Viel wurde versprochen: Rhiana die Amazone, die neue Reihe im DSA - Universum, soll die Fehler vermeiden, an denen die allgemeine Romanreihe aus Aventurien krankte: Keine Folgeelemente die kaufbindend wirken, wenig Spannung aufgrund zu geringer Seitenzahlen und teilweise undurchdachte Konzepte sollen ersetzt werden durch eine soap - artige Romanreihe, die von ein und derselben Person erzählt, deren Erlebnisse man über viele Romane hinweg mitverfolgen kann. Eine feste Konzeption soll hinter dem ganzen stehen, altbekannte und im Umgang mit Aventurien erfahrene Autoren sollen der Reihe in der Zusammenarbeit den letzten Schliff geben.
Rhiana von Talania, die bildschöne und kämpferische Tochter des ermordeten König Arlos, lebt seit ihrer Kindheit mit einigen Getreuen unter der Führung der weisen Druidin Maruna in der Zuflucht, einem restaurierten Gutshof, und versteckt sich vor den Feinden ihres Vaters, um ihnen in Zukunft gegenüberzutreten. Doch die Konfrontation kommt viel zu schnell: Die gut getarnte Zuflucht wird von Orks und Söldnern unter der Führung unbekannter Hauptleute angegriffen - und der Angreifer scheint genau gewusst zu haben, wo er suchen muss...
Szenenwechsel, einige Jahre später, irgendwo südwestlich des Golfes von Prem: Eine riesige, unheimliche, schwarze Felsnadel ragt abweisend aus dem Meer. Schiffe aus aller Herren Länder ankern in respektvoller Entfernung von der Insel, und alle hatten sie Passagiere: Die Räte des Flammenbundes treffen sich, um in dem Felsen unter dem Vorsitz des geheimnisvollen Dagors ihr alljährliches Treffen abzuhalten und Pyrdacor, den alten Drachen, zu verehren. Das Augenmerk des Bundes hat sich auf eine bestimmte Person gerichtet, die den weltumspannenden Plänen des Flammenbundes im Weg zu stehen scheint...
Mit Rhiana wurde zwar verlagstechnisch ein neues Konzeptbuch aufgeschlagen, an dem Stil, den man von den DSA - Romanen gewöhnt ist, ändert sich aber trotzdem nichts:
Betont aventurisch fallen alle Bezeichnungen aus, und wenn dann und wann ein neuzeitlicher Ausdruck nicht zu vermeiden ist, so wird er behelfsweise eingebunden, damit alles noch an Stimmigkeit gewinnt. Große Literatur ist nicht zu erwarten - so viel sei vorweg gesagt - aber doch eine gewisses Flair, das den Romanen aus Aventurien anhaftet.
Die Atmosphäre fällt gewöhnlich aus und wirkt nicht übertrieben, aber stellenweise etwas schlecht nachvollziehbar, was aber auch an der Mangelnden Erfahrung mit der Reihe liegen kann: Viele Aktionen, Gefühle und Ansichten der Pro- und Antagonisten sind noch nicht verständlich, da das Gerüst fehlt, welches das ganze zusammenhält:
Es werden nur spärlich Informationen über Rhianas Vergangenheit und die Vorkommnisse um König Arlos Tod verteilt, sodass sich der Leser stellenweise schlecht informiert fühlt: Auch am Ende des Romans fehlt eine Teilauflösung, die zur Kaufmotivationdes nächsten Romans der Reihe führen könnte: Dafür jedoch wirkt der Hintergrund recht durchdacht und ausgefeilt - man kann nicht alles haben.
Wiewohl Hans Joachim Alpers einiges an Klischees bringt, wirkt der Roman doch nicht damit überstrapaziert: Recht sanft und eindeutig wird der Leser von einer Stimmung in die nächste dirigiert, ohne gezwungen zu werden.
Die Figuren wirken recht plastisch, jedoch trotz einigen Innovationen etwas hölzern: Mit Rhiana mitzufühlen ist für den Leser schlecht möglich - wer kann sich schon gut deutliche Visionen der Göttin Rondra vorstellen, in denen sie einem im Gespräch erklärt, man sei ihr Kind und möge auch bitte so handeln?
Insgesamt erreicht der Roman das gesteckte Ziel: Ein würdiger Einstieg für die Rhiana - Reihe, wenngleich man sich etwas mehr Informationen gewünscht hätte, um schneller zum eigentlichen Thema zu gelangen: So bleibt der Roman leider wenig mehr als ein Einstieg und Vorspiel zu größeren Dingen, die da kommen werden.