformen. Auch Julius II. (1443–1513) war mehr Machtpolitiker als geistlicher Vater, selbstherrlich und unerbittlich. Papst Leo X. (1475–1521), ein Medici, war zu sehr damit beschäftigt, seine Macht und seine Stellung zu genießen, als sich wichtigeren Aufgaben zu widmen. Klemens VII. (1478–1534) wurde ein Opfer der politischen Verhältnisse und seiner Unentschlossenheit. Als er Frankreich und Habsburg-Spanien gegeneinander ausspielen wollte, verscherzte er es sich mit beiden Mächten. Unter seiner Ägide kam es 1527 zum Sacco di Roma, der Plünderung und blutgierigen Zerstörung Roms.
In einem weiteren Kapitel untersucht Tuchman, wie es dazu kam, dass Großbritannien seine Kolonie in Nordamerika verlor. Sie beschreibt die politische Situation in Großbritannien, wo die herrschenden Kreise mit Arroganz und ohne jeglichen politischen Weitblick agierten und einen ganzen Kontinent wegen ihrer Rechthaberei verloren.
Im letzten Kapitel liefert Tuchman eine hervorragende Zusammenfassung der Entwicklung des Vietnamkrieges. Immer wieder hatten Berater davor gewarnt, sich in diesem Teil der Welt politisch und militärisch zu verstricken, zumal die USA in Asien als Befürworter der Unabhängigkeit der Völker geachtet waren; dennoch ließen sie sich zu einem militärischen Eingreifen bewegen.
Wirkung: Tuchman war klar, dass ihre plausible Darlegung der offensichtlichen Torheiten der Regierenden und der Machthaber der Vernunft nicht zum Sieg verhelfen würde. Ihr Epilog mit dem Titel Eine Laterne am Heck, bezieht sich auf einen Ausspruch des englischen Dichters Samuel Coleridge (1772–1834): »Aber Leidenschaft und Parteigeist machen unsere Augen blind, und das Licht, das die Erfahrung spendet, ist eine Laterne am Heck, die nur die Wellen hinter uns erleuchtet.« Dennoch erreichte ihr Buch, das heute aktueller den je scheint, hohe Auflagen und hat zumindest, den Blick der Menschen für die Machenschaften der Regierenden geschärft. N. B.

Kurzbeschreibung

Barbara Tuchman untersucht die vielleicht faszinierendste Paradoxie der Geschichte: die Verwirklichung einer Politik, die dem Eigeninteresse der Regierenden entgegensteht. Sie führt den Leser an vier entscheidende Schauplätze. Der erste ist der Trojanische Krieg. Gegen göttliche Omen und Beschwörungen aus den eigenen Reihen handelnd, ziehen die Trojaner das Pferd in ihre Mauern und verurteilen sich selbst zum Untergang. Das hölzerne Pferd ist das Symbol eines Wahns, der heute existenzgefährdend geworden ist. Die sechs Jahrzehnte päpstlicher Torheiten stellt sie im zweiten Abschnitt vor: Korruption, Amoral und Machthunger, die hochmütige Nichtachtung aller Proteste und Klagen, die zum Protestantismus und zu den Religionskriegen führten. Im dritten Kapitel erzählt sie, wie Georg III. und seine Regierung die Beziehungen zu den Siedlern in den amerikanischen Kolonien zerstörten. Die Verblendung der englischen Krone und ihrer Berater machte aus Untertanen Rebellen und besiegelte den Verlust eines Kontinents. Und schließlich analysiert sie Amerikas Verwicklung in Vietnam - von Franklin D. Roosevelts zögernder Unterstützung des französischen Kolonialismus in Indochina über die unsinnige Domino-Theorie bis zu Lyndon B. Johnsons törichtem Bestehen auf einem militärischen Sieg und der kaum verhüllten Niederlage der USA.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
An vier repräsentativen Fällen untersucht die Autorin Barbara Tuchmann, das in der Geschichte immer wieder vorkommende Phänomen, dass Regierende eine Politik betreiben, die ihren Interessen zuwiderläuft. Die Beispiele sind gut gewählt, beginnend mit Troja, über die Renaissancepäpste, Englands Verlust von Amerika und Amerikas Vietnamkrieg.

Wer diese vier Ereignisse zunächst im Inhaltsverzeichnis liest wird schwerlich glauben, wie viele Gemeinsamkeiten im verhängnisvollen Handlungsablauf vorzufinden sind, ohne das aus der Geschichte Lehren gezogen wurden. Allen Niederlagen sind nicht auf eine Handlung oder Entscheidung zurückzuführen, sondern hatten eine jahrzehntelange Vorgeschichte. Das Endresultat war immer bereits am Anfang den Entscheidungsträgern bekannt. In jedem Fall gab es zahlreiche Möglichkeiten vorher auszusteigen und die drohende Gefahr abzuwenden oder zumindest abzuschwächen. In dem Fehlen jeder Skrupel gegenüber Rechtsbrüchen, wiederholte Nixons Regierung die Haltung der Renaissancepäpste. Kassandras Warnungen, Luthers Thesen, die Steuerdebatten in Englands Oberhaus noch die Warnungen von Johnsons Generälen konnten die Selbsthypnose der Regierenden aufheben. Wie Fremdgesteuert folgten sie weiter dem Weg ihres eigenen Untergangs.

Neben den vier sehr ausführlich beschriebenen Fällen zählt die Autorin noch eine Menge weiterer gleichgelagerter Fällen auf und versucht eine Formel zu finden, die solches Verhalten zu verhindern vermag. Doch weder Bildung noch Wohlstand scheinen dazu in der Lage zu sein. Es scheint, die Macht selbst verändert den Regierenden und verleitet ihn zu jenen Fehlern.

Gute Recherche, feines Gespür für wichtige Details und eine spannende Darstellungstechnik lassen das Buch zu einer angenehm lehrreichen Gesichtsstunde werden. Neben einem Inhaltsverzeichnis, einer fünfzig Seiten starken Bibliographie und Anmerkungen rundet ein Register das Buch ab. Nach zwei Golfkriegen gewinnt das Buch erneut an Aktualität und sollte vielleicht auch mal von Regierenden gelesen werden.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
15 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Torheit als Konstante in der Politik ist leider ein Thema, dass nie an Aktualität verliert; um so schöner, dass sich mit B. Tuchmann eine Autorin schon in den 80er Jahres des Problems angenommen hat. So weit so gut. Dennoch hinterlässt die Lektüre des Buches ein Gefühl der Unzufriedenheit. dafür gibt es vor allem zwei Gründe:
Erstens werden die Hintergründe für Torheit wie etwa kognitive Dissonanz oder beschränkende mentale Modelle nicht explizit betrachtet. Allein im Vorwort wird innerhalb der Danksagungen das Problem der kongitiven Dissonanz kurz thematisiert. Die Beschreibung der Fallbeispiele bleibt somit annekdotisch und erklärt letztendlich wenig.
Zweitens strotzen die von B. Tuchmann präsentierten Fälle zum Teil nur so vor Ungenauigkeiten und Fehlern. Ein Beispiel, um dies genau zu illustrieren: Im Kapitel zum Vietnam- bzw. Indochinakriegs wird die Schlacht von Dien Bien Phu behandelt. Dabei zeigt die Autorin weder die strategischen Motive für den Aufbau dieser Festung vollständig auf (sie erwähnt zwar das geplante Aufreiben des Gegeners in offener Schlacht, vergisst aber die intendierte Unterbrechung der Verbindungswege nach Laos), noch wird der Lauf der Ereignisse richtig beschrieben (sie schreibt die Franzosen hätten ein bereits befestigtes Gelände besetzt). Tatsache ist, dass die Festung von Dien Bien Phu erst im Zuge der Ereignisse aufgebaut wurde. Auch die Aussage, die Truppen von Gen. Giap hätten Luftangriffe auf die Festung durchgeführt, zeugt nicht gerade von grosser Kenntnis der Sachlage; die Vietminh waren eine Guerrillarmee. Solche Angriffe wurden von den Franzosen auf die Stellungen der Vietminh mit geringen Erfolg durchgeführt und nicht umgekehrt.
Fazit: Gutes Thema - schlechte Recherche. Wer eine genaue Darstellung des Vietnam-Konflikts und der Verwicklung der USA sucht, sollte stattdessen R. Aspreys Buch "War in the Shadows" lesen.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nicht Tuchmans bestes Werk 11. Oktober 2004
Von Edmund Sackbauer TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Barbara Tuchman geht in diesem Werk den ungewöhnlichen Weg, historische Episoden zu untersuchen, die eine bestimmte Eigenschaft gemeinsam haben: Sie sind durch besonders ausgeprägte Dummheit der Herrschenden gekennzeichnet. Besonders detailliert wird dabei auf die Päpste der Rennaissance, den Verlust des amerikanischen Kolonien durch England sowie den Vietnamkrieg eingegangen. Was Tuchmann in all diesen Epochen entdeckt hat sind vollkommen irrationale Handlungsweisen der Herrschenden, die den eigenen Interessen zuwidergelaufen sind.

Das Buch ist streckenweise sehr interessant und enthält für den Hobbyhistoriker aufschlussreiche Erkenntnisse über die oben beschriebenen Epochen. Der Ansatz, das Werk auf Epochen historischer Dummheit zu fokussieren ist eine lustige Idee, Geschichte einmal etwas anders anzugehen. Es gibt zwar einen roten Faden. Dieser ist jedoch sehr schwach. Einige Kapitel stechen hervor, wie das Kapitel über den Vietnamkrieg, das einen guten Überblick über diese Epoche gibt. Andere hätte sich die Autorin lieber erspart, wie die Episode über Troja. Die historische Suppe ist da einfach zu dünn. Das Buch kommt daher leider nicht ganz an das beste Werk der Autorin „August 1914 -The guns of August" (das ich überaus empfehlen kann) heran, ist aber dennoch eine nette Lektüre.

Fazit: Wer sich für den Vietnamkrieg und die amerikanische Sezessionsbewegung überblicksmäßig interessiert findet hier die Analyse einer erstklassigen Autorin. Moderat!

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